Zehn Gebote: Freiheit und Herausforderung

Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Dr. Thomas Knöppler, Westgartshausen.

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Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein nimmt sich die Freiheit und tanzt mit der Schauspielerin Ornella Muti. Archivfoto: AP Photo/Diether Endlicher

In diesen Tagen finden zwei prominente Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) den Weg nach Crailsheim. Beide stellen ein Buch vor, das sie zuletzt veröffentlicht haben. Und am Ende des Abends erhält das Publikum jeweils die Gelegenheit, das Gehörte im Gespräch mit dem Referenten zu vertiefen.

Am vergangenen Montag war Prof. Dr. Wolfgang Huber in Crailsheim zu Gast. 15 Jahre lang war er Bischof in Berlin und sechs Jahre war er Vorsitzender des Rats der EKD. Sein Thema war der Begriff der Freiheit. Er warb dafür, dass Freiheit nicht gleichgesetzt werde mit Bindungs- und Verantwortungslosigkeit. Er forderte vielmehr, Freiheit kommunikativ und solidarisch zu leben. Wichtig seien hier die Beziehungen zur Natur, zur eigenen Person und zum Nächsten.

Die Rückfrage, ob der Begriff der Freiheit nicht auch für die Gottesbeziehung eine Rolle spiele, bejahte Huber. Er betonte dabei, dass diese Freiheit geradezu grundlegend sei für den ethisch verstandenen Freiheitsbegriff. Dazu verwies er auf die Präambel der Zehn Gebote: "Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich . . . aus der Knechtschaft geführt habe" (2.Mose 20,2). Nach Überzeugung der Reformation gebe es keine andere Freiheit als die, die ihren Ursprung in Gottes Gnade hat.

Am Mittwoch wird Dr. Günther Beckstein nach Crailsheim kommen. Er ist seit 2009 Vizepräses der Synode der EKD und war davor bayerischer Ministerpräsident. Für ihn sind die Zehn Gebote "Anspruch und Herausforderung". Der Anspruch ergebe sich aus der Tatsache, dass Gott der Schöpfer ist: Gott habe ein Anrecht darauf, dass seine Geschöpfe nach seinem Willen leben. Die Herausforderung bestehe darin, diesen Willen im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben zu verwirklichen.

Aus dem Zusammenspiel von politischem Denken und christlicher Grundüberzeugung wird Beckstein die Bedeutung der Zehn Gebote für verschiedene Fragen der Gegenwart beleuchten. In Hinsicht auf ihre Aktualität sollten die Zehn Gebote nicht unterschätzt werden. Man darf einen interessanten Abend mit wegweisenden Einsichten für ein gelingendes Leben erwarten.

Die Zehn Gebote gehören zu den Grundtexten sowohl des jüdischen, als auch des christlichen Glaubens. Es tut uns gut, wenn wir uns von Zeit zu Zeit auf sie besinnen. Sie sollen nicht nur in der Schule gelernt, im Konfirmandenunterricht eingeprägt und im Zusammenhang der Konfirmation der Gemeinde vorgetragen werden. Auch gerade auf der Höhe und in der Mitte des Lebens sollen sie uns helfen, gute Wege zu gehen.

Immerhin gründen die Forderungen der Zehn Gebote in der Freiheit, die Gott seinem Volk verschafft hat. Gott gibt, bevor er fordert. Die Herausforderung besteht darin, die uns gegebene Freiheit verantwortlich zu gestalten.

Schließlich lebt keiner für sich allein. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Darum soll in unserem Denken, Reden und Handeln das Recht Gottes (erstes bis drittes Gebot) und das Menschenrecht (viertes bis zehntes Gebot) zum Zuge kommen. Stellen wir uns dieser Herausforderung, erfahren wir miteinander das Glück der Freiheit.

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