Zauberwort heißt Ilek-Zuschuss

Es ist eine Punktlandung, die Melanie Krauße da hingelegt hat. Vorgestern präsentierte sie die Ergebnisse des ILEK-Prozesses für Langenburg und Mulfingen. Morgen geht sie in den Mutterschutz.

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Einen Ordner voller ILEK-Ideen gab Melanie Krauße an Bürgermeister Wolfgang Class weiter. Foto: Ute Schäfer

Es ist ein dicker Ordner, den Melanie Krauße, ILEK-Projektleiterin vom Ingenieurbüro Klärle, Bürgermeister Wolfgang Class überreichte. "Da hab ich ja jetzt eine Abendlektüre", sagte er, und Melanie Krauße konterte: "Ein Abend wird nicht reichen." Denn in dem Ordner sind Pläne und Ideen, die in zwei Jahren, unzähligen Sitzungen und unter der Mitarbeit der Bürger aus Langenburg und Mulfingen entstanden sind.

ILEK steht für "Integriertes ländliches Entwicklungskonzept" und ist ein Modellprojekt, bei dem Gemeinden gemeinsam ihre Zukunft planen. Los ging es mit einer genauen Bestandsaufnahme. "Wir wollten wissen, wo die Bürger der Schuh drückt und was ihre Lösungsvorschläge sind." 70 Themen haben Arbeitsgruppen ausgearbeitet, die jetzt detailliert im ILEK-Ordner sind. "Wir haben alle Ideen gewichten lassen", erläutert Melanie Krauße - mit Ausnahmen: Projekte, die auf lokaler Ebene nicht oder kaum beeinflussbar sind, wie fehlende Ärzte etwa.

Zwei große Themen lagen den Beteiligten am Herzen: die fehlenden Verbindungs- und vor allem die Radwege zwischen den Gemeinden und das Thema "Landverbrauch und innerörtliche Potenziale". Der Radweg zwischen Langenburg und Mulfingen etwa führt teilweise auf der sehr unübersichtlichen Landstraße an der Jagst entlang: hochgefährlich und keineswegs wie gemacht für Rad-Touristen. Hier plante das Büro eine alternative Trasse mit detaillierten Karten, teilweise auf der anderen Seite der Jagst. Auch die unübersichtliche Beschilderung war immer wieder Thema. Krauße: "Wir haben zum Beispiel entlang der Radwege Infopunkte angedacht."

Das Thema "innerörtliche Potenziale" - Leerstände in den Gemeinden - sei vor allem aus Nesselbach angesprochen worden. Exemplarisch plante das Büro die Gemeinde völlig um. "Nur Ideen, wir haben mal laut gedacht, ohne uns um Grenzen oder Eigentümer zu kümmern." Sie zeigte am Beispiel eines leer stehenden Nesselbacher Bauernhofs, wie leicht drei attraktive, nach Süden ausgerichtete Bauplätze entstehen könnten - und kein neues Baugebiet nötig ist. Jetzt komme es auf die Umsetzung an.

Bürgermeister Class aber findet, dass es auf die Förderung ankommt. Die Behördenvertreter schoben diese Karte gleich zurück: Jetzt komme es auf die Gemeinde an: "Wir brauchen einen kommunalen Träger", sagte Rolf Rabe, Leiter der Flurbereinigungsbehörde in Hall. "Erst dann können Förderungen fließen." Freilich: Bislang war der ILEK-Prozess eine Ideensammlung der Bürger. "Nun sind die Behörden an der Reihe." Dieter Ziesel vom Amt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL), das das ILEK-Programm ausgelobt hatte, versprach zudem einen "ILEK-Zuschlag" von zehn Prozent auf alle Maßnahmen, sodass Projekte eine maximale Förderung von 85 Prozent erhalten könnten.

Auch wenn Class manchmal von der Bürgerbeteiligung enttäuscht war, und schon vorher wusste, dass Radwege fehlen, "so rutschen wir vielleicht gemeinsam leichter in die Fördertöpfe", hoffen er und sein Mulfinger Amtskollege Robert Böhnel. "Zudem haben wir uns bei dem Projekt besser kennengelernt. Und deshalb haben wir alle gewonnen."

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