Zauber des Hohenlohischen

Lyrik und Hohenloher Mundart, das waren Gottlob Haags Passion. Auf humorvolle Weise trägt Otto Bauschert im Rößler-Museum Ausschnitte aus dessen Werke vor. Das kommt beim Publikum gut an.

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Auf humorvolle Weise gibt Otto Bauschert Mundartgedichte des verstorbenen Hohenlohers Gottlob Haag zum Besten.  Foto: 

Ob der aus Wachbach bei Bad Mergentheim stammende Otto Bauschert ein echtes Hohenloher Schlitzohr ist, dahinter kommen die rund 40 Gäste bei der zweiten Wintervortragsreihe des Kultur- und Förderverein Rößler-Museum im Gemeindesaal zwar nicht. Eines wird jedoch klar: Bauschert besitzt eine gehörige Portion Hohenloher Humor.

Der Stuttgarter liest aus Werken des 2008 verstorbenen Hohenloher Lyrikers und Mundartdichters Gottlob Haag. Dessen Sprache findet er sehr stark und treffend. "Deshalb sollte Haag nicht in Vergessenheit geraten. Wo ich kann, trage ich gerne dazu bei", betont Bauschert.

Mehr als 40 Bücher sind es, die Haag geschrieben hat. Der am 25. Oktober 1926 in Wildentierbach bei Niederstetten geborene Haag stammte aus einfachsten Verhältnissen. Eigentlich wollte er Pfarrer werden, doch der Vater konnte nicht mal das Schulgeld bezahlen. Haag wurde Schneider. In den 50er-Jahren machte er sich mit der Lyrik vertraut - und verfiel ihr. Er begann, Gedichte zu schreiben. Sein Motto: "Gedichte müssen sich nicht reimen, aber stimmen müssen sie." Das Haller Tagblatt veröffentlichte als erste Zeitung seine Werke.

Seine Texte sind besinnlich, mit genauem Blick auf die Welt. "Haag hatte dadurch nicht nur Freunde. Er hat zu genau hingesehen", weiß Bauschert. 1978 bekam Haag das Bundesverdienstkreuz für literarische Leistungen und die Erhaltung und Förderung der Hohenloher Mundart verliehen. Seine bedeutendste Auszeichnung sei jedoch 2007 der Ludwig-Uhland-Preis des Herzogs von Württemberg für sein Lebenswerk gewesen, so Bauschert.

Was es mit Haags Werken auf sich hat, das erfuhren die Besucher von Otto Bauschert. Der pensionierte Oberregierungsrat und geschäftsführende Redakteur der Landeszentrale für politische Bildung suchte seine Lieblingsstücke heraus und trug sie - natürlich in Mundart - dem begeisterten Publikum vor. Bereits als der 70-Jährige zu Beginn die Geschichte vom ersten Hohenloher zum Besten gibt, kommen die Gäste aus dem Schmunzeln nicht heraus. Ein Gott, der zu seinem Menschenwerk Hohenlohisch spricht, das ist schon amüsant.

Tja, den ersten Hohenloher hat Gott demnach aus einer stattlichen Buche geschaffen. Und er war angetan von seinem Werk. Der Hohenloher brachte all das mit, was einen guten Menschen ausmacht: Fleiß, Intellekt und ein gut geschmiertes Mundwerk - bei den Frauen.

Doch Bauschert hat noch weitere Auszüge dabei. Gedichte über die Natur, über Liebe und Tod. "Liebe und Blitz haben eines gemeinsam: Wenn es einschlägt, brennt es meistens lichterloh", so Bauschert. Der Stuttgarter liebt das Hohenlohische. "Es ist für mich, was mich mit Heimat verbindet", erzählt er. Gelächter ertönt aus den Zuschauerreihen als Bauschert zitiert: "Täusche dich nicht, auch alte Scheunen brennen noch. Du musst nur wissen, wo du das Zündholz anlegen musst."

Bauschert hat das Zündhölzle an die richtige Stelle gehalten. "Das war ein Genuss", sagt Bernhard Woll aus Waldenburg. "Mir hat es gut gefallen, weil mich so etwas interessiert", resümiert Dieter Kraft aus Untermünkheim.

Info Einige Werke von Gottlob Haag sind noch zuhaben: Verlag Eppe, Alte Kiesgrube 20, 88326 Aulendorf, Telefon 07525 / 923348.

Hohenlohische Redenwendung auf Hochdeutsch

Awwer anneweech

Aber dennoch

Zwische de Zeile

Zwischen den Zeilen

Bass uff, wenn dr Noochtgrabb kummt

Pass auf, wenn der Nachtkrapp (Schreckfigur) kommt

Neewenoodappt Daneben getreten

Mit schtaawiee Schueh Mit staubigen Schuhen

I glaab, du bischt e Meischterschtigg Ich glaube, du bist ein Meisterstück

Doe howw i e guets houlz verwischt Da habe ich ein gutes Holz erwischt

Deß is es doch grood Das ist es doch gerade

Deß kummt ganz druff ou

Das kommt ganz darauf an

SWP

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