Zahn der Zeit nagt an Brücken

Viele Brücken, die zu Kreisstraßen gehören, müssen in den nächsten Jahren saniert oder neu gebaut werden. Am dringendsten ist ein Neubau über den Kocher bei Wilhelmsglück für 1,3 Millionen Euro.

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"Nicht ausreichend": Mit dieser schlechtesten Note auf der behördlichen Bewertungsskala beurteilten die Bauingenieure des Amtes für Straßenbau die Kocherbrücke bei Wilhelmsglück. Ihr Neubau wird der teuerste im Kreis. Foto: Marc Weigert

Die alte Steinbrücke bei Wilhelmsglück ist wegen schwerer Schäden nur für Fahrzeuge bis sechs Tonnen befahrbar. Eine umfassende Prüfung durch ein Ingenieurbüro hatte 2012 einen "nicht ausreichenden Bauwerkszustand" ergeben. Darüber informierte das Straßenbauamt kürzlich den Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags, der sich in seiner letzten Sitzung mit dem Thema Brückensanierung beschäftigt hat. "Grobe Voruntersuchungen hat es schon gegeben. Sicher ist, dass eine Sanierung nicht mehr reicht, hier müssen wir neu bauen", stellt der Leiter des Straßenbauamts, Erwin Tiroke, fest.

Bis zum Baubeginn seien aber noch viele Fragen zu klären, etwa zum Naturschutz, zum Straßenverlauf und zum Untergrund. Bereits in Planung ist die neue Brücke über die Bahngleise bei Ellrichshausen. An der alten Brücke seien die Widerlager, die sie an beiden Enden im Baugrund verankern, so lädiert, dass die Statik gefährdet ist, so Tiroke gegenüber unserer Zeitung.

Wenn es bei der Statik Probleme gibt, komme meist nur ein Neubau in Frage - oder eine Tonnagebegrenzung, wie dies derzeit in Wilhelmsglück der Fall ist. Auch die Lanzenbachbachbrücke in Oberspeltach, ein Durchlass von zwei Metern Durchmesser, muss abgerissen und völlig neu gebaut werden.

Alle sechs Jahre steht eine umfangreiche Prüfung der 130 Brücken, die zu Kreisstraßen gehören, an. Bei der Untersuchung im vergangenen Jahr hat das Ingenieurbüro Kropp aus Stuttgart bei weiteren vier Brücken so große Schäden festgestellt, dass sie bis zur nächsten Hauptprüfung 2018 saniert werden müssen. Darunter befindet sich auch die Kocherbrücke bei Braunsbach, deren Sanierung die Verwaltung mit rund 480.000 Euro veranschlagt. Sanierungen seien laut Tiorke sinnvoll, wenn die Statik der Brücke noch in Ordnung ist. Eine übliche Maßnahme sei beispielsweise, Bereiche, wo der Stahlbeton durch Korrosion beschädigt ist, abzutragen und neu aufzubauen.

Entscheidend für die Zustandsbewertung von Brücken sind die Lebensdauer sowie ihre Stand- und Verkehrssicherheit. Viele Brücken wurden in den 1920er und 30er Jahren gebaut, als die Motorisierung zugenommen hat. Ein Brückenbauboom setzte nach dem Krieg ein, auch weil viele Brücken zerstört waren. Das habe sich in den folgenden Jahren fortgesetzt, bis in den 90er Jahren der Bedarf an neuen Brücken gedeckt war. Deshalb seien seit der Wende kaum neue Brücken gebaut worden, antwortete Martin Menger vom Straßenbauamt in der Ausschusssitzung auf eine Nachfrage der Grünen-Kreisrätin Claudia Kern-Kalinke. Viele Stahl- und Spannbetonbrücken sind deshalb heute zwischen 40 und 60 Jahre alt und müssen grundlegend Instand gesetzt werden. Einen direkten Zusammenhang zwischen Baujahr und Zustand gebe es aber nicht immer, heißt es in der Sitzungsvorlage des Landratsamtes.

Bis zur nächsten Brückenhauptprüfung im Jahr 2018 sollten - so hat es sich die Kreisverwaltung zum Ziel gesetzt - alle Brücken mit einer Bewertungsnote "nicht ausreichend" saniert oder erneuert sein. Nach bisherigen Schätzungen kostet dies insgesamt 2,83 Millionen. Etwa 80 der 130 Brücken, die zu Kreisstraßen gehören, sind in einem befriedigenden Bauzustand.

Die schlechtesten Brücken
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