Landwirtschaft aus Leidenschaft

Während viele Landwirte keinen Hoferben haben, ist die Nachfolge bei der Familie Kuppler in Reupoldsrot geregelt: Christine Kuppler führt eine lange Tradition fort.

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Gemeinsam treiben sie den Hof in Reupoldsrot um: Hans-Martin, Sigrid und Christine Kuppler (links). Jede ihrer Kühe hat einen Namen – und die Juniorchefin kennt sie alle. Ausnahmslos.  Foto: 

Drei Töchter. Was grundsätzlich eine wunderbare Sache ist, ist für einen Bauernhof das absehbare Ende. Oder? Hans-Martin Kuppler (64) weiß, dass das ein Klischee ist: „Ich kenne Bauern, die haben vier Söhne und finden keinen Hofnachfolger.“ Bei den Kupplers hingegen ist der Generationenwechsel bereits vollzogen: Eines seiner Mädchen, Christine, hat den Betrieb kürzlich offiziell übernommen. Schon seit 2006 treibt sie ihn mit ihrem Vater und mit Mutter Sigrid um. Gegen das Klischee. Mit Leidenschaft.

„Das ist Enna“, sagt Christine Kuppler und zeigt auf eine Kuh, die ihren Kopf durchs Gatter streckt. Die 33-Jährige steht im Mittelgang des Laufstalls, den die Familie 2009 gebaut hat, und sie könnte ewig so weitermachen, wenn sie wollte: Das ist, das ist, das ist, das ist. Sie kennt ausnahmslos alle ihre Tiere beim Namen, sie erkennt sie an der Zeichnung, an der Kopfform, am Gang – und das bei 90 Milchkühen und weiteren 90 weiblichen Jungtieren, der Nachzucht.

Morgens melken, abends melken

Die Kupplers betreiben Milchwirtschaft und Fleckviehzucht. Der Tag beginnt mit dem Melken, und er endet damit. Beginn: 6 Uhr. Ende: 19 Uhr. Wenn’s gut läuft. In der Zeit dazwischen gibt es immer Arbeit – ob nun das Futter gemischt werden muss, ob Kälber getränkt werden müssen, ob eine brünstige Kuh besamt werden muss, ob am Stall etwas repariert werden muss, ob gesät oder geerntet werden muss. Die Kupplers bewirtschaften 120 Hektar Ackerland, 19 Hektar Grünland und 11 Hektar Wald. Das meiste machen sie selbst, manchmal unterstützt sie ein Lohnunternehmen.

Man könnte fragen: Warum tut man sich das an? Man kann auch sagen: „Der Job hat alles, was ich gerne mache.“ Letzteres sagt Christine Kuppler. Sie ist zwar genervt von der Bürokratie rund um ihren Beruf, die immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Aber: Sie liebt die Kühe, sie liebt es, große Maschinen wie den neuen 280-PS-Bulldog zu bewegen, an der frischen Luft zu arbeiten, sich das Tagwerk selbst einteilen zu können. „Ich bin damit groß geworden“, sagt sie. Hans-Martin Kuppler ergänzt: „Da müssen Sie Herzblut haben.“

Wo der Kupplersche Hof steht, wurde wohl schon in grauer Vorzeit Landwirtschaft betrieben. Bis ins 17. Jahrhundert hinein sind die Namen seiner Besitzer bekannt. Und hätte das Schicksal im frühen 20. Jahrhundert nicht hart zugeschlagen, säße heute kein HT-Redakteur mit Hans-Martin, Sigrid und Christine Kuppler zusammen. 1918 starb Gottlob Dimmler, der den Hof eigentlich hätte übernehmen sollen, 18-jährig an TB. 1920 brannten Stall und Scheuer ab.

Hans-Martin Kupplers Großeltern – seine Großmutter war eine Schwester Gottlobs – entschieden sich, den Betrieb wieder aufzubauen und weiterzuführen. Sie kamen aus Schorndorf nach Reupolds­rot. Großvater Martin Kuppler war eigentlich Kaufmann, jetzt wurde er Landwirt. Auch Hans-Martin Kupplers Vater Alfred wäre die Welt außerhalb Hohenlohes offengestanden. Er studierte in Hohenheim, promovierte über Grassamenvermehrung, hätte an der Uni bleiben können. Aber auch er entschied sich letztlich für den Hof. Dieser war früher ein klassischer Mischbetrieb mit Schweinen, Rindern und ein paar Hühnern. Zeitweise setzten die Kupplers in der Nachkriegszeit auf Hühnerhaltung im großen Stil, hatten mehr als 5000 Tiere.

Ein Katalog voller Bullen

Heute dreht sich bei ihnen alles ums Fleckvieh. Seit Christine Kuppler ihre Ausbildung, ein Praxisjahr in Schleswig-Holstein und die Technikerschule in Triesdorf hinter sich hat, also seit 2006, ist die Zahl der Tiere stark gestiegen. Die gentechnikfreie Milch wird an die Molkerei in Schrozberg geliefert, mit deren Arbeit die Kupplers sehr zufrieden sind. Der kleinere Wirtschaftszweig ist die Zucht – wobei die Freude daran groß ist. Der Samen welches Bullens bei welcher Kuh zu einwandfreien Ergebnissen führt, das ist eine Wissenschaft für sich. Christine Kuppler zeigt einen Katalog der Rinderunion, mit Bildern schöner Bullen und mit jeder Menge Zahlen, die nur der Profi zu interpretieren weiß.

Fast bei jeder monatlichen Auktion in der Ilshofener Arena sind die Kupplers dabei. Sie verkaufen Jungkühe, Bullenkälber und junge Zuchtbullen. Ehrensache ist, dass sie an den Prämierungen auf der Muswiese und dem Jakobifest teilnehmen. Die sind zwar längst kein Wirtschaftsfaktor mehr, aber willkommene Traditionspflege. Und der Ehrgeiz, dort schöne, gesunde Tiere zu präsentieren, ist groß. Daran arbeiten sie das ganze Jahr über – mit Erfolg. Ein Tierarzt jedenfalls hat einmal gesagt: „Wenn ich wieder auf die Welt komme, werde ich eine Kuh bei Kupplers.“

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