Wuselige Kapriole, starke Melodie

Werke französischer Komponisten bestimmen das Konzert des Rin-Trios am vergangenen Sonntag im Kirchberger Schloss. Die jungen Musiker begeistern mit Witz und viel Gefühl für Nuancen.

|
Mit Witz und Leidenschaft interpretiert das Rin-Trio Musik französischer Komponisten. Von links: Kirstin Niederstraßer, Baritonsaxofon, Julia Golkhovaya, Klavier, und Koryun Asatryan, Sopransaxofon. Foto: Ralf Snurawa

Mit neoklassischen Werken rahmt das Trio sein Konzert ein: Francis Poulencs Trio für Oboe, Fagott und Klavier aus dem Jahr 1926 steht am Anfang und Jean Françaix fast 70 Jahre später entstandenes Opus für dieselbe Besetzung, umarrangiert für Sopran- und Baritonsaxofon statt der Holzblasinstrumente, am Ende.

Bei beiden Werken steht inniges, sanft empfundenes Melodieren im langsamen Satz im Mittelpunkt, das jedoch von der gewitzt-wuseligen Spielweise mit oft scharfen Akzentuierungen in den Ecksätzen etwas dominiert wird. Dabei arbeiten die drei Musiker in perfekt abgestimmtem Zusammenspiel Moll-Trübungen wie fast ein wenig verträumt wirkende gesangliche Momente heraus, etwa im Eingangssatz von Poulencs Stück.

Spielfiguren bestimmen stärker als bei Poulenc das Trio von Françaix. Mit Esprit erklingen sie im Finale dieses 1994 komponierten Werks. Spritzig und drängend im Tempo erscheint das "Très vif" im Schlusssatz von Poulencs Trio.

Diese drängende Erregtheit findet sich später in Maurice Ravels Sonatine wieder, die Pianistin Julia Golkhovaya auch mit Sinn für sich kurz verlierende Figurationen interpretiert. Sich im sehnsuchtsvollen Klang im Mittelteil des Menuett-Satzes zu verlieren, gehört ebenfalls zu ihrer Wiedergabe. Sie stellt dem die schlichte Eleganz des Menuett-Themas gegenüber.

Mit kantabler Intensität hat sie zuvor den ersten Satz ausgedeutet, beinahe wie noch vorher Kirstin Niederstraßer auf ihrem Baritonsaxofon das Eingangs-Allegro von Camille Saint-Saëns G-Dur-Fagott-Sonate. Das voluminöse Instrument entpuppt sich als klanglich nicht sehr weit entfernt vom Fagott.

Die Saxofonistin spielt die schweifenden Melodien mit großer Wärme im Ton. Das betrifft vor allem den Schluss des "Molto adagio"-Satzes, den sie sehr empfunden zum Klingen bringt, unterstützt von Pianistin Julia Golkhovaya. Beide zeigen auch die nötige Portion Humor bei den purzelnden und rasch zu spielenden Tonkapriolen des Scherzos.

Ein besonders bemerkenswertes Werk des Konzertes ist Fernande Decrucks Sonate in Cis-Dur, neben Ravels Klaviersonatine das einzige Werk in Originalbesetzung auf dem Programm. Koryun Asatryan wechselt für dieses 1942 komponierte viersätzige Stück vom Sopran- zum Altsaxofon.

Zusammen mit Julia Golkhovaya lotet er die Klangflächenabschnitte aus und verleiht darüber den mit Empfindung gespielten Melodien starken Ausdruck. Ähnlich lässt sich der langsame Satz erleben, gefolgt von wuseligen Figuren im "Fileuse"-Satz. Nach den drückend-schwülen Klängen der langsamen Nocturne-Einleitung reizen beide Musiker die finale Apotheose mit großer Intensität aus. Für den begeisterten Applaus des Publikums bedankt sich das Rin-Trio mit Astor Piazzollas entschieden und leidenschaftlich gespieltem "Frühling" aus dessen "Jahreszeiten"-Zyklus.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Land arbeitet an Neukonzeption des Radwegenetzes

Landtagsabgeordneter Bullinger bekommt Auskunft vom Land zur Lage der Radwege im Landkreis. weiter lesen