Worte zu Musik verdichtet

Die Besucher beim Hohenloher Kultursommer in Lendsiedel haben mit Gerold Stempfels "Dem Leben wie dem Tod so nah" einen innigen Abend erlebt. Im Zentrum standen Kurzgedichte von Silesius und Musik von Jacob van Eyck.

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Der Mann mit der Blockflöte: Gerold Stempfel spielt beim Hohenloher Kultursommer Musik von Jacob van Eyck. Foto: Ralf Snurawa

"Die lieblichste Musik, die Gott den Grimm benimmt, entsteht, wenn Herz und Mund in ihm zusammenstimmt", dichtete Angelus Silesius 1657 in seinem "Cherubinischem Wandersmann oder Geist-Reiche Sinn- und Schluss-Reime". Vier Jahre zuvor hatte der gebürtige Protestant, Arzt, Theologe und Dichter, der eigentlich Johannes Scheffler hieß, sich in Breslau öffentlich zur römisch-katholischen Kirche bekannt.

Silesius hatte sich vom Mystizismus des katholischen Glaubens anstecken lassen und trat in den Dienst der Gegenreformation. Die Begeisterung für den Mystizismus spricht auch aus seinen Reimen. Diese trug am Sonntagabend Marion Rosenbaum in der Stephanuskirche in Lendsiedel vor. Dabei war immer wieder der Bezug zu Gott Thema dieser Texte - sei es bei "Je mehr du aus, je mehr Gott ein" oder "Der Mensch war Gottes Leben".

Selbst "Der allerlieblichste Ton" bezieht sich frömmelnd auf Gott: "Es kann kein Ton so lieblich sein, als wenn des Menschen Herz mit Gott stimmt überein." Diese Worte zu verdichten, das hatte sich der Musiker Gerald Stempfel für das Konzert vorgenommen.

Da lag die Musik des in Utrecht wirkenden Jacob van Eyck nicht fern, nahm dieser doch eine Stelle als Glockenspieler des Domturmes wie als Glockensachverständiger wahr. Gleichzeitig war er einer der bekanntesten Blockflötenvirtuosen seiner Zeit und hatte 1654 seine Kompositionen in "Der Fluyten Lusthof" zusammengefasst.

Stempfel rahmte mit der Musik van Eycks das Programm ein. "Wat zal men op den avond doen?" war so einmal auf der Gambe mit schweifenden, aber schnellen Bogenbewegungen zu vernehmen - und kurz vor dem Ende auch auf dem Instrument, für das van Eyck eigentlich geschrieben hatte: der Blockflöte. Dabei verzierte Stempfel die Melodieumspielungen der Variationen mehr und mehr und unterstrich schön das Frage-Antwort-Spiel der Melodie.

Zentral stand eine weitere Komposition van Eycks: "O slaep, o zoete slaep", innig kantabel direkt auf jenes "Der allerlieblichste Ton" von Silesius folgend. Auf "Die Rose" folgte konsequent die "Ciacona" aus Heinrich Ignaz Franz Bibers fünfter "Rosenkranzsonate". Ob die vom Multiinstrumentalisten Stempfel dafür gewählte Laute wirklich eine glückliche Wahl war, darüber ließe sich streiten.

Ebenfalls auf der Blockflöte hatte Stempfel sich eine "Sonata" von Bibers Lehrer Heinrich Schmelzer mit hochvirtuosem Können erschlossen. Mit viel Esprit ließ er die Figurationen sprudeln. Das ließ sich schon zuvor bei einer "Sonata" Dario Castellos in ähnlicher Weise bewundern, zupackend herausfahrende Skalen, die man später auch in Stempfels lustvoll sogartiger Improvisation im Stil des 17. Jahrhunderts über "La Follia" wiederfinden konnte.

Momente des Sinnierens und Schweifens fanden sich dagegen bei einem der "Prélude non mesuré" für Cembalo von Louis Couperin sowie zu den Gesangsdarbietungen. Stempfel begleitete Marion Rosenbaums schlicht gehaltenen Vortrag mit der Laute - überraschend zu Giovanni Pandolfi Meallis "La Vinciolina", über das beide Interpreten empfunden einen "Laudate"-Gesang gelegt hatten, gefühlvoll zu Charles Tessiers "La plus misérable amante" und schließlich schön im traurigen Ton von Giovanni Girlamo Kapsbergers "Avrilla mia" versinkend.

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