Wir dürfen Gott das Jahr zurückgeben

Gedanken zum Jahreswechsel von Pfarrer Gerhard Heck, Billingsbach und Herrentierbach.

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Ein zu Ende gehendes Jahr ist wie eine frisch gezogene Ackerfurche. Wir blicken zurück und fragen uns: Wie gerade ists geworden? Foto: Ufuk Arslan

"Das alte Jahr ist rasch vergangen, Silvester ist die letzte Nacht. Man könnte sich paar runterlangen. Man hats nicht richtig angefangen. Und ziemlich alles falsch gemacht."

So beschreibt der Schriftsteller Erich Kästner in seinem Gedicht "Wieder 1. Januar" die Situation am Ende des alten Jahres. Im weiteren Verlauf spielt er auf die guten Vorsätze am Beginn eines neuen Jahres an und empfiehlt, auf Vorsätze von vornherein zu verzichten.

Wenn wir am Ende eines Jahres Rückblick halten, dann beschäftigen uns nicht nur ein paar gute Vorsätze, die wir nicht umgesetzt haben. Es sind Versäumnisse, Schuld und Versagen, vor allem gegenüber unseren Mitmenschen, die wir mit uns herumschleppen und die noch nicht erledigt sind. Sie belasten uns, und wir möchten sie eigentlich nicht mit in das neue Jahr hinübernehmen.

"Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte." Dieses Wort aus dem 103. Psalm steht über dem letzten Tag des alten Jahres. Es gibt Zeiten in unserem Leben, da können wir diesen Worten vorbehaltlos zustimmen. Er ist wirklich barmherzig. Er lässt uns nicht allein mit unseren Versäumnissen, unserer Schuld und unserem Versagen. Seine Gnade ist größer als das, was uns beschwert. Gottes Geduld ist unermesslich.

In manchen Situationen fällt es uns schwer, dass wir Gott loben. Da möchten wir lieber klagen und jammern. Doch es ist gut, gerade wenn uns nicht nach Lob und Dank zumute ist, auf die Worte dieses Psalms zu hören. Gott hat doch wirklich alles für uns getan. Wir können uns daran halten, dass seine Barmherzigkeit und Güte uns von drückender Last befreien will. Seine Liebe begleitet uns durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens. Das macht Mut, nach vorn zu schauen.

Von meinem Großvater weiß ich, dass die Wende mit dem Pflug immer besonders spannend war. Einen Augenblick geht der Blick zurück auf die alte Furche, gleichzeitig entsteht die neue vor dem inneren Auge. War die alte Furche so, wie sie sein sollte - schnurgerade - dann war alles gut. War sie aber krumm, war die Welt nicht mehr in Ordnung. Die Kritik der Landwirtskollegen war gefürchtet. Aber es muss dann doch weitergehen. Ein Punkt am Horizont wird gesucht, auf den sich der Pflüger konzentriert und den Pflug dorthin lenkt. Hoffentlich wird dann die neue Furche gut.

Der letzte Tag im Jahr ist auch so etwas wie die Wende mit dem Pflug. Das alte Jahr ist fast vergangen. Es ist gut, dass wir nicht Menschen, sondern Gott für dieses Jahr Rechenschaft geben müssen. Wir dürfen es ihm zurückgeben. Wenn es von Schuld belastet ist, dürfen wir ihn um Vergebung bitten und werden sie auch bekommen. Und dann kommt das neue Jahr in den Blick.

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