Windpark-Prozess: Zeuge schildert seinen Kampf um 500.000 Euro

Die nächste Runde im Prozess um den Windpark Wittenweiler drehte sich um viel Geld: Der Angeklagte ließ einen Unternehmer aus Baden auf einer 500.000-Euro-Rechnung sitzen - bis heute.

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Seine Firma hat einen Marktanteil in Deutschland von 20 Prozent: "Jedes fünfte Windrad-Fundament ist von uns", sagt Gerd Seel. Im nicht existenten Windpark Wittenweiler aber sieht das anders aus: Hier hat der Unternehmer aus dem badischen Walzbachtal die beauftragten Fundamente gar nicht erst fertiggestellt. Jetzt musste Seel vor dem Landgericht in Paderborn als Zeuge aussagen - gegen den mutmaßlichen Millionenbetrüger Mike Rico Trentzsch, der auch Seels Firma gründlich geschädigt haben soll.

Sieben Windräder sollten sich bereits Mitte 2010 auf dem Areal bei Blaufelden drehen. Bis heute ist von ihnen nichts zu sehen, außer den mit Wasser vollgelaufenen Baugruben für die Fundamente. Gerd Seels Firma "Seewind Windenergiesysteme" hat sie ausgehoben, hat die Fundamentblöcke dort eingebaut, die Zufahrtswege ausgebaut und befestigt, um später die Kräne für die Windräder aufstellen zu können.

Im Juni 2010 hatte Seel auf mündlichen Auftrag des Angeklagten Trentzsch dort mit den Gewerken begonnen. Das sei von Anfang an holprig gelaufen, berichtete der Zeuge: "Ich war davon ausgegangen, dass unser Material auf den Kranstellflächen abgelegt werden kann. Aber da war noch gar nichts gemacht." Schließlich habe er von Trentzsch zusätzlich den Auftrag angenommen, Wege und Stellflächen herzustellen, damit mit dem Fundamentbau begonnen werden könne. Im August 2010 aber habe er dann alle Arbeiten eingestellt, weil Trentzsch die vereinbarten Abschlagszahlungen nicht geleistet hatte.

Er habe der Firma Seewind gar keinen Auftrag erteilt, hatte sich der Mann auf der Anklagebank bereits zum Auftakt des Prozesses im November darauf berufen, die Rechnungen der Firma nicht begleichen zu müssen. Dass der badische Unternehmer ihm widerspricht, quittiert Trentzsch nun mit heftigem Kopfschütteln. "Wenn mir der Kunde sagt, fang an, dann fang ich an", sagte Gerd Seel. Das sei in der Branche durchaus üblich. Der schriftliche Vertrag sei aber trotz Anfragen nie gekommen.

Eindeutige Hinweise

Die Zeugenaussage von Gerd Seel deutet darauf hin, dass der Angeklagte lediglich Schutzbehauptungen aufstellt. Aber ein vor dem Amtsgericht Paderborn als Ergebnis einer Klage von "Seewind" Ende 2011 geschlossener Vergleich gibt eindeutige Hinweise: 560.000 Euro will der Angeklagte der Firma zahlen - dafür, dass Bauleistungen erbracht wurden, um den Windpark zu errichten. Gesehen hat Seel davon nur 50.000 Euro, und außer weiteren 75.000 Euro, die er selbst aus dem Verkauf des von den Fundamenten wieder entfernten Baustahls erlöst hat, sind diese Forderungen noch offen.

Wegen dieses bislang einzigen Forderungsausfalls in der über 20-jährigen Geschichte von "Seewind" sei deren finanzielles Polster Ende 2010 aufgebraucht gewesen: "Ich habe aus meinem Privatvermögen mehrere 100.000 Euro zugeschossen", so der 59-Jährige - damit die Firma bei ihren Bauprojekten die nötigen Vorfinanzierungen weiterhin tätigen könne.

Ob Seels Außenstände jemals beglichen werden, ist fraglich: Trentzsch soll etliche Anleger um ihre Anteile an den Windkraftanlagen, die er bauen wollte, geprellt haben. Wo die etwa 1,5 Millionen Euro geblieben sind, will er selbst nicht wissen.

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