Windpark-Prozess Wittenweiler: Ein Mann der seriösen und beruhigenden Worte

Seit über zwei Monaten verhandelt das Landgericht Paderborn mittlerweile gegen den Mann, der den Windpark Wittenweiler bauen wollte.

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Nach weiteren Zeugenaussagen verdichtet sich das Bild, dass der Angeklagte Mike Rico Trentzsch in der Region deshalb so viele Menschen als Geldgeber gewinnen konnte, weil er Seriosität ausstrahlte.

Auch am vergangenen Verhandlungstag glichen sich die Darstellungen der geladenen Zeugen, von denen Trentzsch größere Summen als stille Beteiligungen für den Windpark Wittenweiler bekommen hatte, die aber weder die versprochenen Zinsen noch ihre Beteiligung je ausgezahlt bekamen. Laut Anklage beläuft sich die Summe auf mehr als eine halbe Million Euro, der tatsächliche Schaden dürfte jedoch deutlich höher sein: Die Staatsanwaltschaft hat eine erhebliche Zahl von Fällen aufgrund niedrigerer Beträge gar nicht angeklagt.

Ein 47-Jähriger aus der Nähe von München, der Ende 2009 20 000 Euro als Beteiligung an einem der geplanten Windräder eingezahlt hatte, machte deutlich, warum er sich auf die Anlage eingelassen hatte: "Das war Geld für eine gute Sache" - umweltfreundliche Energiegewinnung, eine gute Rendite und das seriöse und vertrauenerweckende Auftreten von Trentzsch hätten ihn dazu bewogen, Geld zu geben.

Eine Rolle habe auch gespielt, dass seine in Schrozberg beheimatete Familie zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Investition im Windpark Lindlein zufrieden gewesen sei. Als die Anlage Ende 2010 samt Zinsen fällig gewesen sei, so der Zeuge, habe er sein Geld nicht bekommen, aber stillgehalten, um das Projekt nicht zu gefährden.

Zehn Prozent Rendite sei in dem Windkraft-Sektor eine durchaus übliche Verzinsung, "da war nichts Unseriöses dran." 2011 allerdings stellte sich der Selbstständige zum ersten Mal Fragen: Er habe das Windpark-Areal besichtigt, mit den ausgehobenen Gruben und den Fundamentblöcken, "aber da hat sich nicht viel getan, der Baustahl war angerostet." Trentzsch habe ihm als Grund eine Gesetzesänderung genannt, die eine Änderung der Fundamente bedinge. "Ich fand das unprofessionell", sagte der Zeuge, aber die Erklärung habe plausibel geklungen. Auch auf weitere Nachfragen sei es dem Angeklagten stets gelungen, ihn zu beruhigen. Bis dann Ende 2011 der Insolvenzantrag gegen Trentzsch gestellt wurde: "Das war schon ein Schock." Bis heute hat der 47-Jährige von seinem Geld, das als langfristige Anlage und zur Altersvorsorge gedacht war, nichts gesehen.

"Das hat mir imponiert"

Auch ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Crailsheim gehört zu den Geschädigten. Er hatte Beteiligungen in zwei Tranchen zu je 15.000 Euro gezeichnet, nachdem er Trentzsch bei einer Informationsveranstaltung in Schrozberg Ende 2009 erlebt hatte. "Was er sagte, war überzeugend und schlüssig, das hat mir imponiert." In der Gewissheit, eine sichere Anlage zu tätigen, überließ der Mann dem Windpark-Planer das Geld, und glaubte fortan auch den Erklärungen, warum es nicht weiterging: Trentzsch habe stets umfassend schriftlich informiert über den Sachstand, dass zum Beispiel Unterschriften auf Verträgen noch zu leisten oder Probleme mit der Kabeltrasse zu lösen seien: "Ich habe solche Schreiben zur Kenntnis genommen und gehofft, dass bald gebaut wird." Der Zeuge habe allerdings nie wirklich nachgehakt, "ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass Herr Trentzsch mich betrügen will".

Für die kommenden drei Monate sind noch mehrere Verhandlungstermine beim Landgericht Paderborn und die Einvernahme zahlreicher weiterer Zeugen angesetzt.

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