Windpark-Betrugsprozess: Zeugen sprechen von Vertrauen

Der Strafprozess gegen Mike Rico Trentzsch, der des mutmaßlichen Millionen-Betruges und anderer Delikte im Zusammenhang mit dem geplanten Windpark Wittenweiler angeklagt ist, geht schleppend voran.

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Die Einvernahme von Zeugen zeigt, dass der Angeklagte bei den Anlegern offenbar ein immenses Vertrauen genoss. Nach wie vor lädt das Landgericht Paderborn zu jedem Verhandlungstag mehrere Geschädigte, um ein klares Bild vom Agieren des 43-jährigen Mike Rico Trentzsch zu gewinnen. Und nach wie vor erzählen die Zeugen Geschichten, die stellenweise inhaltsgleich sind.

Ein 44-jähriger Handwerker aus Schmieden zum Beispiel war - wie andere Geschädigte auch - durch sein finanzielles Engagement im Windpark Lindlein zur Erkenntnis gelangt, dass Investitionen in Windkraft lukrativ seien: "Das lief da alles nach Plan." 2009 habe Trentzsch als neuer Geschäftsführer finanzielle Probleme des Windparks Lindlein zunächst gelöst, deshalb habe er den Angeklagten für kompetent gehalten und ihm insgesamt 16.000 Euro als Beteiligung am Windpark Wittenweiler gegeben. "Das Vertrauen war da, sonst hätte ich das nicht gemacht." Das Geld des Zeugen ist erst einmal weg, weder bekam er die versprochenen Zinsen von zehn Prozent für ein Jahr, noch erfolgte die Rückzahlung der Anlage - wie bei den meisten Geschädigten.

Der 44-Jährige sagte selbst, Trentzsch habe immer wieder Neuigkeiten mitgeteilt über den aktuellen Projektstand. "Das waren für mich nachvollziehbare Argumente. Da hab ich halt stillgehalten und mich vertrösten lassen." Erst im Zuge des für ihn überraschend gekommenen Insolvenzantrags sei er aktiv geworden und habe mit anderen Anlegern in eine neue Gesellschaft investiert, um noch wenigstens einen Teil des Projektes und damit auch seines Geldes zu retten.

10.000 Euro kamen nie

Sehr ähnlich klangen die Schilderungen eines Ehepaares aus Niederstetten. Auch hier kam der Kontakt zu Trentzsch durch dessen Tätigkeit in Lindlein und den erfolgreichen Einsatz zum Einholen der ausgebliebenen Einspeiseerlöse zustande. 15.000 Euro bekam Trentzsch von dem Ehepaar für Wittenweiler, 10.000 Euro, die sie später abziehen wollten, kamen nie. "Es gab immer wieder Antworten, die man glauben musste. Er hatte offensichtlich nicht die nötige Liquidität", erklärte der Zeuge. Dennoch habe er immer in Trentzsch die Hoffnung gesetzt, "dass er es fertigbringt, den Windpark zu errichten". Dass investiert worden sei, habe man auf der Baustelle gesehen.

In Bezug auf die 90.000 Euro, die durch eine Fehlbuchung vom Lindlein-Konto zu Trentzschs Firma und nicht zurück zum Windpark geflossen waren, sagte der 62-jährige Bankkaufmann: "Fest steht, dass das Geld fehlt, und ich würde das mit Veruntreuung umschreiben. Er hat zwar gesagt, er würde das in Ordnung bringen, aber das hat er nicht getan." Für ihn, sagte der Zeuge, sei Windkraft "eine redliche Geschäftsgrundlage" - deshalb habe er von Trentzsch vorgeschlagene Investitionen in eine Biogasanlage oder Immobilien an der Ostsee abgelehnt.

Der Niederstettener ist mittlerweile einer von drei Geschäftsführern der IGB: Diese habe Projektrechte für drei Windräder in Blaufelden erworben, als "Flucht nach vorne", um Sachwerte zu sichern, da Trentzsch die finanziellen Forderungen nie erfüllt habe. Ob dies Erfolg versprechend ist, ließ der Zeuge offen: Möglicherweise waren zwei der Rechte von Trentzsch zuvor einer Bank als Sicherheit übereignet worden.

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