Windkraft: Es bleibt bei 700 Metern

Ein Windrad 700 Meter vor der eigenen Haustür? Dagegen protestieren in Frankenhardt viele Bürger. Genutzt hat es bisher nichts. Die Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft bleiben bei dem Abstand.

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  • Zahlreich sind Bürger zur Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim ins Gründelhardter Rathaus gekommen - und danach einigermaßen enttäuscht von dannen gezogen. Die 700 Meter Abstand bleiben vorerst gesetzt. Foto: Christine Hofmann 1/2
    Zahlreich sind Bürger zur Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim ins Gründelhardter Rathaus gekommen - und danach einigermaßen enttäuscht von dannen gezogen. Die 700 Meter Abstand bleiben vorerst gesetzt. Foto: Christine Hofmann
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Ein dickes "Ja" prangt auf den Aktions-T-Shirts, die sich die Bürger der Interessengemeinschaft Uhlberg und Umgebung haben drucken lassen. Die rund 330 Menschen, die in den Dörfern rund um den potenziellen Windpark "Schäfer" in Frankenhardt leben, sagen damit Ja zu den Rotoren - aber nur, wenn sie sich in einem Abstand von mindestens 1000 Metern zu ihren Häusern drehen. Nein sagen sie zum bisher beschlossenen Abstand von 700 Metern.

Kurz vor der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft Crailsheim (VVG), die am vergangenen Mittwoch in Gründelhardt tagte und der Vertreter der Gemeinderäte Crailsheim, Satteldorf, Stimpfach und Frankenhardt angehören, versammeln sich viele Bürger vor dem Rathaus. Ihr Ziel: Zeigen, dass sie beim Thema Windenergie ein Wörtchen mitsprechen wollen. Rederecht haben sie in der Sitzung zwar nicht, wohl aber vor den Türen des Bürgersaals. Und da wird eifrig diskutiert. "Alle umliegenden Gemeinden haben sich auf einen Abstand von 950 Metern geeinigt. Nur bei uns sind 700 Meter angesetzt. Das ist für uns völlig unbegreiflich: Warum geht ein größerer Abstand bei anderen und bei uns nicht?", fragt Thorsten Gläser.

Nach der Sitzung sind die Bürger kaum schlauer, aber sehr enttäuscht. Nach nur 20 Minuten nämlich ist die Sache beendet und der Auslegungsbeschluss "Sachlicher Teilflächennutzungsplan Windenergie der VVG Crailsheim" in trockenen Tüchern - mit durchgehend 700 Metern Abstand zu Wohngebieten, Mischgebieten und Aussiedlerhöfen. Vielen der Sitzungsgästen ist nicht klar, dass das schon zuvor beschlossene Sache war: Die Mitglieder des VVG-Ausschusses müssen abstimmen, wie es ihnen ihr jeweiliger Gemeinderat vorgegeben hat.

In den einzelnen kommunalen Parlamenten hat die Abstands-Diskussion zuvor durchaus stattgefunden. Beispiel Crailsheim: Da gab es einen Antrag aus der CDU-Fraktion, die Abstände durchgängig auf 950 Meter zu erhöhen. Damit wäre man weitgehend auf den Kurs der meisten anderen Kommunen im HT-Land eingeschwenkt, die eng mit dem Kreisplanungsamt zusammenarbeiten. Die VVG Crailsheim hingegen hat die Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (MVV) mit der Planung beauftragt.

CDU-Stadtrat Uwe Berger kritisierte "vorauseilenden Gehorsam" und sprach sich dagegen aus, "Crailsheimer Bürgern ein Sonderopfer" abzuverlangen. Baubürgermeister Herbert Holl wiederum warnte dringend davor, sich von den 700 Metern zu verabschieden. Er verwies auf die Empfehlung im Windenergieerlass der Landesregierung und betonte: "Mehr als 700 Meter Abstand sind aus meiner Sicht vor Gericht nicht sicher" - in dem Falle also, wenn ein Investor sich klagenderweise ein Baurecht erstreiten will. Holl betonte außerdem, dass im Gegensatz zu anderen Gemeinden in der VVG Crailsheim alle Bürger gleich behandelt würden - egal, wo sie wohnten.

Letztlich fand die Vergrößerung des Abstands denkbar knapp keine Mehrheit im Rat, mit elf zu 14 Stimmen, bei fünf Enthaltungen. Damit sind im Bereich der Stadt Crailsheim und der Gemeinden Satteldorf, Stimpfach und Frankenhardt im jetzt beschlossenen Plan sechs Windkraft-Flächen mit einer Gesamtgröße von rund 320 Hektar ausgewiesen: Westlich von Maulach, nördlich von Gröningen nahe der Anhäuser Mauer, östlich von Westgartshausen, zwischen Stimpfach und Rechenberg, zwischen Stimpfach und Sandhof - und im Frankenhardter Waldgebiet "Schäfer".

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Kommentare

26.07.2013 09:06 Uhr

Erbärmliche Verwaltung

Interessant: die heutigen Windräder sind mit ca. 200 Metern Gesamthöhe doppelt so hoch wie frühere Projekte, die Rotorfläche sogar locker dre- bis vierfach so groß.
Die alten , schon damals knappen Mindestabstände von ca. 700 Metern wurden aber dreist beibehalten. Was soll das und wie ist das zu begründen?
Es gibt eigentlich nur einen Grund: es ist das Geld (it's the ecomomy, stupid)!
Die Grundstücksbesitzer (darunter auch staatliche Forstverwaltungen etc.) möchten soviel Kohle wie irgend möglich kassieren und die teils windigen Windriesen-Planer wollen abkassieren, was geht, solange die garantierten Zwangssubventionen noch fette und risikolose Traumrenditen versprechen.
Dass sie dabei auf Natur-, Tier- und erst recht Menschenschutz pfeifen, ist offensichtlich.
Am schlimmsten ist, dass die kommunalen Gremien und die Verwaltung wohl bei diesem schmutzigen Geschäft willig mitmachen.
Vielleicht sollte man mal schauen, wer Besitzer der potentiellen Flächen ist und wer der Planer der Anlagen ist. Nicht zum ersten Male wären vielleicht viele überrascht, dort diverse Gestalten zu treffen, die auch in den kommunalen Gremien und Organisationen das Sagen haben.
Auch soll es ja schon vorgekommen sein, dass die mit üppigen EEG-Subventionen fett gemachten Windrad-Bauer sowie selbsternannte "Umweltschützer" wie der BUND vor Ort intensive "Landschaftspflege" betrieben haben.

Bürger, wehrt Euch!

Im Netz:
http://www.swp.de/gaildorf/lokales/gaildorf/Heimat-und-Windkraft;art5533,1471617

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