Windkraft-Info in Michelbach: Bürgerinitiativen holen sich Experten

Nirgends im Kreis schlägt das Thema Windkraft größere Wellen als in Michelbach. Beim Info-Abend äußern sich auch die beiden Bürgerinitiativen für und gegen Windkraft entlang der Kohlenstraße.

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Gebhard Gentner, einer der Geschäftsführer der Haller Stadtwerke, wirbt in Michelbach für die Windkraft. Und er redet Klartext: "Die Anlagen lassen sich nicht verstecken."  Foto: 

Gut 200 Bürger füllen die Schulturnhalle in Michelbach, obwohl die letzte Bürgerversammlung zum selben Thema erst im Februar war.

Ingenieur Ralf Plieninger stellt zunächst die Fläche vor, auf der die Gemeinde Windräder zulassen will. Sie hält zu Wohnsiedlungen 900 Meter, zu Mischbebauung 500 Meter Abstand ein. Sachlich begründbar und rechtskonform seien die Zahlen. Vielen Michelbacher Bürgern sind sie aber ein Dorn im Auge. Die deutlich großzügigeren Abstandsregelungen etwa in Großbritannien (3000 Meter) und in nördlichen Bundesländern, die der Referent der Bürgerinitiative Pro Limpurger Wald Dr. Christoph Leinß, erwähnt, scheinen ihnen recht zu geben. "Warum rückt man uns so auf die Pelle? Ich fühle mich hier wohl und möchte, dass es so bleibt", so ein Michelbacher unter großem Beifall.

Noch ist nicht klar ist, ob überhaupt Windräder auf Michelbacher Gemarkung gebaut werden, denn unter anderem fehlen noch die Gutachten zum Arten- und Naturschutz. "Die Untersuchungen zur Mopsfledermaus werden uns noch das ganze Jahr beschäftigen", stellt Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhard Gentner fest. Der Haller Energieversorger plant im Wald entlang der Kohlenstraße neun Windräder mit einer Höhe von bis zu 200 Meter. "Die lassen sich nicht verstecken", räumt Gentner ein.

Eine Bürgerin befürchtet durch Windrotoren im Wald weitgehende Störungen des Ökosystems bis hin zu Auswirkungen aufs Grundwasser. Der Kirche, der die Flächen an der Kohlenstraße größtenteils gehören, wirft sie Geldgier auf Kosten der Natur vor. Leinß, ein Forstexperte, weist auf körperliche Symptome von Menschen in Folge des Infraschalls durch Windräder hin: Tinnitus und Herz-Kreislauf-Probleme etwa habe man beobachtet. Zum Infraschall merkt dagegen Tilman Schwenk von der Bürgerinitiative Windkraft für Michelbach an, es wäre sinnvoller, sich hier zuerst um die "Riesen" zu kümmern, nämlich um den Schwerlastverkehr sowie Züge und PKW als Erzeuger von Infraschall.

Zur Wirtschaftlichkeit der Windenergie haben die Referenten verschiedene Meinungen. Für die Stadtwerke ist entscheidend, was die Windmessungen am kürzlich errichteten Messmast ergeben.

Gut wäre eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 6,5 Meter pro Sekunde in 140 Meter Höhe. Schwenk ist von der Rentabilität der Windkraft überzeugt. Dagegen haben, so Leinß, langjährige Untersuchungen gezeigt, dass sich die Windkraft im Baden-Württemberg nicht rentiert.

Wald könnte Erholungswert verlieren

Dazu zitiert Karl-Heinz Glandorf von "Pro Limpurger Wald" aus einem aktuellen Bericht des Bundesumweltministeriums: Die Stromerzeugung aus Windenergieanlagen war im Jahr 2102 trotz eines deutlichen Ausbaus von Anlagen witterungsbedingt leicht rückläufig. Leinß weist außerdem auf Einbußen im Tourismus und Wertverlust von Immobilien im Umkreis von Windrädern hin.

Dem stellt Tilman Schwenk Argumente für Windkraft gegenüber: etwa die günstige CO2-Bilanz, die relativ niedrigen Kosten der Stromproduktion, und die Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung. Auch das niedrige Gefahrenpotenzial der Technik sei ein Vorteil: Die Haftpflichtprämie für eine Zwei-Mega-Watt-Anlage liege im Jahr bei nur 150 Euro.

Für Michelbach als Standort spreche der windgünstige Wald und dass der Strom nicht weit transportiert werden müsste. Das St.-Florian-Prinzip lasse er nicht gelten. Dass Windkraft die Landschaft verändere, relativiert er: Das gelte auch für Tschernobyl und Fukushima. Und: "Besser ein Wald mit Windkraft, als gar kein Wald".

Die Bedenken vieler Bürger, der Wald werde durch Windrotoren seinen Erholungswert verlieren, bleiben trotz ausführlicher und wenig polemischer Diskussion bestehen. Die Gemeinde und die Stadtwerke versprechen, sie im Blick zu halten.

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Kommentare

23.03.2013 08:37 Uhr

Fukushima Syndrom

Windkraft - Fukushima für den Naturschutz, so Dr. Friedrich Buer in seinem jetzt aktualisierten Artikel Windräder töten...
In Fukushima wurde niemand durch den KKW-Unfall im Sinne der Strahlung getötet und die Landschaft wurde durch dieses Ereignis auch nicht verändert, das war der Tsunami, Herr Schwenk. Warum sollte der Wald verschwinden? Auch in Tschernobyl gibt es noch Bäume, die waren nie weg.

Das ständige weiter schüren der Atomangst bringt uns nicht weiter. Als ob wir uns vorher den Strom nur durch Kernkraft beschafft hätten. Warum reden diese Leute eigentlich nicht über die freien Energien?

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