Wind-Genossen machen ernst

Die Hohenloher Wind-Genossen machen ernst. Überraschend viele Bürger haben ihr Interesse am neuen Windpark bei Kirchberg bekundet. Das Konzept wurde ihnen am Mittwochabend vorgestellt.

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Seit Jahren im tatkräftigen Einsatz für die Windkraft in der Region: Erwin Schweizer aus Bopfingen.

Eines vorweg: Es gab nur Informationen. Anteilscheine waren nicht zu zeichnen. Trotzdem herrschte Stühlemangel in der Festhalle. An die 170 Windkraft-Interessierte mochten es gewesen sein, die zunächst Gerhard Borchers Vortrag zur Idee der Windpark-Genossenschaft "HohenloheWind" lauschten und sich danach ganz dem Praktiker Erwin Schweizer aus Bopfingen widmeten. Aus beider Ausführungen ging hervor, dass die Genossenschaft durchaus Zukunftspotenzial besitzt - wenn denn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Das heißt: Die planenden Gremien müssen zustimmen, und mit den Flächenbesitzern müssen vernünftige Einigungen erzielt werden. Die Voraussetzungen hat die grün-rote Landesregierung mit dem neuen Landesplanungsgesetz auf den Weg gebracht. Baden-Württemberg soll demnach vom Strom-aus-Windkraft-Niemandsland zumindest ins bundesdeutsche Mittelfeld geführt werden. Zu mehr fehlt wohl tatsächlich der Wind.

Gegenüber dem Ist-Zustand mit einem Anteil von 0,8 Prozent der Windkraft an der Energieerzeugung sollen bereits 2020 zehn Prozent geworden sein. Ein ehrgeiziges Unterfangen, denn aus dem Ausbaustand von 378 Anlagen mit einer Leistung von 486 Megawatt sollen dann 1200 Anlagen mit 3600 Megawatt werden. Ausdrückliche Vorgabe von Grün-Rot ist eine starke Bürgerbeteiligung allerorten, um die Wertschöpfung nicht Großkonzernen zu überlassen, sondern im Lande zu lassen. Und: Dezentrale Anlagen genießen bei ihnen Vorrang vor Großanlagen. Die Landesregierung sieht die Windenergie als zentrale Säule der angestrebten Energiewende an. Ziel ist die Energieunabhängigkeit des Landes von fossilen Energieträgern.

Die "HohenloheWind eG" ist mittlerweile gegründet (das HT berichtete), die Arbeit kann beginnen. Laut Gerhard Borchers wird beim eigenen Projekt von einer Planungsdauer von ein bis zwei Jahren ausgegangen. Das benötigte Eigenkapital (Minimum 30 Prozent) gibt er mit 1,3 Millionen Euro je Anlage an. Von den Kosten her dürfte jedes Windrad bei 4,3 bis 4,8 Millionen Euro liegen.

Ein Dreier-Windpark im Areal zwischen Kirchberg, Großallmerspann und Herboldshausen könnte bis 2013/14 entstehen. Benötigt werden weitere Genossen mit einem Kapital von mindestens einer Million Euro bis Ende dieses Jahres. Die Ausschüttung - erstmals nach zwei Jahren - bezifferte der Genossenschaftsvorsitzende auf knapp unter 10 Prozent. Weitere Vorteile könnten womöglich in der Direktvermarktung des erzeugten Stroms liegen, ergänzte er.

Mit Erwin Schweizer wandte sich ein ausgesprochener Praktiker ans Publikum. Er rechnete den Gästen eindrücklich vor, welche Vorteile Windkraft - selbst in der hiesigen Region - im Vergleich zu Solarenergie und Biomasse hat, welche Genehmigungshürden zu umschiffen sind, welche Anlagen den höchsten "Total Cash" abwerfen und warum von Anlagen von Anlegerinvestoren geringere Gewinnspannen zu erwarten sind als von Windkraft in Bürgerhand. Am Rande: Die wenigsten Interessenten kamen aus Kirchberg.

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