Wie sich ein Dorf verändert

Viele Besucher interessieren sich für die Gottwollshausener Geschichte. Zwei Bürgerinnen haben unter dem Motto "Einst und heute" viele Bilder zusammengetragen, die jetzt im Gemeindehaus gezeigt worden sind.

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Alt und neu gegenübergestellt: Anhand von historischen und aktuellen Fotografien können die Besucher der Ausstellung nachvollziehen, wie sich das Dorf Gottwollshausen in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Foto: Christian Rieger

"Es ist gut, dass so viele Menschen da sind. Ein Geschenk sind die gemeinsamen Gespräche", sagt Hermann Föll. "Schön, dass wir etwas über die Historie erfahren. Wir wohnen seit fast 30 Jahren hier", freut sich Hartmut Walter. "Ich finde es toll, dass sich Menschen in Gottwollshausen zusammengefunden haben, um das Dorfleben zu aktivieren. Schön ist, dass sie bereit sind, mitzuarbeiten", kommentiert Ortsvorsteher Hartmut Pawlitzki bei der Begrüßung, die von Judith Hambücher an der Harfe musikalisch begleitet wird.

Die Ausstellung im Gemeindehaus in Gottwollshausen wurde initiiert von Erika Thier und Margret Merzenich. Beide haben Freude an Bildern in alten Fotoalben. "Diese Freude möchten wir mit Ihnen teilen", so Erika Thier. Aber es sollen auch Veränderungen aufgezeigt werden. Gottwollshausen hatte bis 1945 200 Einwohner. 1950 wohnten 750, heute 930 Menschen in dem Schwäbisch Haller Teilort.

Insgesamt 100 Fotos und 16 Gemälde sind zu sehen. Das älteste Bild stammt von 1870. Friedrich Thier begann 1925 zu fotografieren. Margret Merzenich und Karl Kühnle hatten die Orte dieser alten Bilder erneut abgelichtet. "Wir können schön sehen, was sich heute verändert hat", sagt Erika Thier.

Gezeigt wird beispielsweise die Entwicklung der Landwirtschaft. Gottwollshausen war bis 1945 ein bäuerlich geprägtes Dorf. 1929 gab es 21 Bauernhöfe in Gottwollshausen, heute ist es noch ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb. 28 Bilder informieren über die harte Arbeit von einst. Viele Häuser sind zu sehen, die in den vergangenen Jahren abgebrochen worden sind. Doch zu sehen sind auch Aufnahmen von Singgemeinschaft, Schützenverein, von Schulkindern, Konfirmationen und Kinderfesten.

"Mir wurde von einem früheren Flüchtling berichtet, für dessen Hausbau ein Bauer aus Gottwollshausen die Bürgschaft für ein Darlehen übernommen hat", berichtet Ortsvorsteher Pawlitzki.

Gottwollshausen ist in den vergangenen 70 Jahren von einem kleinen Bauerndorf zu einem beachtlichen Vorort von Schwäbisch Hall geworden. Gestreift wird in der Ausstellung auch das Thema Flucht, Vertreibung und neue Heimat. 1946 kamen die ersten Menschen aus Ungarn und dem Sudetenland. Sie hatten Notunterkünfte im Schützenhaus und bei Bauern. Die Neubürger waren überwiegend Katholiken. Zunächst wurde die evangelische Kirche auch von den Katholiken genutzt. 1972 wurde eine neue katholische Kirche St. Elisabeth geweiht. "Dieses Thema könnte man gründlich aufarbeiten. Es wäre eine weitere interessante Ausstellung", wünscht sich Erika Thier.

Dr. Andreas Maisch, Leiter des Haller Stadtarchivs, gab einen groben Überblick zur Ortsgeschichte von 1277 bis 1945. Früher besaßen Ortsadlige, Johanniter und der Haller Stadtadel die Grundstücke. Zum Ende des Mittelalters gehörten der Stadt zwei Fünftel und den Johannitern drei Fünftel der Höfe.

Gemeinsam mit Schwäbisch Hall wurde Gottwollshausen 1802 von Württemberg besetzt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor der Ort an Einwohnern. Viele Gottwollshausener gingen nach Amerika. 1932 erhielt bei der Wahl die NSDAP die meisten Stimmen. Das politische Geschehen wurde von ihr im Ort dominiert. Schon 1939 gab es in Gottwollshausen erste Zwangsarbeiter aus Polen, später auch aus Russland und dem Baltikum. Überwiegend arbeiteten die 15 bis 55 Jahre alten Männer in der Landwirtschaft. 1945 wurden sie auf unwürdige Art zurück in ihre Herkunftsländer verfrachtet.

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