Wie es Heimatvereinen gelingt, das öffentliche Leben einer Region zu bereichern

Keine Spur von Heimattümelei: Die Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereine in der Region haben sich längst vom Ruf befreit, nur „altes Zeug“ zu sammeln und in der Vergangenheit zu leben. Sie sind offen für Neues, engagieren sich für das Gemeinwohl, vermitteln Menschen, die ihre Heimat lieben, Orientierung. Und sie schaffen, wie in Sulzbach-Laufen, auch Unvorstellbares . . .

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  • Dank des Engagements vieler Menschen entstand aus einer Ruine ein Schmuckstück: Die Sanierung der Schmiedelfelder Schlosskirche unter der Regie des Heimat- und Kulturvereins Sulzbach-Laufen ist ein echtes Gemeinschaftswerk. Fotos: Oßwald 1/3
    Dank des Engagements vieler Menschen entstand aus einer Ruine ein Schmuckstück: Die Sanierung der Schmiedelfelder Schlosskirche unter der Regie des Heimat- und Kulturvereins Sulzbach-Laufen ist ein echtes Gemeinschaftswerk. Fotos: Oßwald
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Ohne das Engagement Ihres Vereins wäre unsere Gemeinde um ein starkes Stück ärmer!" Jahr für Jahr formulieren Bürgermeister oder ihre Stellvertreter - ob sinngemäß oder wörtlich - diese Feststellung, wenn sie auf Hauptversammlungen Grußworte an die Mitglieder der momentan 82 029 Vereine im Land richten.

Ob mit Pathos vorgetragen oder bürokratisch korrekt: Tatsächlich bereichern Vereine das öffentliche Leben einer Kommune. Und sie bieten laut Statistik beinahe jedem zweiten Bürger im Land eine Heimat. So betrachtet, ist eigentlich jeder im vereinsrechtlichen Sinn registrierte Zusammenschluss ein Heimatverein gleich im doppelten Sinn. Wobei die Betätigungsfelder vom Sport bis zur Kultur, vom Brauchtum bis zum Umweltschutz reichen.

Eine besondere Spezies Verein bilden die in fast jeder Stadt und Gemeinde aktiven Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereine. Sie fungieren meist als Klammer um die vielen ehrenamtlich aktiven Gruppen, zumal sich ihre Arbeit überwiegend auf die Bewahrung des kulturellen Erbes eines Gemeinwesens konzentriert.

Ein Paradebeispiel in der Region ist der Heimat- und Kulturverein Sulzbach-Laufen. Im Verein mit Gemeinde, Land, Denkmalbehörden, Stiftungen, Unternehmen und vielen Bürgern konnte die Initiative um ihren inzwischen verstorbenen Gründungsvorsitzenden Haucke Schmitt in der Zeit von 1992 bis 2001 mit Millionenaufwand ein Kulturdenkmal ersten Ranges vor dem völligen Verfall bewahren - die alte Schlosskirche auf Schloss Schmiedelfeld.

Damit dieses gewaltige Potenzial überhaupt erschlossen werden konnte, bedurfte es viel Weitblick, fundierter Kenntnis der Materie und vor allem diplomatischen Geschicks. All das erfuhr das Projekt durch den beherzten Einsatz Albert Rothmunds, damals Erster Landesbeamter im Schwäbisch Haller Landratsamt und Vorsitzender des Historischen Vereins für Württembergisch Franken.

Dem Kochertäler Verein - der bislang größten und erfolgreichsten Bürgerinitiative im Limpurger Land - ist es in hemdsärmeliger Manier gelungen, sich jenseits aller Heimattümelei und Vereinsmeierei einen Ruf zu erarbeiten, von dem seither auch andere Heimatvereine im Land profitieren. Dabei kam es dem harten Kern der Ehrenamtlichen nicht nur darauf an, Altes zu bewahren, sondern auch mit neuem Leben zu erfüllen: Seit Jahren ist die Schlosskirche kulturelles Zentrum der Kochertalgemeinde.

Wie im Gschwender Ortsteil Horlachen das kleine, aber feiner Museum, das der Heimat- und Geschichtsverein Gschwend um seinen Vorsitzenden Eberhard Zimmer im ehemaligen Schulhaus eingerichtet hat. Wechselausstellungen mit Vorträgen zu verschiedenen Themenschwerpunkten sorgen dafür, dass die Vergangenheit der heutigen großen Flächengemeinde Gschwend mit ihren sage und schreibe 85 Teilorten und Weilern nicht in Vergessenheit gerät. Ein Rundgang durch das weithin bekannte Museum vermittelt eine wahrhaft "heimelige" Atmosphäre - authentisch, ungeschminkt, geradezu spannend. Ein ausgefeiltes museumspädagogisches Konzept - heuer zum vor 100 Jahren begonnenen Ersten Weltkrieg - sorgt zudem dafür, dass es an den Museumstagen nicht nur die ältere Generation nach Horlachen zieht.

In diese Richtung zielt seit Jahren auch die Arbeit des Schwäbischen Albvereins, am 13. August 1888 im Gartenhaus des "Waldhorns" zu Plochingen aus der Taufe gehoben - wobei damals zahlreiche württembergischen Verschönerungsvereine Pate standen. Mit etwa 600 Ortsgruppen, darunter sehr aktiven im Limpurger Land und in Hohenlohe, ist der Albverein heute der größte europäische Wanderverein, der sich längst nicht mehr nur dem geselligen Wandern verschrieben hat. Brauchtums- und Landschaftspflege, Natur- und Umweltschutz und vieles andere mehr zählen zum Arbeitsspektrum des aufgeschlossenen, modernen Familienvereins, in dem 110.000 Mitglieder "daheim" sind.

Der arbeitsreiche Weg zum "Wir"-Gefühl

Ein Verein wird von seinen Mitgliedern oft erst dann als "Heimat" empfunden, wenn er Erfolge vorweisen kann. Ein Paradebeispiel ist die Sanierung der Schmiedelfelder Schlosskirche durch den Heimat- und Kulturverein Sulzbach-Laufen. Das vom Verfall bedrohte Gebäude, bis in die frühen 1990er-Jahren von einem ortsansässigen Unternehmen als Lager genutzt, galt im Volksmund lange Zeit auf gut Schwäbisch als "altes Glomp". Als der Verein mit seinem Vorsitzenden Haucke Schmitt das Baudenkmal geschenkt bekommen hatte, um es herzurichten, war es dann "dem Schmitt seine alte Kirch". Nach Jahren harter Arbeit konnte die Sanierung von allen Beteiligten als hervorragend gelungen bezeichnet werden - als "unser Schmuckstückle". Leistung verbindet eben!

KMO

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