Wie ein vermisster Kater nach 16 Monaten wieder den Weg nach Hause findet

Kater Teddy ist im Juli 2013 ausgebüxt. 16 Monate später tauchter er wieder auf. In Michelbach an der Lücke, 100 Kilometer entfernt von seinem eigentlichen Zuhause. Die unglaubliche Geschichte mit einem echten Happy End.

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Den 6. Juli 2013 wird Maja Bogner-Witkowski aus Kirchheim am Neckar so schnell nicht vergessen. Zusammen mit Ehemann Axel freut sie sich auf den Sommerurlaub. Es ist ihr erster freier Tag, aber viel Zeit zum Entspannen bleibt nicht, denn etwas ist anders als sonst: Kater Teddy hat sich leise, still und heimlich aus dem Staub gemacht. Die Sorgen im Haus sind groß, denn so etwas macht Teddy sonst nie. "Da war der Urlaub natürlich versaut", sagt Maja Bogner-Witkowski.

Was hat sie in der Zwischenzeit nicht alles unternommen, um ihren schwarzen Kater wiederzufinden? Handzettel, Facebook, Tierärzte. Fehlanzeige. Selbst bei der Polizei fragt sie nach: ob ein Kater vom Auto überfahren wurde. "Dann hätte man damit abschließen können", sagt Maja Bogner-Witkowski. Teddy bleibt spurlos verschwunden. Aber irgendwie gibt sie die Hoffnung nicht auf, obwohl dem Kater Erkennungs-Chip und Tätowierung fehlen. "Man muss hartnäckig bleiben."

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Maja Bogner-Witkowski nicht im Internet nach Katzen-Fundmeldungen sucht. Und sie hat viele Tiere gesehen, die Teddy ähneln, das ist sicher. Bei ihm handelt es sich übrigens um einen Persermix. Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte er ausschließlich in der Wohnung, lag gerne auf einer orangefarbenen Decke auf dem Sofa. Und wie war Teddy sonst so? Vom Wesen her eigentlich faul und scheu, sagt Maja Bogner-Witkowski. "Die Nachbarn konnten ihn nicht anfassen."

Wer vermisst Teddy?

Manuela Flurer-Wiedmann konnte Teddy anfassen, als sie ihn am 28. Oktober 2014 in der Siedlung in Michelbach/Lücke entdeckt - mehr als 100 Kilometer von seiner Heimat entfernt. Und nimmt ihn mit nach Hause. "Ein ausgesprochen schöner Kater mit unglaublichen eisblauen Katzenaugen", sagt sie, "überhaupt nicht scheu und sehr hungrig." Für Manuela Flurer-Wiedmann steht schnell fest: "Irgendjemand muss so ein besonderes Tier vermissen."

Der besondere Kater genießt sofort alle Sympathien. Nur sein Langhaarfell, das war völlig zersaust. Manuela Flurer-Wiedmann bringt ihn zum Tierarzt, der ihm kurzerhand die Schwanzhaare abrasiert. Anhand einer Tätowierung lässt sich noch etwas rekonstruieren: Teddy streunte vorher schon durch Hausen am Bach, eine andere Familie ließ ihn daraufhin schon kennzeichnen.

Zurück nach Michelbach an der Lücke. Dort stellt die Tochter von Manuela Flurer-Wiedmann eine Anzeige bei der deutschen Tiermeldezentrale (Hilfe bei "tierischen Notfällen") mit mehreren Fotos ins Internet, zu den entlaufenen Hunden und den zugeflogenen Wellensittichen. Und wie es der Zufall so will, sucht Maja Bogner-Witkowski in Kirchheim am Neckar auch an diesem Tag nach ihrem Teddy, dabei stößt sie zum ersten Mal auf dieses Portal. "Wir waren zufällig zu Hause, weil wir beide krankgeschrieben waren", das sagt sie noch. Ihr Mann sitzt auf dem Sofa und hört gespannt zu. Maja Bogner-Witkowski hat das Telefon nämlich auf laut gestellt.

Michelbach wo?

Und dann ist da diese Katzen-Fundmeldung auf der Startseite. Wieder ein Kater, der Teddy ähnlich sieht. Maja Bogner-Witkowski kommt erst gar nicht in die Meldung rein, zu viel Werbung auf der Seite. Sie surft mit dem Handy. Dann klappt es endlich. Ja, das könnte Teddy sein, denkt sie. Aber Michelbach wo? An der Lücke. Das ist doch so weit weg. Wie soll er da hinkommen? "Nee, das ist er nicht", sagt Axel Witkowski. Seiner Frau lässt das Ganze aber keine Ruhe.

Ein Anruf bei der Finderin, viele Zweifel. Ist er es wirklich? Noch ein Anruf, immer noch Zweifel. Aber was solls? "Wir möchten gerne vorbeikommen", sagt Maja Bogner-Witkowski. Und zu ihrem Mann Axel sagt sie: "Wenn es nicht Teddy ist, dann hatten wir wenigstens eine schöne Fahrt." Am 1. November fahren beide von Kirchheim am Neckar los. Und in Michelbach an der Lücke stellt sich Manuela Flurer-Wiedmann die Frage: "Wie realistisch ist denn die Chance, dass ausgerechnet dieser Kater so weit entfernt nach so langer Zeit wieder aufgetaucht sein konnte?"

Dann das erste Wiedersehen. Maja Bogner-Witkowski sucht nach drei weißen Haaren zwischen den Schulterblättern als Erkennungsmerkmal. Und als sie zudem den Knubbel in der linken Ohrmuschel - die Folge eines Zeckenbisses - entdeckt, sind alle Zweifel beseitigt: "Das kann nur Teddy sein." Maja Bogner-Witkowski stehen die Tränen in den Augen. Denise, die Tochter von Manuela Flurer-Wiedmann, holt ein Päckchen Taschentücher. "Das wurde gleich verbraucht", sagt Axel Witkowski und lacht.

Mit einem echten Happy End

Als seine Frau ihren Teddy in den Katzenkorb legt, fängt der erst an zu brummen und legt sich dann völlig entspannt auf die orangefarbene Decke, auf der er schon vor 16 Monaten so gern gelegen hat. Anschließend geht es mit den überglücklichen Katzeneltern wieder nach Hause. Manuela Flurer-Wiedmann kann die Geschichte immer noch nicht so richtig fassen, "ein bisschen wie im Märchen", aber dafür "mit einem echten Happy End".

In Kirchheim am Neckar gibt es neben dem inzwischen siebenjährigen Teddy übrigens noch Katze Hatschi und Kater Krümel. Sie war früher schon da, er nicht. "Teddy und Krümel verstehen sich gut", sagt Maja Bogner-Witkowski, "aber Teddy ist der Chef." Seinen alten Lieblingsplatz hat er zurückerobert, auch wenn das Sofa inzwischen ein anderes ist.

Oft sitzen dort auch Maja Bogner-Witkowski und ihr Mann Axel, das Sofa ist groß genug für drei Katzen und zwei Menschen. Die beiden müssen sich immer noch kneifen und wüssten nur zu gerne eine Antwort auf die Frage, ob Teddy den langen Weg nach Michelbach an der Lücke tatsächlich auf vier Pfoten zurückgelegt hat oder ob ihn ein Lkw mitgenommen hat. Doch das bleibt wohl sein Geheimnis.

Wie geht es Teddy gerade? "Er ist häuslich und ruhig. Und frisst. Und frisst. Und frisst", sagt Maja Bogner-Witkowski. Mit anderen Worten: Teddy macht nicht die geringsten Anstalten, erneut auszureißen. Aber wer weiß, vielleicht liegt das auch am neuen Gartenteich mit den Goldfischen, den sich die Witkowskis in Teddys Abwesenheit zugelegt haben.

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