Werkrealschulen bluten aus - Run auf Realschulen und Gemeinschaftsschulen

Ende März haben Eltern ihre Kinder für weiterführende Schulen angemeldet. Beliebteste Schulart im Landkreis Schwäbisch Hall ist mit einer Anmeldequote von 46,1 Prozent die Realschule.

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Steter Wandel in der Schullandschaft im Kreis: Die vorläufigen Anmeldezahlen für die künftige Klasse fünf zeigt, dass sich der Trend der vergangenen zwei Jahre fortsetzt: Die Werkrealschulen schrumpfen.

Die Gemeinschaftsschulen

Die neuen Gemeinschaftsschulen im Kreis ziehen mehr Schüler an, als sie seither nur durch Werkrealschulen hatten. Das heißt, offenbar sind Gemeinschaftsschulen auch für Schüler mit Realschulanmeldung attraktiv. Auch die bereits bestehende Gemeinschaftsschule Rot am See konnte ihre Schülerzahl um acht auf 50 steigern. Allerdings hat die Honhardter Wilhelm-Sandberger-Schule mit 23 Anmeldungen ihr Ziel von 40 Schülern nicht erreicht. Für diesen Schulstandort hatten sich Bürgermeister aus dem Altkreis Crailsheim vehement eingesetzt. Sie wollten, dass ergänzend zu den Crailsheimer Schulen eine Landschule erhalten bleibt.

Die Realschulen

Zulauf bekommen die klassischen Realschulen, besonders ausgeprägt ist das Wachstum in Gaildorf und Mainhardt. Stark rückläufig sind die vorläufigen Anmeldungen an der Realschule Schenkensee in Schwäbisch Hall. Dort dürfte sich die Gründung der Gemeinschaftsschule an der Schenkensee-Werkrealschule auswirken.

Die Gymnasien

An den Haller Gymnasien hat erstmals das Erasmus-Widmann-Gymnasium mit 112 Anmeldungen eine leicht höheren Zulauf als das Traditionshaus Gymnasium bei St. Michael mit 111 Anmeldungen. Das Albert-Schweizer-Gymnasium (ASG) in Crailsheim zieht als G9-Schule 108 Schüler an, das G8-Gymnasium Lise-Meitner-Gymnasium 38 Schüler. "Wir werden zwei Parallelklassen haben", freut sich Schulleiter Martin Messerschmidt. Der starke Zulauf zum ASG zeige, dass eine sehr große Mehrheit der Eltern das G-9-Gymnasium wünscht. Im Interesse der Eltern, Kinder und Lehrer sei es dringend nötig, Klarheit zu schaffen, wie die gymnasiale Bildung in Zukunft aussehen soll. Wichtig bei den jetzt vorliegenden Anmeldezahlen an allen weiterführenden Schulen ist: Sie sind nicht gleichbedeutend mit der Aufnahme, teilt das Regierungspräsidium mit. Erst mit der Aufnahmebestätigung, die Ende April verschickt werden, haben Eltern Gewissheit.

Einzelne Standorte

In Blaufelden scheint die Werkrealschule auszulaufen: Die fünf angemeldeten Schüler gehen teils nach Schrozberg, teils nach Kirchberg. Blaufelden punktet mit einer zweizügigen Realschule; die in Schrozberg läuft nur einzügig. Eine Null-Runde legt die Werkrealschule Gerabronn ein; bei 30 Grundschülern in der aktuellen Klasse drei könnten nächstes Jahr eine handvoll Schüler für die Werkrealschule zusammenkommen. Alternative Schulstandorte für die Gerabronner Schüler sind Ilshofen oder Rot am See. Die Kirchberger Grundschule ist stabil zweizügig. Von dort kommen genügend Schüler, um die Realschule zweizügig laufen zu lassen. Stark schwindend sind die Werkrealschüler. Zur weiteren Entwicklung in Kirchberg meint Schulamtsdirektorin Ursula Jordan abwägend: "Das muss man sehen."

Der Schulstandort Ilshofen profitiert von den Vellberger Schülern. Ab nächstem Schuljahr ist Vellberg nur noch Grundschule. Die Ilshofener Real- und Werkrealschule behaupten sich. Die Werkrealschule Kressberg muss angesichts der sechs Anmeldungen eine Dreier-Kombi-Klasse bilden. "Da haben wir Bauchweh", sagt Schulamtsdirektorin Jordan. Fichtenau hat keine Anmeldungen in Klasse fünf - dort hat der Gemeinderat beschlossen, die Werkrealschule auslaufen zu lassen. Nur zwei Anmeldungen verzeichnet die Werkrealschule Obersontheim. Sie wollte Gemeinschaftsschule werden - das Berufungsverfahren läuft noch. Doch die fünfte Klasse wird es nicht geben, die beiden Schüler sollen an eine andere Schule wechseln.

Bühlertann kann eine eigenständige Klasse in der Werkrealschule bilden, und die Klasse fünf der Realschule zweizügig führen. "Gute Zahlen", so Ursula Jordan.

Die Thomas-Schweicker-Werkrealschule Schwäbisch Hall läuft mit 36 Schülern stabil. Sie und die Leonhard-Kern-Realschule (107 Anmeldungen) wollen in 1,5 Jahren eine Gemeinschaftsschule bilden. Das ist dann die erste Gemeinschaftsschule im Schulamtsbezirk, bei der eine Realschule beteiligt ist.

Die Mainhardter Werkrealschule hat für September 13 Anmeldungen, die Realschule 6. Es sind auch Schüler aus Wüstenrot nach Mainhardt gewechselt, berichtet Schulleiterin Christine Kuhn. Für die Werkrealschule Mainhardt ist ein Schüler aus Wüstenrot dabei, für die Klasse fünf der Realschule liegen zwei Anmeldungen aus Großerlach vor, fünf Anmeldungen aus Neuhütten, zwölf Anmeldungen aus Wüstenrot. Auch während des laufenden Schuljahres seien zwei oder drei Schüler von der Wüstenroter Gemeinschaftsschule zur Realschule Mainhardt gewechselt. Den Eltern habe das Konzept der Gemeinschaftsschule nicht gefallen, teilweise sei ihnen auch die offene Form der Ganztagesbetreuung, wie sie in Mainhardt praktiziert wird, lieber gewesen, berichtet Kuhn aus Elterngesprächen.

Oberrot und Fichtenberg bilden seit geraumer Zeit einen Schulverbund. In Oberrot gibt es ab September eine Kombiklasse 5/6. 7, 8 und 9 werden in Fichtenberg unterrichtet.

Mit 32 Schülern läuft die Werkrealschule Gaildorf ab September voraussichtlich zweizügig. Die Schloss-Realschule dürfte indes mindestens vier Fünfer-Klassen bilden.

Schulentwicklung

Wie Schulamtsdirektorin Jordan berichtet, findet Ende April im Bühlertal ein Termin zur regionalen Schulentwicklung statt. Im Mai treffen sich Vertreter von Regierungspräsidium, Schulamt und Landratsamt, um sich abzustimmen, welche Auswirkungen die Veränderungen auf Berufsschulen haben.

Unterdurchschnittliche Zahl an Gymnasiasten
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