Jungviehprämierung: Werbung für die Landwirtschaft

Die Jungviehprämierung, der landwirtschaftliche Traditions-Programmpunkt auf der Muswiese, lebt: Mehr tierische Schönheiten als zuletzt nahmen gestern teil.

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Christine und Hans-Martin Kuppler mit den beiden Sieger-Tieren der Jungviehprämierung.  Foto: 

Manch einer mag sich über das schaurige Herbstwetter ärgern, das bisher die Muswiese prägt. Dabei hat es auch durchaus etwas Gutes: Während die Bauern nämlich auf gute Witterung warten, haben sie Zeit, zum Jahrmarkt zu kommen.

„Außerdem ist die Maisernte heuer schon ziemlich abgeschlossen“, sagte Thomas Klenk aus Dörrmenz, der Vorsitzende des Rinderzuchtvereins im Kreis Schwäbisch Hall. Er organisiert gemeinsam mit Julia Nagel von der Rinderunion die Jungviehprämierung. So waren gestern stolze 67 Rinder angemeldet. Letztlich blieben zwar doch ein paar davon im Stall, die Zahl von 43 Tieren aus dem vergangenen Jahr wurde gleichwohl deutlich übertroffen.

Es ist also durchaus  zu erwarten, dass eintrifft, was Bürgermeister Siegfried Gröner in einer Begrüßung als Hoffnung formulierte: „Dass uns die Jungviehprämierung noch lange als Programmpunkt erhalten bleibt.“ Der Schulz dankte den Züchtern für den Auftrieb, „trotz des großen Arbeits- und Zeitaufwands“.

Preisrichter waren heuer Andrea Hefner vom Besamungsverein Neustadt an der Aisch, Katarina Dietz vom Veterinäramt und Jungzüchter Daniel Stier. Sie zeigten sich durchweg beeindruckt von den Hohenloher Tieren – und vergaben samt und sonders erste Preise.

Hefners Auftritt war gespannt erwartet worden, hatte Klenk sie doch als „eine absolute Koryphäe in der Rinderzucht“ vorgestellt. Und weil sie aus dem Bayerischen kommt, war damit zu rechnen, dass in der Bewertung andere Schwerpunkte gelegt würden als bei hiesigen Richtern. „Die Bayern wollen aweng mehr Oarsch“, erklärte Klenk – etwas fleischigere Tiere also, während man es in Württemberg gern „schliffig“ habe. Tatsächlich sagte Hefner gleich: „Milch und Fleisch, das ist kein Widerspruch.“

Sie kommentierte das Geschehen betont humorvoll („Es ist was Tolles, wenn man so einen schönen Kuhbusen vor sich hat“) und mit der gewohnten Züchter-Poesie („ein ordentlich mittelrahmiges Tier, wie es im Buche steht“).

Außen saß derweil Ilse Kraft, die früher an der Berufsfachschule Crailsheim einige der anwesenden Bauern unterrichtet hatte. Sie kommt jedes Jahr zur Prämierung, auch wenn sie schon 18 Jahre im Ruhestand ist. Immer dabei sind auch Landwirtschaftsschüler der Eugen-Grimminger-Schule in Crailsheim. Dieter Kraft vom Landwirtschaftsamt zeigt ihnen stets, worauf bei der Beurteilung eines Rinds zu achten ist. Es geht ihm aber um mehr: um das Wahren bäuerlicher Traditionen, um die Präsentation der eigenen Arbeit. „Man muss sich als Landwirt in der Öffentlichkeit zeigen“, sagte er. „Wenn wir nicht informieren, tun’s andere.“ Die Jungviehprämierung war beste Werbung für die Landwirtschaft.

Die Familie Kuppler aus Reupoldsrot war gestern am erfolgreichsten: Die beiden bestplatzierten Jungtiere und die Siegerin der „Älteren“ kamen aus ihrem Stall. Folgende Familien trieben auf (in Klammern: Anzahl der Tiere): Gerlinger, Könbronn (6); Gross, Heufelwinden (6); Heilmann, Schrozberg (9); Herrmann, Blaubach (5); Hofmann, Billingsbach (3); Klenk, Dörrmenz (5); Kuppler, Reupoldsrot (6); Lober, Sigisweiler (7); Meinikheim, Oberwinden (3, Reservesieger bei den älteren Tieren); Sperr, Bölgental (2).

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