Wer arbeitet, isst auch mit am Tisch

13 belgische Kriegsgefangene lebten einst fünf Jahre lang in Dörrmenz. Ein Gedenkstein, der kürzlich aufgestellt wurde, erinnert an sie - und daran, dass sich die Dörrmenzer mit ihnen "fraternisierten".

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Stifter Walter Klenk und Bürgermeister Stefan Ohr enthüllen den Gedenkstein unter der Friedenseiche. Foto: Hartmut Volk

Der Anlass für die Gedenksteinsetzung liegt schon über 70 Jahre zurück: Nachdem die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 die westlichen Nachbarländer überfiel und weite Teile Frankreichs, Belgiens und Hollands erobert hatte, wurden 13 belgische Kriegsgefangene nach Dörrmenz deportiert. Dort sollten sie die Arbeitskraft der zum Kriegsdienst eingezogenen Männer in der Landwirtschaft und beim Straßenbau ersetzen.

Es gab genaue Vorschriften der NS-Machthaber, wie die deutsche Bevölkerung mit den Kriegsgefangenen umzugehen hatte. Persönliche Kontakte waren verboten und wurden als "Fraternisierung" geahndet. Beim Essen sollten die Gefangenen an einem anderen Tisch sitzen.

Doch in den Dörrmenzer Bauernstuben galten andere Regeln: Wer arbeitet, isst auch mit am Tisch. Mutig setzten sich die Dorfbewohner über die Vorschriften hinweg und behandelten die offiziellen Feinde freundlich. Ihre Zivilcourage begründete eine Freundschaft, die in der Nachkriegszeit noch lange mit Besuchen gepflegt wurde.

Der damalige Ortsanwalt und Landwirt Ernst Klenk notierte in seinen Aufzeichnungen: "Wir sollten Feinde sein und wurden Freunde". Dieser Satz ist auf der Tafel des Gedenksteins festgehalten, den Walter Klenk, der Sohn des früheren Dörrmenzer "Schulzen", zusammen mit dem Kirchberger Bürgermeister Stefan Ohr jetzt enthüllte. Er steht unter der "Friedens- und Freundschaftseiche", die die Belgier bei ihrem Besuch im Jahr 1971 in der Ortsmitte pflanzten - als Symbol für die Mitmenschlichkeit, die sie bei ihren Dörrmenzer "Patrons" in jenen fünf Jahren bis zu ihrem Abtransport Ende März 1945 erfahren haben.

Walter Klenk ließ den Gedenkstein aus einem Abbruchstück seines früheren Wohnhauses fertigen. Er hat viele schöne Erinnerungen an die Zeit mit den belgischen Zwangsarbeitern, die alle in dem damals als "Baraque" bezeichneten Ausdinghaus untergebracht waren, das er heute mit seiner Frau Hedwig bewohnt. Noch gut kann er sich an seine ersten Pommes Frites erinnern, die der dem Klenkhof zugeteilte Lucien Deneufbourg einmal sonntags in der Familienküche zubereitete.

Walter Klenk ist es wichtig, dass die nachfolgenden Generationen wie auch die Neu-Dörrmenzer wissen, wofür die Eiche in der Ortsmitte steht. Dem 81-Jährigen liegt es am Herzen, die Erinnerung wachzuhalten an die "in Dörrmenz als selbstverständlich gepflegte Mitmenschlichkeit und gegenseitige Achtung unter den Menschen", wie es auf der Tafel heißt.

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