Wenn nichts mehr hilft: Haftbefehl

Über Mangel an Arbeit kann sich auch das Amtsgericht in Crailsheim wahrlich nicht beklagen. Eine 29 Jahre alte Frau schüttet derzeit jede Menge Sand in das Getriebe der Crailsheimer Justiz. Ihr Fall dreht sich um eine gefährliche Körperverletzung:

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Der Justiz machen nicht nur Aktenberge zu schaffen: Eine Frau aus Crailsheim zieht derzeit einen Strafprozess gehörig in die Länge. Foto: imago stock & people

Über Mangel an Arbeit kann sich auch das Amtsgericht in Crailsheim wahrlich nicht beklagen. Riesige Aktenberge mit zahllosen Fällen wollen abgetragen werden, die Terminkalender der Richter für Straf- und Zivilverfahren sind proppenvoll - die oft mühselige Wahrheitsfindung vor Gericht darf schließlich nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Eine 29 Jahre alte Frau schüttet derzeit jede Menge Sand in das Getriebe der Crailsheimer Justiz. Ihr Fall dreht sich um eine gefährliche Körperverletzung: In der Wohnung einer Bekannten soll die drogenabhängige Mutter von zwei Kindern im Juni 2011 eine vermeintliche Nebenbuhlerin vermutlich mit einem Brieföffner brutal attackiert und schwer verletzt haben.

Beim ersten Prozesstermin im November 2012 sitzt die Frau in einem völlig desolaten Zustand auf der Anklagebank: Dem erfahrenen Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker schwant schon nach wenigen Minuten, dass die völlig aufgedrehte und munter zu ihren Freunden im Saal plappernde Frau nicht verhandlungsfähig ist.

Zwei Polizisten bringen sie zu einer Untersuchung ins nahe Kreiskrankenhaus. Die Sitzung wird mehrere Stunden unterbrochen, bis die ärztliche Diagnose vorliegt: Beachtliche 2,58 Promille Alkohol im Blut, dazu noch ein Mix aus diversen anderen Drogen. Das Gericht vertagt die Sache - und zwei Monate später, im Januar 2013, erscheint die Frau in einer wesentlich besseren Verfassung.

Eine lange Liste mit Zeugen wird zügig abgearbeitet - aber dann stockt der Prozessverlauf erneut: Drei wichtige Zeugen, unter ihnen der Freund der Angeklagten, haben die Ladung des Amtsgerichts Crailsheim schlicht ignoriert.

Eine Polizeistreife wird zu den Wohnadressen der Männer ausgeschickt. Ergebnis der zeitraubenden Suche: Die Herrschaften sind unauffindbar - und erneut müssen Richter, Rechtsanwalt und Schöffen ihre Terminkalender zücken.

Beim dritten Anlauf in diesem Prozess tauchen im Februar immerhin zwei der drei vermissten Zeugen im Gerichtssaal auf. Der Freund bezeichnet sich als "verlobt" und pocht deshalb erfolgreich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht.

Seine Lebensgefährtin hat es dagegen vorgezogen, der Justiz nunmehr ebenfalls die kalte Schulter zu zeigen: Die Angeklagte glänzt durch Abwesenheit, auch die Polizei kann sie nicht aufstöbern. Norbert Strecker reagiert mit bewundernswerten Ruhe und Gelassenheit. Aber er zückt ein scharfes Schwert gegen derlei Spielchen mit der Justiz: Der Amtsrichter verhängt einen Haftbefehl über die Frau - für die vierte Runde im März. . .

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