Weiterbildung am Quellhof: „Asyl Deutschland – Was ist zu tun?“

Der Quellhof in Mistlau und der Verein "Start international" hatten zum Symposium "Migratio" eingeladen als Auftaktveranstaltung für eine Weiterbildungsbildungsreihe rund um die Arbeit mit Flüchtlingen.

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    Dr. Reinald Eichholz, Lisbeth Wutte und Barbara Schiller stellten sich den Fragen von Markus Stettner-Ruff (von links). Foto: 
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Zum Einstieg in das Thema referierte der ehemalige Kinderbeauftragte der Landesregierung Nordrhein-Westfalens, Dr. Reinald Eichholz, in der Kulturscheune Schwäbisch Hall über "Flüchtlinge bei uns - Menschenrechte praktisch". Der Jurist war auch Mitglied im deutschen Komitee für Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, sowie Mitglied im Verwaltungsrat der Kindernothilfe. Eichholz stellte sich beim Podiumsgespräch in dem anthroposophischen Seminarhaus Quellhof mit den Start-Team-Mitgliedern Barbara Schiller und Lisbeth Wutte den Fragen von Markus Stettner-Ruff.

Die Experten beleuchteten das Asylproblem aus verschiedenen Blickwinkeln. Zunächst sprach Gastgeber Stettner-Ruff noch einmal die übergeordnete geisteswissenschaftliche Sichtweise aus dem Vortrag von Dr. Eichholz an. Beide Referenten sind in der anthroposophischen Bewegung und der Walddorfpädagogik aktiv und teilen die Einschätzung für die Herausforderungen für die anthroposophische Szene in den kommenden Jahren. "Bisher haben wir über die Dinge geredet - wir wissen alles ganz genau", sagte Eichholz mit kritischem Unterton. Jetzt komme es darauf an, im konkreten "gelebten Leben", in der Begegnung von Mensch zu Mensch tätig zu werden. "Das können wir noch nicht richtig", sagte der 75-Jährige an die Adresse der Anthroposophen gewandt.

Der Pensionär ist neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit an der freien Waldorfschule Windrather Tal inzwischen dort auch in einem Hilfskreis für die 150 Flüchtlinge tätig, die in der Schule einquartiert wurden. Nach dem verzweifelten Suizidversuch eines Flüchtlings gründete Eichholz mit seiner Frau zusammen ein Helferteam aus 35 Leuten, das sich "Tag für Tag sich ändernden Aufgaben" stelle. "Was ist heute dran?", antwortete Eichholz auf die Frage Stettner-Ruffs, was ihn dabei am meisten umtreibe.

Barbara Schiller, die erste Vorsitzende der Kinderhilfsorganisation "Start international", konfrontierte Stettner-Ruff mit einer Zukunftsprognose Rudolf Steiners, der in den 1920er-Jahren für die heutige Zeit einen "Krieg aller gegen alle" prognostiziert hatte. Die Juristin, Pädagogin und Sprachtherapeutin will dieser auch aus ihrer Sicht durchaus gegebenen geopolitischen Gefahr lieber ein entschiedenes "Liebe aller für alle" entgegensetzen. "Nur durch persönliche Begegnung können wir dieser großen Angst begegnen", meint die 52-Jährige. In der Massenzuwanderung sieht sie einerseits eine "Riesenbrisanz", aber auch gleichzeitig ein "Wahnsinnspotenzial". Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern bringen aus ihrer Sicht "ganz viel Herzkraft" in unsere Gesellschaft. Auch dass es in Deutschland eine Willkommenskultur mit vielen Hilfsimpulsen gibt, begrüßt Schiller. Im Gegensatz zu Reinald Eichholz, der sich bei Flüchtlingskindern in Deutschland für gemischte Inklusionsklassen aussprach, befürwortet Barbara Schiller jedoch zunächst den Unterricht in eigenen Flüchtlingsklassen. Sie warnt vor der Überforderung der Lehrer und Helfer, und der "Sogwirkung" bei der Flüchtlingsarbeit, die Gefahr laufe, in Burn-out und "compassion fatigue" zu münden.

Nach dem Podiumsgespräch standen Barbara Schiller und Lisbeth Wutte noch für Fragen der Besucher zu Verfügung und auch für Einzelgespräche mit Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren wollen. Aus ihrer traumatherapeutischen Arbeit mit Kindern in Kriegs- und Krisenregionen gaben die beiden wertvolle Einblicke zum Verständnis der Situation und ihres kulturellen Kontextes, das eine unabdingbare Voraussetzung für konstruktive Hilfsmaßnahmen sei. Aus der Arbeit von "Start international" berichtet noch bis Jahresende die Ausstellung "Krieg und Katastrophen - Kinder brauchen Kunst" in den Quellhofräumen.

Interview: "Schule neu erfinden"

Infos zum Verein

"Start international" ist ein unabhängiger Verein, der sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuwendungen von Stiftungen finanziert. Er besteht aus einem Netzwerk von Pädagogen, Therapeuten und pädagogisch-therapeutisch ausgerichteten Künstlern. Seit 2006 hat der Verein knapp 100 Auslandseinsätze in Ländern wie Nepal, den Philippinen oder Haiti durchgeführt und mit syrischen Flüchtlingen in der Türkei, mit kriegstraumatisierten Kindern in Libyen, Georgien und dem Libanon gearbeitet. Unter dem Titel "Mare nostrum - creating future in a global world" wird die Start-Flüchtlingsarbeit in Deutschland zusammengefasst. Nähere Infos gibt es unter www.start-international.org.

HV

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