Was tut die Zeitung im Kühlschrank?

Das Wissen um die Krankheitssymptome und der praktische Umgang mit Demenzkranken im täglichen Leben sind die Themen gleich zweier Vorträge in Wolpertshausen und Ilshofen.

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  • Die Zeitung im Kühlschrank: Solche absurd wirkenden Vorkommnisse können erste Anzeichen für Demenz sein. Foto: Astrid Winter 1/2
    Die Zeitung im Kühlschrank: Solche absurd wirkenden Vorkommnisse können erste Anzeichen für Demenz sein. Foto: Astrid Winter
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Auf Einladung des Ilshofener Teams von Diakonie daheim sprach die Krankenschwester Regine Hammer in Wolpertshausen über die verschiedenen Formen und Symptome von Demenz. Ein Themenbereich, den die Pflegefachkraft für ambulante Pflege ebenso sachkundig wie humorvoll darzustellen weiß.

"Eine über 80-jährige Frau weinte bitterlich, weil sie sich plötzlich wie ein kleines Mädchen fühlte, das von seiner Mama verlassen war", schilderte Hammer ein Beispiel für Symptome. Dummerweise habe die 81-jährige Schwester recht barsch reagiert: Die Eltern seien schon lange tot und sie selbst keine Kinder mehr. "Das war in dem Moment ganz verkehrt und löste bei der Frau erst recht Verzweiflung aus." Erinnerungen werden nicht mehr willentlich hervorgeholt, sondern treten unvermittelt auf und werden als Realität empfunden.

In einem anderen Fall erfreute sich ein alter Mann an einem stattlichen Pferd, das er gerade vor sich sah und erwartete von seiner Frau die gleiche Begeisterung. "Wenn Sie jetzt widersprechen und sagen, es sei doch gar kein Pferd da, haben Sie ein Problem", warnte die Pflegeexpertin. Sie plädiert dafür, behutsam vorzugehen, "die Menschen in ihrer Innenwelt belassen, aber nicht mit einzusteigen".

Wenn regelmäßig Dinge am falschen Platz liegen, gehe das über die normale Schusseligkeit im Alter hinaus und sei besorgniserregend. Als Beleg zeigte sie ein Foto, auf dem das Haller Tagblatt im Kühlschrank neben den Yoghurtbechern liegt. "Wirklich besorgniserregend wär"s, wenn da die Bild-Zeitung läge", fand ein Zuhörer schmunzelnd.

Regine Hammer nannte weitere Beispiele, wie man durchaus humorvoll mit dem Thema umgehen könne und erläuterte den Zuhörern auf unterhaltsame Weise die Krankheit Demenz und ihre verschiedenen Unterformen und Symptome. Alzheimer ist eine davon und mit 60 Prozent die häufigste und am besten erforschte Form. Die vaskuläre Demenz betrifft 20 Prozent der Fälle und wird durch Gefäßverschlüsse und Durchblutungsstörungen hervorgerufen. Mehr als zehn Prozent der Erkrankungen macht die Lewi-Körperchen-Demenz aus, die mit Parkinson einhergeht und zu Halluzinationen führen kann. Seltener ist die Frontotemporale Demenz, die massive Persönlichkeitsveränderungen mit sich bringt. "Es fehlt die soziale Feinabstimmung, oft werden alte Familienstreitigkeiten wieder aufgerollt, was natürlich zu heftigen Problemen in der Verwandtschaft führen kann."

Statt Fernsehen, lieber spazieren gehen

Wenn Beeinträchtigungen in Denk- und Urteilsvermögen, zeitlicher oder räumlicher Orientierung, Wortfindung, Erkennen, Lesen, Schreiben, Schlaf-Wach-Rhythmus und Wahrnehmung länger als sechs Monate anhalten, bestehe der Verdacht auf Demenz. Oft könnten Erkrankte die Gesprächsinhalte nicht mehr verstehen. "Wenn sich Menschen nicht mehr länger als zehn Minuten konzentrieren können, ist stundenlanges Fernsehen ausgesprochen kontraproduktiv", meinte Regine Hammer. Ihr Tipp: "Lieber einen Spaziergang machen."

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