Was nicht passt, wird passend gemacht

In der alten Schüle-Fabrik geht es im ersten Stock mächtig um, während draußen im Hof die Zuschauer das Stück "Der Graf von Monte Christo" genießen. Masken, Perücken, Kostüme, Degen, alles muss sitzen.

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Steffi Sonnek klebt Kurt Frank einen dicken Vollbart an. Foto: Katharina Gottschalk

Es ist noch hell, wenn das Stück der Laienschauspieler Leofels in Gerabronn beginnt. Erst zur Pause hin senkt sich die Dämmerung auf die alte Fabrik und die davor aufgebaute Bühne. Es hat etwas Anziehendes, etwas Geheimnisvolles, dieses alte Gemäuer, das im August 1914 eröffnet wurde. Sobald es dunkel wird, wird der hohe Turm der Fabrik beleuchtet. Regisseur Jan Käfer bindet das Gebäude mit in das Stück ein.

Im Inneren der alten Fabrik dringt einem sofort ein allgegenwärtiger Geruch in die Nase. Man steigt die Treppen zum provisorischen Lager der Laienschauspieler hinauf und riecht es immer stärker - den Teegeruch. Im Stockwerk darüber wird Tee gelagert. Doch die Schauspieler, das Team für die Maske und die Kostümnäherin nehmen das gar nicht wahr. Sie sind vollauf beschäftigt. Alles muss rund laufen.

Steffi Sonnek (39) und ihr Team sind für die Maske zuständig. In der Woche vor der Premiere wurde jeder der 21 Darsteller komplett geschminkt, mit Bart oder Perücke versehen. So können die Damen mit Makeup und Lidschatten sehen, für wen sie wie lange brauchen und ob es dem Regisseur gefällt. Steffi Sonnek ist gerade dabei, das gebräunte Gesicht von Kurt Frank ganz hell zu schminken. "Ich spiele den Häftling Abbé Faria, der 15 Jahre im Gefängnis saß und dem Grafen von Monte Christo hilft", erzählt Kurt Frank. Der große Mann darf also keine sonnengeküsste Haut haben, sondern muss ganz blass aussehen. Ein langer Bart gehört auch zum Outfit. Diesen klebt Steffi Sonnek mit Mastix, einer Art Kleber, auf die Wangen und das Kinn. Kurt Frank sieht nach seiner Verwandlung verwegen aus. "Den Bart wieder abzumachen, das tut richtig weh", gibt Kurt Frank zu. Diese Prozedur hat er schon mehrmals über sich ergehen lassen. Währenddessen wuseln die Soldaten in ihren schicken blau-roten Uniformen durch das Treppenhaus. Ihr erster Einsatz ist gleich zu Beginn des Stücks. Für eine authentische Darstellung mussten sie sogar fechten lernen. Mit griffbereiten Degen warten sie auf ihren Einsatz.

Die Kostüme stammen zum Teil aus einem Theaterfundus. Aber auch Helga Bendl ist gefragt. Die Schneiderin ist bereits 30 Jahre für die Laienschauspieler an der Nähmaschine tätig. "An die 400 Kostüme habe ich schon genäht. Ich bin eine Art Alterspräsidentin der Burgschauspiele", erzählt die 75-Jährige lächelnd. Ihre Hände sind auch nach 30 Jahren immer noch flink. Jeder Schauspieler muss bei ihr zur Anprobe. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Plötzlich müssen die Soldaten auf die Bühne. Ihre Uniformen sitzen. Die Maske auch. Die Damen hinter den Kulissen nicken ab und die Soldaten stürmen raus.

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