Das Wunder der Vergebung

Pfarrer Marcus Götz aus Blaufelden macht sich zum Karfreitag Gedanken über die Symbolik des Kreuzes – und was sie für Christen bedeutet.

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Das Kruzifix über dem Altar der Michaelskirche in Schwäbisch Hall.  Foto: 

Warum das Kreuz zwei Balken hat? Sicher, weil es sonst kein Kreuz wäre, sondern ein Pfahl. Aber für mich bedeutet das noch mehr. Es spiegelt die beiden Dinge wider, die es uns nimmt. Und die beiden Balken bringen uns ganz automatisch zu dem, mit dem das Kreuz uns beschenkt – zu Jesus Christus.

Was nimmt uns also das Kreuz? Es nimmt uns alles, das Schlechte und das Gute. Es nimmt uns alles aus der Hand.

Dass uns unterm Kreuz alles Schlechte unseres Lebens aus der Hand genommen wird: Es überwältigt mich, wenn ich mir das vorstelle! Da nimmt der allmächtige, heilige Gott die Schuld meines Lebens und lädt sie auf Jesus. Er vollstreckt das Gericht über mich an ihm. Ich habe es verdient. Aber es trifft den Sohn Gottes! Stellvertretend für mich hängt er da. Vernichtend getroffen von Gottes Zorn. Wie gerne gebe ich ihm alle meine Last!

Unsere größte Gefahr an dieser Stelle ist wohl unser Stolz. Wenn wir denken, so schlimm bin ich nun auch wieder nicht! Dieses Wunder der Vergebung wird nur der erleben, der bereit ist, seine Schuld vor Gott einzugestehen. Aber wer diesen wichtigen Schritt verweigert, der muss die Lasten seines Lebens selbst tragen. Das böse Wort, die vernichtende Kritik, den hasserfüllten Gedanken, die lustvollen Blicke, die einen anderen Menschen zum Objekt erniedrigen. Unsere Sünden, das sind selten Dinge, die uns mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt bringen. Aber es sind Lasten mit Gewicht. Nur Jesus kann uns ent-lasten!

Das Kreuz nimmt uns aber auch alles Gute aus der Hand. Sicher, es gibt vieles, was wir gut machen, richtig gut. Aber nichts von alledem bringt uns vor Gott in die richtige Position. Martin Luther hat als Mönch unter dieser Tatsache unsäglich gelitten. Er wollte es Gott wirklich recht machen. Er wollte ein guter Mensch, ein guter Mönch sein. Er wollte der Beste sein, damit Gott endlich mit ihm zufrieden ist. Aber es hat nicht funktioniert. Bei allem, was Luther tat, fand er doch keinen Frieden. Es war einfach nie genug! Bis er schließlich im Römerbrief die Entdeckung machte, die sein Leben auf ein völlig neues Fundament stellte: Gott verlangt von mir gar nicht die Leistung, die ich ihm immer bringen will. Gott will von mir, dass ich mit leeren Händen vor ihm stehe und mich von ihm beschenken lasse. Denn am Kreuz stirbt Jesus Christus für mich. Er stirbt meinen Tod. Und er gibt mir ein neues Leben!

Auf Jesus läuft alles zu. Auf ihn soll ich schauen. Ich soll ihn anschauen und erkennen: Er hat alles für mich getan. Er hat meine Schuld getragen und er macht mich zu einem neuen Menschen, zu einem Kind Gottes. Ich muss nicht mehr versuchen, Gott zu beeindrucken. Alles, was vor ihm zählt, will er mir schenken.

Auf einem Bild von Lukas Cranach wird Luther auf der Kanzel der Wittenberger Kirche gezeigt. Während er predigt, zeigt er mit ausgestrecktem Arm auf Jesus am Kreuz. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als dass die Menschen, die ihn hörten, auf Jesus schauten. Sie sollten seine Erfahrung teilen. Sie sollten erleben, dass wahr ist, was die Bibel verspricht: Wer sein Vertrauen auf Jesus setzt, findet Vergebung und Frieden. In Christus hast du alles, was du brauchst! Oder um es mit Luther zu sagen: „Wer Christus hat, der hat genug!“

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