Wachstum und Wandel

Um Wachstum wirds gehen in den nächsten Jahren in Fichtenberg, quantitativ wie qualitativ. Anders seien erreichte Standards nicht zu halten, sagt der Bürgermeister. Details gabs in der Bürgerversammlung.

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  • Pfosten markieren den Straßenverlauf im künftigen Fichtenberger Baugebiet Waldeck. Rechts die L 1050 in Richtung Oberrot-Hausen, davor die Brücke, die zur neuen L 1066 führt. Fotos: Karl-Heinz Rückert, Richard Färber 1/2
    Pfosten markieren den Straßenverlauf im künftigen Fichtenberger Baugebiet Waldeck. Rechts die L 1050 in Richtung Oberrot-Hausen, davor die Brücke, die zur neuen L 1066 führt. Fotos: Karl-Heinz Rückert, Richard Färber
  • Etwa 100 Fichtenberger sind der Einladung zur Bürgerversammlung gefolgt. 2/2
    Etwa 100 Fichtenberger sind der Einladung zur Bürgerversammlung gefolgt.
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"Entjüngung" lautete das Schlagwort, das Dr. Gisela Meister-Scheufelen, damalige Präsidentin des Statistischen Landesamtes, den Fichtenbergern in einem Vortrag am 11. Januar 2007 präsentierte. Das Schlagwort steht für einen historisch wohl einmaligen Vorgang, nämlich für eine Gesellschaft, in der zu wenig Kinder geboren werden. Meister-Scheufelens Vortrag über den demografischen Faktor hat in Fichtenberg einiges losgetreten, die Gründung einer Zukunftswerkstatt etwa und in der Folge die Entscheidung für das Konzept "Lebensqualität durch Nähe LQN", dessen Projekte den Gemeinsinn fördern und Identität stiften soll.

Ein Verweis auf Meister-Scheufelens Vortrag leitete auch die Bürgerversammlung ein, zu der am Donnerstagabend rund 100 Fichtenberger in die Gemeindehalle gekommen waren. Gleich eingangs zeigte Bürgermeister Roland Miola in einer Grafik die Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre auf. Sie verlief wie erwartet: Das im Jahr 1990 noch einigermaßen pyramidenförmige Gebilde mit junger Basis und alter Spitze hat sich zu einer bauchigen Form gewandelt - und der Bauch, die einstige Basis, wird wohl weiter nach oben wandern, bis die Pyramide auf dem Kopf steht.

Mit einer solchen Entwicklung muss man also leben - und sie steuern, wo man kann. Miola sieht Handlungsbedarf vor allem im Bereich der Familie. Sie sind essentiell, um Einrichtungen wie Schule und Kindergarten zu halten. Umgekehrt sind diese Einrichtungen notwendig, damit Fichtenberg mit seinen gegenwärtig 2839 Einwohnern für Familien attraktiv bleibt.

Ob man die Hauptschule auf Dauer halten könne, könne er derzeit nicht sagen, meint Miola. Dass immer wieder Abgänger nach Fichtenberg zurückkehren, spreche zwar für die Schule und ihr Konzept, sei aber leider kein entscheidender Faktor. Einigermaßen stolz ist er auf die außerschulische Jugendarbeit, die von "Eigengewächsen" organisiert wird, und auf das Internetcafé für Senioren: Das Angebot habe eingeschlagen. Nicht zu vergessen: Das mit Märkten und Kleinkunst neu belebte Dorfzentrum, Gustl Wörners Kleinmuseum, überaus aktive Vereine, die in Teilen bereits vollzogene fußgängerfreundliche Neugestaltung der Straßen im Dorf - "Leben", sagt Roland Miola, "ist auch Atmosphäre."

Und Wohnen: Dass Leerstände im Ortskern Käufer finden, wertet Miola als gutes Zeichen. Auch für das Baugebiet Waldeck, das nun erschlossen werden soll, haben sich Interessenten gemeldet. Man hoffe, sagt Miola, dass die Gemeinde auch auf Familien aus dem Mittleren Neckarraum attraktiv wirke.

Als Pluspunkt gilt der Bahnhof, als Manko der Anschluss an den Verkehrsverbund Stuttgart, dessen Gebiet in Fornsbach endet. Es sei in Fichtenberg nicht möglich, ein Gruppenticket bis Fornsbach zu kriegen, sagt Ferienprogramm-Initiator Konrad Mandl. Und er ist nicht der einzige, der sich über die hohe Schwelle an der Grenze zur Nahverkehrsregion Stuttgart ärgert. Auch Miola fände es gut, wenn dieser jahrelange Kampf um Zuganbindungen endlich zu einem Ergebnis führen würde. Seines Wissens gebe es derzeit aber keine Bestrebungen, diese Zustände zu ändern. Auf Wunsch wird Miola aber nachfragen und - "mit Nachdruck!" - vor allem diese ärgerliche Sache mit den Gruppentickets klären.

Keinen Ärger macht hingegen der Beschluss des Gemeinderates, den kompletten Hauptort zur 30er Zone zu erklären. Als Miola die Idee kurz vorstellte und erklärte, die Schilder seien bereits bestellt, gab es weder Fragen noch Einwände.

Dabei gibts durchaus Bedenken, die Neu-Einführung der Rechts-vor-Links-Regelung im gesamten Ortsgebiet könne zu Irritationen, wenn nicht zu Blechschäden führen. Miola will allerdings mit dem Gemeindeblatt gegensteuern: Man plane Selten-Dagewesenes, nämlich ein farbiges Bild auf der Titelseite. Die Demontage der dann überflüssigen Verkehrsschilder soll zudem als gemeinschaftsstiftende Aktion im Gedächtnis bleiben: Wer will, darf gerne mitmachen.

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