VR-Bank-Chef verteidigt Rückzug aus Fläche: "Gesellschaft verändert sich"

Weil sich Veränderungen in Windeseile herumsprechen, ist VR-Bank-Vorstandsvorsitzender Spies in die Offensive gegangen. In Hengstfeld erläuterte er, warum die Geschäftsstelle Michelbach geschlossen wird.

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Der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende der VR-Bank, Volker König, stellte sich am Mittwochabend in Wallhausen kurz vor. Foto: Mathias Bartels

Die Lage der Weltwirtschaft und die Lage der Hausbank interessieren offensichtlich nur am Rande, wenn der Service vor Ort infrage gestellt ist. Mehr noch: Von der beabsichtigten Schließung der VR-Bank-Zweigstelle in Michelbach/Lücke sind die rund 320 Mitglieder aus dem Ort per Brief vom 31. Januar benachrichtigt worden. Es ist Fakt, dass die Michelbacher in Zukunft ihre Bankgeschäfte in Wallhausen werden erledigen müssen. "Die Bank zieht sich aus der Fläche zurück und vernachlässigt ihre Kunden auf dem Land", stand als Vorwurf im Raum.

Nicht alle haben Verständnis

Und auch für Wallhausen kündigen sich neue Zeiten an. Die zuletzt 2008 renovierten Räume der VR-Bank im Kirchenweg werden geschlossen, wenn die Bank ihre neue Geschäftsstelle im früheren "Goldenen Fass" in der Blaufelder Straße bezogen haben wird. Auch für diesen Umzug brachten am Mittwochabend nicht alle Gäste des VR-Mitglieder-Forums Verständnis auf.

Bank-Vorstand Eberhard Spies begegnete der Negativstimmung zu Beginn seines Jahresberichts ausführlich. "Ja, das Thema bedrückt uns auch", begann er. "Und, ja, die Gesellschaft verändert sich", fügte er an. Bei der Fusion der Haller und der Crailsheimer Volksbanken 2009 habe man sich vorgenommen, zwei bis drei Jahre alles zu beobachten und dann auch Standortüberlegungen auf den Prüfstand zu stellen. Zwar sei sein Haus dem genossenschaftlichen Gedanken verpflichtet, "doch letztlich sind sogar wir ein Unternehmen, das Kosten und Nutzen sowie Markt- und Entwicklungschancen ausloten muss", sagte er. "Und das im Sinne aller Genossen."

Tatsache sei, dass sich das Geschäft in Michelbach nicht trägt. "Es ist seit 2009 rückläufig, der Trend lässt sich auch nicht umkehren", so Spies. "Die Leute ziehen weg, die Metzgerei ist zu. Das alles ist eine von emotionaler Seite her sehr schwierige Lage." Das Geschäftsvolumen rechtfertige jedenfalls keine ein bis zwei Arbeitskräfte vor Ort, sogar die Laufzeit des Bankautomaten laufe ab. Ein neuer koste mit nötigen neuen EDV-Leitungen rund 60.000 Euro. Erkenntnis: Auch den Ausgabeautomaten wird es hier künftig nicht geben. Eberhard Spies: "Sonst müssten wir woanders auch noch 15 aufstellen." Sicherheitsaspekte und verbesserte Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter sorgten zudem für Investitionen von bis zu 350.000 Euro.

Bei ihrer Devise "eine Gemeinde, eine Bank" gehen die Verantwortlichen von der Faustformel von 4000 bis 5000 Einwohnern aus. Ortschaften wie Michelbach/Lücke oder Mariäkappel rechtfertigten keine eigene Filiale mehr. "Es geht uns darum, die VR-Bank zukunftsfest zu machen", erklärte Spies. "Da können wir nicht Zustände zementieren, die sich dauerhaft nicht tragen." Den Michelbachern sicherte Spies allerdings zu, dass die VR-Bank die bisherige Niederlassung renovieren und kostenfrei den Ortsvereinen überlassen werde.

Zur Aufgabe der Wallhausener Filiale im Kirchenweg führte Spies aus, dass es dort - abgesehen von der Lage "abseits vom Schuss" - keine Beratungsräume und keinen barrierefreien Zugang gebe. Für 450.000 Euro soll stattdessen das frühere "Goldene Fass" saniert und umgebaut werden. Das Gebäude ist mit Veranstaltungs- und Betretungsverbot belegt. Die künftige Bankfiliale verfügt über Geschäftsräume in zwei Etagen. Auf 30. September dieses Jahres ist die Eröffnung terminiert.

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