Von Saunabauern und Römern

Landrat Gerhard Bauer hat gut lachen, als er entspannt die 47 Teilnehmer der letzten Landkreistour vor dem Klafs-Firmengebäude in Hall begrüßt. Seine Initiative, zum 40-jährigen Bestehen des Landkreises geführte Touren in alle vier Ecken anzubieten, hat eingeschlagen.

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Torsten Pasler erzählt aus dem Alltag der römischen Legionäre.  Foto: 

Landrat Gerhard Bauer hat gut lachen, als er entspannt die 47 Teilnehmer der letzten Landkreistour vor dem Klafs-Firmengebäude in Hall begrüßt. Seine Initiative, zum 40-jährigen Bestehen des Landkreises geführte Touren in alle vier Ecken anzubieten, hat eingeschlagen. Ob es Richtung Bühler ging oder an die bayerische Grenze nach Osten, ob die Landwehr erkundet wurde oder wie jetzt bei der vierten Tour das "Hohenloher Allgäu" - jede Tour war ausgebucht. Das war auch das Verdienst des Reiseservices Vogt aus Windisch-Bockenfeld, das in Abstimmung mit dem Landratsamt die Tourprogramme ausgearbeitet hatte.

Schöne Landschaft, reiche Geschichte, fleißige Leute

1484 Quadratkilometer, 186427 Einwohner, 800 Orte, neun Städte, 21 Gemeinden - das ist die Statistik des Landkreises. Was sie nicht ausweist, ist die Attraktivität der Landschaften, die reiche Geschichte, der Fleiß der Unternehmen, die Freundlichkeit der Hohenloher. Genau das erkundeten die Teilnehmer der Landkreistouren.

Die vierte und letzte Etappe startete beim Saunabauer Klafs. Das Basteln eines Schwitzkastens ist an und für sich eine prosaische Angelegenheit. Klafs hat daraus eine Philosophie gemacht, ist Weltmarktführer, stattet Kreuzfahrtschiffe und Luxushotels aus. Er hat damit die Nase vor den Finnen, die die Sauna schließlich erfunden haben.

Timo Borski, der stellvertretende Produktionsleiter, der die Landkreistouristen durch das Unternehmen führte, stellte trocken fest: " Die Finnen, die stellen ja immer noch das offene Feuer in die Kabine. Das geht gar nicht."

Waren die Touristen schon bei Klafs von Whirlpool, Schaukelbett und lichtbespielter Sauna beeindruckt, so kamen sie bei der übernächsten Station in Mainhardt aus dem Staunen kaum noch heraus.

Vorher war noch Gnadental angesteuert worden. Gästeführerin Ursel Dollinger hatte die Geschichte der romanischen Klosterkirche erklärt. Sie erzählte, warum die Zisterzienser-Nonnen, die einst in Hohebach an der Jagst gesiedelt hatten, sich in die Abgeschiedenheit des Mainhardter Waldes zurückzogen: Sie wollten wohl dem Trubel des an der Jagst entlangführenden Handelsweges entgehen. Das war im 13. Jahrhundert. Im stillen Gnadental dürfte es ihnen leichter gefallen sein, ihr eisernes Schweigegelübde zu halten.

Von Gnadental ging es nach Mainhardt. So mancher Teilnehmer, vor allem aus dem Crailsheimer Raum, wunderte sich darüber, dass Mainhardt mehr zu bieten hat als nur die B 14. So ließ es sich Bürgermeister Damian Komor nicht nehmen, die Gäste vor dem Römer-Museum zu begrüßen. Stolz betonte Komor, dass die Gemeinde ein Teil des Weltkulturerbes Limes ist. Die Unesco-Urkunde prangt an der Museumswand. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es aber: Die Schätze Mainhardts liegen noch weitgehend verborgen in der Erde. Vom alten Römer-Wall ist nichts Imposantes mehr erhalten.

Doch braucht es nur die richtigen Erzähler, um die römische Kultur wieder mit Leben zu erfüllen. Die "Limes-Cicerones" Torsten Pasler und Michaela Köhler faszinierten ihre Zuhörer. Pasler, ausgestattet mit einer Rüstung, berichtete vom römischen Weltreich, dem Mainhardter Kastell am Limes, vom Leben und Kämpfen der dort stationierten 620 Legionäre. Er tat das mit solcher Leidenschaft, dass manch einer schon das Klirren der Rüstungen im Ohr hatte, den Geruch der Legionärs-Pizza zu schmecken oder das Splittern germanischer Schilde zu sehen glaubte, wenn sie von römischen Speeren getroffen wurden.

Michaela Köhler, versehen mit Wässerchen, Lotionen und Duftölen, entführte die Zuhörer in die römische Bade- und Körperkultur. Was den Römern ihr "Caldarium" war, das ist uns heute die Saunalandschaft. An Luxus sei die römische Kultur der heutigen mindestens ebenbürtig gewesen, wie Köhler erklärte.

Musiker besingen den Stolz der Hohenloher

Die Tour endete auf dem Einkorn. Busfahrer Michael Höfer zirkelte sein neues 420-PS-Monstrum routiniert die Steigung hoch. Im Biergarten warteten ein Vesper, die Mundart-Band Annaweech und 400 weitere Gäste.

Während an diesem wolkenlosen Sommerabend sich tief unten die Schatten über die Haller Türme senkten, besangen hoch über der Stadt die Musiker aus dem Kochertal die Hohenloher und ihren Stolz. Schwaben, Heilbronner und andere Menschen, die nicht an Kocher und Jagst geboren werden, kamen an diesem Abend nicht besonders gut weg.

Dafür wurde die Hohenloher Seele gestreichelt. Da spielte es dann keine Rolle mehr, ob einer "Craalsemer" oder "Haller" war, ob er aus der Landwehr kam oder von der Hardt. Die vierte und letzte Tour war ein würdiger Abschluss der Landkreistouren, die nach 40 Jahren Kreis Schwäbisch Hall wohl dazu beigetragen haben, dass sich die Hohenloher stärker miteinander verbunden fühlen. Manfred Schmidt aus Brettheim, ein altgedienter Feuermann, formulierte das mit diesen Worten: "Die Mainhardter sann halt scho a anderer Schlooch - awer a rechti Leit."

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