Von neuen Gewerbeflächen bis zum Kirchenaustritt

45 Minuten lang sind 700 Ohren gut gespitzt, jeder Satz wird genau genommen, jede Andeutung gewertet. Dann sind die Bürger dran: Sie prüfen die Kandidaten mit auf Herz, Gesinnung und Sachverstand.

|

Rege nutzen die Bürger die Gelegenheit, nach der offiziellen Vorstellungsrunde Fragen an den Amtsinhaber und seine beiden Herausforderer zu stellen. Von der Bitumen-Affäre über die Ausweisung von Gewerbeflächen, von der Jugendarbeit über die Bürgerfragestunde, von Mobilitätskonzepten für den ländlichen Raum bis hin zur Qualifikation und politisch-religiösen Gesinnung der Kandidaten wird der Diskussion ein weites Feld geöffnet. Dabei bekennen die Bewerber Flagge für ihre Überzeugungen, zeigen - je nach Thema - Sachverstand oder Ratlosigkeit und rangieren zwischen Allgemeinplätzen und schonungsloser Offenheit.

Während Steffen Kern und Carsten Prange die Ausweisung neuer Gewerbeflächen als dringende Aufgabe anmahnen, um Arbeitsplätze zu schaffen und Geld in die Gemeindekasse zu spülen, erklärt Martin Piott zwar, warum die zuletzt vorgesehene Fläche bei Neustädtlein wieder verworfen wurde, nicht aber, warum das Thema nicht schon eher auf der Tagesordnung stand. Dafür gehen die Punkte bei der Frage nach der Qualifikation für das Bürgermeisteramt an den Amtsinhaber: Während Martin Piott ein ausgebildeter Verwaltungsfachmann ist, berufen sich seine Herausforderer auf Führungserfahrungen vorwiegend aus dem militärischen Bereich und bauen für das Verwaltungsgeschäft auf das Know-how im Rathaus.

Bei der Frage nach der Zukunft der Christoph-von-Pfeil-Schule hat Martin Piott einen, Carsten Prange zwei und Steffen Kern noch gar keinen Lösungsvorschlag. Piott: "Für mich gibts in dieser Frage nur einen Weg: Lasst die Kinder sechs Jahre zusammen." Prange: "Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Weiterführen oder schließen. Diese Entscheidung will aber niemand treffen." Kern: "Ich habe noch keine feste Meinung dazu."

Dass die Kandidaten nach der im Protokoll festgelegten Reihenfolge antworten müssen, sorgt zuweilen für Heiterkeit. So erteilt die Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses Anja Wagemann zunächst Carsten Prange - "Ja, ich bin aus der Kirche ausgetreten" - und anschließend Martin Piott das Wort - "Ich bin Mitglied, weil Kirche eine Institution ist, die unsere Gesellschaft trägt und hält" - bevor Steffen Kern auf die an ihn persönlich gerichtete Frage nach seiner Kirchenzugehörigkeit antworten kann. "Ich bin ausgetreten, nicht weil ich Kirchensteuer sparen wollte, sondern weil ich mit der Institution nicht einverstanden bin. Das hat nichts mit Glauben zu tun", so Kern.

Bei den Bürgern kommt die Veranstaltung sichtlich gut an: Es gibt spontanen Beifall, Lacher und zuweilen auch Entrüstungslaute - etwa als Steffen Kern die Einrichtung eines vom Rathaus gesteuerten Internetforums als Bürgerplattform vorschlägt. Einige Bürger nutzen das große Publikum gar um loszuwerden, was ihnen schon lange unter den Nägeln brennt. So waren die Kandidaten auf den Hinweis, dass der Ortsteil Unterdeufstetten zum Stiefkind der Gemeinde verkomme, gar nicht nach ihrem Standpunkt gefragt.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die Zahl der DRK Einsätze steigt

Die Umbau der Blaufelder Rettungswache ist Dank der Gemeinde und der Feuerwehr abgeschlossen. weiter lesen