Von Darlehen und Verlusten

Der Prozess gegen Mike Rico Trentzsch geht dem Ende zu, die letzten Zeugen sind geladen. Ob sie dem Ziel der Verteidigung nutzen können, den angeklagten Windpark-Unternehmer zu entlasten, ist fraglich.

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Einen Steuerberater nahm die Staatsanwaltschaft jetzt in die Mangel. Trentzsch, der den Windpark Wittenweiler in Blaufelden bauen wollte und seit November wegen zahlreicher Betrugsanklagen in Paderborn vor dem Landgericht steht, hatte kurz vor Toresschluss des Wirtschaftsstrafverfahrens seinen Steuerberater aus dem westfälischen Büren als Zeugen laden lassen: Er sollte Auskunft geben über Darlehensverträge und Finanztransaktionen zwischen den einzelnen Windkraft-Firmen des 43-Jährigen.

Die Staatsanwaltschaft vermutet Belege gefunden zu haben, dass Trentzsch auf diesem Wege unrechtmäßig größere Summen von den Firmen-Konten - die aus Anleger-Geldern stammen - privat vereinnahmt haben könnte. "Wir buchen als Darlehen, wenn der Mandant sagt, dass es Darlehen sind", erklärte der Steuerberater anhand einer Transaktion von 10 000 Euro, "auch wenn kein Vertrag vorliegt."

Auch Sicherheiten und Bonität würden nicht zwangsläufig geprüft, allenfalls eine Wertberichtigung in der Bilanz vorgenommen, falls das Darlehen verlustig gehe - für die "Obergesellschaft" Windpark Blaufelden sei dies aber für 2010 und 2011 nicht erfolgt. "Die Situation war damals nicht so, wie sie sich heute darstellt", betonte der Zeuge. Zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung, so der Steuerberater, habe er die finanziellen Probleme des Windparks als nicht so akut eingestuft, "dass das Projekt nicht an den Start kommt". Zu vielen Verträgen konnte der Zeuge wenig sagen, was Oberstaatsanwalt Ralf Günther zur bissigen Bemerkung brachte: "Das hier sind irgendwelche Verträge ohne Relevanz für das Verfahren."

Wenig sagen konnte der Zeuge auch zu den Fragen der Staatsanwaltschaft über ein Darlehen von Trentzschs Kapitalgesellschaft an den Angeklagten selbst über 1,3 Millionen Euro, während die Firma einen Fehlbetrag von 55 000 Euro auswies. "Wie kann es sein, dass eine 25 000-Euro-GmbH ein Darlehen von 1,3 Millionen Euro gewährt bei einer Bilanzsumme von 1,4 Millionen Euro?", wollte der Wirtschaftsprüfer der Staatsanwaltschaft wissen - um die Antwort zu bekommen, zum damaligen Zeitpunkt habe der Steuerberater eine Wertberichtigung nicht für gegeben gehalten: "Wenn ich der Ansicht bin, dass ein Darlehen werthaltig ist, muss ich es nicht prüfen."

Auf die Vorhaltung von Richter Bernd Emminghaus, ob er ohne Sicherheit ein solches Darlehen gewähren würde, betonte der Zeuge: "Windkraft-Projekte sind so lukrativ, da kann ich Ihnen ganz schnell ganz viele Leute zeigen, die ohne Sicherheiten Geld geben würden. Da wird so viel verdient, da will jeder aufs Schiff."

Für Heiterkeit sorgte die Reaktion des Zeugen auf eine Investorenliste von 2010 für den Windpark Wittenweiler zur Vorlage bei Banken, die bei Trentzsch beschlagnahmt worden war und auf der sein Name mit der Anlagesumme von 200 000 Euro zu finden ist: "Das bin ich? Davon weiß ich nichts." Entgegnung des Oberstaatsanwalts. "Sie sind nicht der Erste auf der Liste, der überrascht ist, das zu erfahren."

Noch drei Termine gibt es: Die Insolvenzverwalterin vom Trentzsch-Firmen-Geflecht soll über den Stand der Verhandlungen zwischen ihr und der ENBW zur Übernahme des Windparkprojekts in Blaufelden berichten. Dann sind die Plädoyers von Anklage und Verteidigung vorgesehen. Das Urteil soll am 10. Juli gesprochen werden. Trentzsch droht eine mehrjährige Haftstrafe.

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