Von Bauern und Schmusern

Am Donnerstag ist in Ilshofen Ferkelmarkt, auch wenn es den schon seit Jahren nicht mehr gibt. Aber die Männer vom "Seimarkt-Schdammdiesch" treffen sich nach wie vor. An zwei getrennten Tischen.

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Die Schmuser am langen Tisch (rechts) beobachten die Landwirte beim wöchentlichen Ferkelmarkt-Stammtisch wohlwollend. Rechts im Bild bedient die Ilshofener Post-Wirtin Andrea Schwarz. Foto: Ute Schäfer

Natürlich setzen sich die Landwirte nicht zu den Schmusern. Und umgekehrt. Wo kämen wir denn da hin? Ordnung muss schließlich sein im Gasthof Post in Ilshofen. Dabei weiß heute kaum mehr einer, was ein Schmuser ist. In Ilshofen waren das wichtige Leute auf dem Ferkelmarkt. "Mein Schwiegervater hat das jahrelang gemacht", erinnert sich Reinhold Rück, ehemaliger Wirt vom Gasthaus Himmler und Rück. Ein Schmuser vermittelte zwischen Händlern und Landwirten. Damit keiner den anderen über den Tisch zog. Rück: "Ein Schmuser muss diplomatisch sein. Deshalb vielleicht der Name."

Reinhold Rück sitzt bei den Landwirten, nicht bei den Schmusern. Die sitzen am Nebentisch. Dort legt Paul Hümmer großen Wert darauf, dass der Schmuser-Tisch mal wieder deutlich besser besetzt sei als der der Landwirte. Allerdings ist das kein Wunder, denn im Gegensatz zum Landwirttisch, wo wirklich Landwirte sitzen, sind die Schmuser sozusagen selbst ernannt. Kaum einer der fidelen Männertruppe war seinerzeit wirklich einer.

Dennoch beobachten die Schmuser das Geschehen rund um den ehemaligen Markt wohlwollend: "Der Handel war lebhaft, Zufuhr erwünscht", zitiert "Schmuser" Heinz Schroth aus Ruppertshofen und das Gelächter der Runde ist groß: "Jawohl", erinnern sie sich. "Preise leicht fallend. So stand es damals immer in der Zeitung." Und jeder Schmuser kann eine Geschichte vom Ilshofener Ferkelmarkt erzählen. Helmut Bürkert, zum Beispiel: Als kleiner Bub in der kargen Nachkriegszeit war es für ihn das Höchste, vom Onkel auf den Ferkelmarkt mitgenommen zu werden. Und warum das? Weil der Onkel ihm vom Wirtshausvesper abgab. "Ein halbes Saitenwürstle und ein Stück vom Wecken. Dafür waren Kinder damals brav." Auch Andreas Oppelt, ehemals Konstrukteur bei Bausch und Ströbel, hat so seine Erfahrungen mit dem Ferkelmarkt. Wenn Kunden Maschinen abholen wollten, haben sie das immer am Donnerstag gemacht. "Weil da Saumarkt war. Die Maschinen waren Nebensache", erzählt Oppelt.

Der Ferkelmarkt war für Ilshofen damals also wirklich wichtig. Nach dem Markt kauften die Landwirte in Ilshofen ein, gingen in die Wirtschaft, "sie hatten dann ja Bargeld in der Tasche", berichtet Reinhold Rück. Und nicht zu unterschätzen: Sie trafen sich. Landwirte sind auf ihren Feldern und Ställen ja sonst eher Einzelkämpfer.

Am Tisch der Landwirte sitzen zum Beispiel Friedrich Gehring aus Haßfelden oder Karl-Heinz Bauer aus Rudelsdorf. Oft ist auch Viehhändler Karl Maas mit am Tisch, und Gerhard Neber aus Großaltdorf, der einzige aktive Landwirt in der Runde. Sie alle erinnern sich gut an den Markt - und an seine Regeln. Am Morgen kamen die Landwirte mit ihren Pferdegespannen. Die typischen Ferkelkörbe wurden in Reih und Glied aufgebaut. "Die Händler durften aber noch nicht auf den Platz", erinnerte sich einer.

Erst eröffnete der Veterinär den Markt, dann strömten sie. "Mal schneller, mal langsamer", und das beobachteten die Landwirte. Kamen die Händler schnell, konnte man einen besseren Preis erzielen. Bis in die 80er-Jahre wurden wöchentlich 700, 800 Ferkel verkauft. Dann änderten sich die landwirtschaftlichen Strukturen. Viele gaben die Viehhaltung auf. "Den Stall leer machen, das war nicht leicht", erinnert sich "Aschenbauer" Walter Lober aus Großaltdorf. "Der Markt ist dann halt so dahingesiecht."

Endgültig Schluss mit dem Ilshofener Ferkelmarkt war am 22. Februar 2001. Damit ging ein Stück Alt-Ilshofen verloren, denn der Markt hatte das Städtchen geprägt seit 1872. Seit dem 21. Januar 1920 fand er erstmals an einem Donnerstag statt - für Landwirte wie Schmuser ein wichtiges Datum, denn beim Donnerstag ist es geblieben. Bis heute, möchte man meinen. Rück: "Natürlich trauern wir um den Ferkelmarkt. Jeden Donnerstag." Und wie immer an getrennten Tischen.

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