Vom Streben nach guter Arbeit

"Arbeit, was ist das eigentlich?" Mit dieser rhetorischen Frage eröffnete Professor Torsten Meireis von der Uni Bern seinen Vortrag in Ilshofen.

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Torsten Meireis ist Theologe und Professor für Systematische Theologie/Ethik an der Universität Bern. Er befasst sich mit dem Thema "Arbeit". Foto: Veronika Grossenbacher

Über 80 Gäste waren der Einladung zum ökumenischen Winterseminar auf der Ilshofener Ebene ins Gemeindehaus gefolgt. "Soviel du brauchst - Arbeiten um zu leben, leben um zu arbeiten oder vielleicht doch beides?", lautete das Thema der Vortragsreihe des evangelischen Bauernwerks im Dekanat Schwäbisch Hall.

"Wann etwas Arbeit ist, lässt sich nicht automatisch an der Tätigkeit ablesen. Der eine hat einen Bulldog und schraubt in seiner Freizeit nach Feierabend leidenschaftlich daran herum", machte Torsten Meireis an einem Beispiel deutlich. Ein Landwirt repariere seinen Schlepper, weil er einen funktionierenden Traktor auf dem Acker benötigt.

Was für den einen ein Hobby, sei für den anderen Arbeit. Arbeit im ursprünglichen Wortsinn sei Mühe und Qual. Im Mittelalter war sie für den einen Schicksal. Für den, der die Wahl hatte, nichts Erstrebenswertes. Der Begriff "gute Arbeit" und das Streben danach sei ein Phänomen der Moderne. Mit der Reformation habe sich der Arbeitsbegriff verändert. Mit Luther sei Arbeit zur "Berufung zum Dienst am Nächsten" definiert worden. Heute sei Arbeit effektiver gesellschaftlicher Naturumgang, generiere Anerkennung, materielle und politische Teilhabe und Lebenssinn. Dieses Arbeitsversprechen sei jedoch ambivalent, so der Fachmann. Dazu brauche man persönliche Motivation, Bildung, Qualifikation und Urteilsvermögen, sowie Wohlstand, grundlegende Konsumchancen, kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital. Was Arbeit ist, entscheide sich heute am Markt. Wenn einer noch so gut Horn spiele oder seinen Hof bewirtschafte sei das keine Arbeit im heutigen Sinn, wenn er niemanden finde, der sein Produkt nachfrage und dafür bezahle. Arbeit werde als Ware nachgefragt. Wer keine Arbeit habe, dem fehle Anerkennung, Teilhabe, Teilnahme und Perspektive. Politisch gebe es keine wirklichen Lösungskonzepte gegen die Folgen Massenarbeitslosigkeit und Verarmung. Gute Arbeit aus protestantischer Perspektive sei der freie Dienst am Nächsten, Arbeit unter gerechten Bedingungen und sinnvoll erlebtes Tun.

Info Der zweite Abend des Winterseminars ist am Montag 17. Februar. Professor Hans Pongratz aus München spricht um 20 Uhr im Europasaal in Wolpertshausen über nachhaltiges Arbeiten. Der Eintritt ist frei.

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