Vom Klan in die Politik

Ehemalige Angehörige des Haller Ku-Klux-Klans sind noch in der rechten Szene aktiv - teilweise sogar in der Politik. Der Bezug zum NSU ist weiter offen.

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Auszug aus dem Dokument des Verfassungsschutzes. Foto: Thumi

Die Mitglieder der "European White Knights of the Ku Klux Klan" (EWK) um den Haller Klan-Chef Achim S. stammten aus Hessen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und sogar aus Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus einem geheimen Dokument des Verfassungsschutzes hervor, das der Redaktion vorliegt. Der Klan war von 2001 bis 2002 in Hall aktiv - es gab mehrere Kreuzverbrennungen.

Unter den 19 Namen tauchen drei aus dem Haller Altkreis auf, darunter eine Frau, die mittlerweile mit einem der beiden Männer verheiratet ist. Neuere rechtsgerichtete Aktivitäten lassen sich keinem der drei lokalen KKK-Anhängern nachweisen - dafür aber einigen anderen.

Michael Schäfer beispielsweise. Er sitzt für die NPD im Stadtrat von Wernigerode und ist Harzer Kreisrat. Den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt schaffte er 2011 trotz drittem Listenplatz nicht. Seine Partei scheiterte knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Dennoch ist der 30-Jährige bekannt: Bis vor drei Monaten war er Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten. Die JN ist offizielle Jugendorganisation der NPD. Auch Detlef F. ist in der rechten Partei aktiv und will in Essen in den Stadtrat gewählt werden.

Ingo M. aus Goch bekennt sich noch heute in einschlägigen Internetforen als Skinhead - und ist weiter rechtsorientiert. Kürzlich trat er als Statist bei "K11 - Kommissare im Einsatz" auf.

Längst untergetaucht ist Thomas R.. Er war nicht nur Verfassungsschutz-Spitzel (Deckname "Corelli"). Er steht auch im Adressbuch von NSU-Terrorist Uwe Mundlos - eine Zeile über den Daten von Ralf Wohlleben, bekannter Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle und ehemaliger stellvertretender Landesvorsitzender der NPD in Thüringen.

Zwei Böblinger Polizisten, die 2001 in den Klan aufgenommen wurden, werden in anderen Dokumenten erwähnt. Die Staatsschützer flogen 2002 auf. Die Sache wurde aber erst 2012 publik. Einer der beiden war Gruppenführer der 2007 getöteten Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter - er war zur Tatzeit rund 250 Meter entfernt im Einsatz.

Der Mord geht auf das Konto des Nationalsozialistischen Untergrunds. Die Behörden sehen aber keinen Zusammenhang zum Haller KKK. Dennoch prüft der NSU-Untersuchungsausschuss Akten zum Klan. Ein Teil dieser Dokumente wurde aber 2012 vom Verfassungsschutz geschreddert, unter anderem die Personalakte von Achim S..

Ungeschicktes Verhalten oder Vorsatz? Zumindest für Ersteres gibt es ein weiteres Beispiele. Der Böblinger Polizist wurde erst vor einem Monat als Personenschützer für den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu abgestellt, als dieser Deutschland besuchte. Der Ku-Klux-Klan kämpft nicht nur für die weiße Rasse, sondern ist auch stark antisemitisch ausgerichtet.

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