Ufergelände wird zum Rückzugsort

Viel Lob erhielt die Kirchberger Nabu-Ortsgruppe von Staatssekretär Dr. André Baumann für die vorbildliche Umsetzung des Aktionsprogramms zur Renaturierung.

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Der neue Jagstseitenarm am Kirchberger Sportplatz sei eine gelungene Kooperation von Nabu, Fischereiverein, Stadtverwaltung und den Behörden. Darin waren sich die Kirchberger Nabu-Mitglieder mit Staatssekretär Dr. André Baumann (Vierter von links) einig.  Foto: 

Dr. André Baumann ist beim Kirchberger Nabu kein Unbekannter: Von 2007 bis 2016 war der heutige Staatssekretär im grünen Stuttgarter Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft als hauptamtlicher Landesvorsitzender des Nabu Baden-­Württemberg tätig und hatte in dieser Funktion der rührigen Kirchberger Ortsgruppe schon zwei Besuche abgestattet.

Selbstredend, dass er der Ehrengast bei der Einweihungsfeier des „Lise-Weinmann-Projekts“ am 2. September sein sollte. Da Baumann diesen Termin aber schon verplant hatte, kam er gemeinsam mit Jutta Niemann, der Grünen-Abgeordneten des Wahlkreises im Landtag, am Freitag nach Kirchberg, um sich von den örtlichen Nabu-Vorstandsmitgliedern sowie von Alois Hilsenbek vom Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium die bisher erfolgten Renaturierungsmaßnahmen nach der verheerenden Jagstkatastrophe vom August 2015 vor Ort erläutern zu lassen.

Das „Lise-Weinmann-Projekt“ umfasst eine ganze Reihe ökologischer Strukturverbesserungsmaßnahmen an der Jagst bei der Hornberger Mühle. Ermöglicht wurden sie durch den Erwerb einer gut drei Hektar großen Uferwiese mit Geldern aus der Erbschaft des verstorbenen Mitglieds Lise Weinmann. Dem inzwischen zum Rückzugs- und Laichgebiet für viele Tierarten umgestalteten Ufergelände, auf dem ein ehemaliger Jagst-Seitenarm wiederhergestellt wurde, galt die erste Stippvisite der Gruppe.

Die Vielfalt der geschaffenen Biotope mit Tümpeln, Inselchen und Totholzzonen bieten Schutzräume für Amphibien- und Insektenlarven und dienen vor allem als Refugium für den Fischnachwuchs. An Stellen wie diesen müssen die Jungfische auch den Kormoran nicht fürchten. „Zwischen den Ästen kann der nicht jagen“, erläuterte Vorsitzender Bruno Fischer. Er ist nicht nur im Nabu aktiv, sondern auch im Kirchberger Fischereiverein, mit dem die Nabu-Gruppe in Sachen Jagstrenaturierung kooperiert.

Ein beispielhaftes Projekt für die gelungene Kooperation zwischen Nabu, Fischereiverein, Stadtverwaltung und dem Regierungspräsidium war der neu angelegte Jagst-Seitenarm am Kirchberger Sportplatz. Auf Initiative von Willi Bömicke vom Fischerei­verein, der sich aus Kindheitstagen noch an einen früher dort vorhandenen Altarm erinnerte, wurde auf einer Strecke von rund 100 Metern ein Seitenarm durch ein Auenwäldchen ausgebaggert. Darin gibt es unterschiedliche Fließbereiche mit tiefen Gumpen und seichten Zonen dazwischen – ein Paradies eigentlich für Jungfische, wie Hilsenbeck ausführte. Dennoch laichen hier nur Döbel und Stichlinge, andere Fischarten fehlten komplett, hat Bömicke beobachtet. „Das Problem ist die Artenvielfalt“, bestätigt Fischer.

Uferwiese miteinbeziehen

Dem ebenfalls anwesenden Bürgermeister Stefan Ohr schlug er dazu als weitere Renaturierungsmaßnahme die Umgestaltung eines städtischen Ufergrundstücks zum Laichraum für Großfischarten vor. Die Wiese wird jetzt schon von Nabu-Schafen beweidet und böte sich dafür an, einen tiefen Altarm und Absenkungsflächen zu schaffen, die für Schleien-, Hecht- und Zandernachwuchs geeignet seien, führte Fischer weiter aus.

Nach dem abschließenden Besuch des dritten Standorts bei Diembot, wo der Nabu ebenfalls ein Ufergrundstück erworben hatte und dort inzwischen zwei Eisvogelbrutwände und Störsteine im Fließwasser anlegen ließ, zeigte sich der Staatssekretär beeindruckt von den Leistungen der Kirchberger: Etwas „Bleibendes und Zukunftsgewandtes“ sei da entstanden, und durch die gelungene Kooperation aller Beteiligter seien viele Ecken und Kanten am „Juwel“ Jagst nun erfolgreich rund geschliffen worden, lobte Baumann die Akteure.

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