Virus in der vierten Generation

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Auf der hohenlohischen Prominenz-Liste rangiert er auf einem vorderen Platz: Fritz Frank aus Oberweiler hat sich als Autor und Theatermacher einen weithin bekannten Namen gemacht. Heute wird er 90 Jahre alt.

Dem Bauernsohn aus Großforst im Jagsttal war es nicht an der Wiege gesungen, dass er neben seinem Arbeitsleben als Landwirt 40 Theaterstücke verfasst, sieben Bücher schreibt und mit den "Burgschauspielen Leofels" ein kulturelles Markenzeichen für Hohenlohe schafft.

"Meinen Eltern war die Verseschmiederei gar nicht recht, das gehörte sich damals einfach nicht für einen Bauern", erinnert sich Fritz Frank. Und ein erster, heimlicher Versuch des zehnjährigen Jungschriftstellers mit dem Titel "Das Märchen vom falschen Prinz" fand keine Gnade vor den Augen eines Stuttgarter Verlages, weil in dem Stück ausgerechnet ein Pferd die Hauptrolle spielte.

Seine Liebe zur Literatur konnte Fritz Frank im Zweiten Weltkrieg erstmals mit Erfolg umsetzen: Als Soldat des "Afrika-Korps" bereits 1943 in Kriegsgefangenschaft geraten, lernte er in US-Lagern ein perfektes Englisch und brachte Sketche auf die Lagerbühne - sehr zur Begeisterung seiner Bewacher. Die Feder legte Fritz Frank nach seiner Rückkehr im Jahr 1946 erst einmal zur Seite: Die volle Arbeitskraft musste in einen Bauernhof gesteckt werden, den sich die Familie 1957 in Oberweiler zulegte.

Fritz Frank ärgerte sich in den Siebzigerjahren zunehmend über die schwäbischen Schwänke, auf die auch der Liederkranz in Amlishagen notgedrungen zurückgreifen musste, weil es unterhaltsame Stoffe im hohenlohischen Dialekt einfach nicht gab - und kurzerhand schrieb er im Jahr 1976 selbst eine Mundart-Komödie. Dem Erstlingswerk "Die Operation des MdB" sollten noch 29 Stücke für die legendären, stets in Windeseile ausverkauften Winterfeiern in Amlishagen folgen.

Die berühmten Bretter, die die Welt bedeuten, legte Fritz Frank im Jahr 1983 auch in der Staufer-Ruine in Leofels aus - und mit zehn historischen Stücken wie "Der Reiter von Leofels" und "Der Gipsapostel von Hohenlohe" erwarb sich der umtriebige Stückeschreiber, Regisseur und Schauspieler Fritz Frank zusammen mit seiner Theatergruppe "Burgschauspiele Leofels" endgültig den Ehrentitel eines Hohenlohe-Botschafters der schönen Künste, der im Jahr 1993 auch mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurde - mitsamt seinem Einsatz als Gerabronner Stadtrat (1972 bis 1989) und Kreisrat (1986 bis 1989).

Vor rund zehn Jahren zog sich Fritz Frank aus der ersten Reihe der Leofelser Theatermacher zurück und überließ jüngeren Semestern das Bühnen-Feld. Die komplett vom Theatervirus befallene Familie Frank spielt aber nach wie vor eine tragende Rolle für die Aufführungen auf dem Löwenfelsen - sowohl im Vorstand des Vereins als auch auf der Bühne, wo mittlerweile schon die Urenkel munter agieren.

Die Arbeit geht Fritz Frank, der für tiefschürfende Archivrecherchen in Valencia zu seinem Werk über "Die Spanierin und ihre Hohenloher" mal ganz nebenbei Spanisch gelernt hat und auch auf Französisch parlieren kann, selbst im hohen Alter nicht aus: Nach dem Buch "Die letzte Hexe von Langenburg" übersetzt er gerade in seiner gemütlichen Studierstube ein weiteres Werk des renommierten US-Historikers Thomas Robisheaux über die Grafschaft Hohenlohe.

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