Verwaltungsgericht gibt endgültig grünes Licht für Windkraft am Horkenberg

Mitten aus dem Wald der Löwensteiner Berge ragen zwei 189 Meter hohe Windräder gen Himmel. Der Einspruch von benachbarten Wüstenrotern wurde zurückgewiesen. Die Emotionen sind erkaltet.

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Vom Ortsausgangsschild in Hirrweiler in Richtung Weihenbronn ist eines der Windräder zu sehen. Das andere steht in naher Nachbarschaft ebenfalls auf Löwensteiner Gemarkung.  Foto: 

In etwa zwei Wochen sollen sich die großen Flügel am Horkenberg bewegen, wie Joachim Kruck erklärt, dessen Heilbronner Firma Betreiber der Anlagen ist. Franz Untersteller, Landesminister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, will bei der Einweihung den roten Knopf drücken. "Da suchen wir aber noch den Termin", so Kruck.

Noch im letzten Jahr hatten Anwohner aus den angrenzenden Wüstenroter Teilorten Einspruch gegen das Bauvorhaben knapp jenseits der Gemeindegrenze auf Löwensteiner Gemarkung erhoben. Ihrem Eilantrag, den Bau zu stoppen, wurde damals nicht entsprochen. Verstimmt ist der Firmenchef nicht: "Man muss immer mit Einsprüchen leben. Das sind Einzelmeinungen", sagt er. Vergangenen Freitag wurde der Fall am Verwaltungsgerichtshof behandelt: "Es gab ein positives Urteil für uns", berichtet Kruck.

Freude auch im Löwensteiner Rathaus, wo das Projekt in Bürgermeister Klaus Schifferer - beim Gespräch deutlich hörbar - einen seiner größten Fans hat. "Der Gemeinderat war schon lange der Meinung, man sollte etwas im Bereich regenerativer Energien unternehmen. Da haben alle unisono gesagt, jawohl, das machen wir", berichtet er. Er selbst findet, dass die Windräder optisch kein Problem darstellten: "Es sind nur zwei. Wären es 15, wäre das anders", so der Schultes.

Sicher auch ein Argument pro Windkraft für den Rathauschef: Löwenstein kassiert mit. Der Pachtvertrag für das Waldgrundstück, der der Kommune fünf Prozent der Einspeisevergütung zusichert, spült jährlich rund 50000 Euro in den kommunalen Haushalt.

Alle hätten laut Schifferer daran gearbeitet, dass die Anlagen noch dieses Jahr in Betrieb gehen, bevor die Zahlungen aus dem Erneuerbare Energien-Gesetz für Windkraft sinken. Schließlich sollen die beiden Anlagen gute Rendite abwerfen - nicht nur für Krucks Firma. Investoren können sich beteiligen. Erwartet wird ein Gewinn von rund 4 bis 5 Prozent im Jahr. Mit 5000 Euro Mindesteinlage ist man dabei.

Eilig hat es Kruck damit nicht. "Die Anlagen sind durchfinanziert", sagt er. Wenn wirklich alle Probleme beseitigt sind, wolle man bei einer Informationsveranstaltung um Teilhaber werben - wahrscheinlich im Februar. "Wir haben aber auch schon eine Interessentenliste", verrät Kruck.

Im Wüstenroter Rathaus ist das Ergebnis des Gerichtsurteils noch nicht - dort sei das Projekt auch nicht mehr Thema gewesen, heißt es . "Seit ich hier Bürgermeister bin, habe ich davon nichts gehört", erklärt Timo Wolf. Er sei gespannt, wie es weiter gehe, wenn die Räder erst mal liefen. Er habe Verständnis für Einzelne, die sich an den Anlagen stören würden.

Der Strom wird übrigens ins Netz der Energieversorgung Mainhardt-Wüstenrot (EMW) eingespeist. "Der Betreiber hat ein Recht, einen Anschluss ans nächstgelegene Netz zu bekommen, und das ist das der EMW", erklärt Gebhard Gentner von den Haller Stadtwerken, die an der EMW beteiligt sind. Die beiden Windräder stehen als erste Beispiele in der Region für die neuen Riesenmodelle. "Die sieben Anlagen, für die wir den Genehmigungsantrag am Einkorn gestellt haben, sind vergleichbar", meint er.

Für den Mainhardter Bürgermeister Damian Komor stellt sich die Frage, ob man Windräder auch im Mainhardter Wald sehen wolle. "Man kann sich das vorstellen. Doch muss man fragen, ob hier die richtige Gegend für Windkraft ist", meint er. Derzeit erstelle ein Fachbüro einen Flächennutzungsplan für Windkraft auf "seiner" Gemarkung.

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