Verehrt und verdammt: Schillers "Jungfrau von Orleans" am Samstag in Gerabronn

Mit dem Stück "Die Jungfrau von Orleans" von Friedrich Schiller gastiert die Württembergische Landesbühne Esslingen am Samstag, 15. Februar, um 20 Uhr in der Stadthalle in Gerabronn.

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Beatrice Boca spielt die Johanna in Schillers berühmten Stück, mit dem die Württembergische Landesbühne am Samstag, 15. Februar, in Gerabronn gastiert.  Foto: 

Resignation macht sich breit in Frankreich: Das Land ist von Engländern besetzt, der König schwach. Da taucht ein Bauernmädchen auf, in Rüstung und mit göttlichem Sendungsbewusstsein. Woher auch immer die Stimmen kommen, von denen sie sich geleitet glaubt, sie verleihen ihr unbedingtes Durchsetzungsvermögen.

Diese Energie ist ansteckend. Plötzlich verteilen sich die Kräfte neu. Die Franzosen erringen überraschende Siege über die übermächtigen Besatzer und können Karl VII. in Reims zur Krönung führen. Und noch etwas gelingt dieser Johanna: Sie versöhnt die abtrünnigen Burgunder wieder mit Frankreich.

So wird sie von der Siegerseite als Wunder bringende Heilige verehrt, von den Besiegten als Hexe gefürchtet und verdammt. Verehrer weist sie strikt ab, die irdische Liebe scheint nicht für sie gemacht. Bis sie eines Tages dem Feind in Gestalt des englischen Anführers Lionel in die Augen blickt - und ihn nicht töten kann. Die Schwäche rächt sich und Johannas Verstummen auf dem Höhepunkt ihrer Macht lässt ihre Verbündeten von ihr weichen.

Ihre Mission ist erfüllt, nun wird sie in die Verbannung geschickt. Doch ihre Existenz scheint an den Krieg gekoppelt, und so kann sie noch einmal siegen, sich befreien, aus eigener Kraft. Schillers historischem Vorbild für seine "Jungfrau von Orleans", Jeanne d"Arc, wird der Prozess gemacht, der Dichter lässt sie im Kampf sterben - eine unbequeme und streitbare Visionärin. Als Tote ist sie leichter zu ertragen und zu verehren. Dennoch bleibt sie ein Stachel im Fleisch der Geschichte, bis heute. Immer wieder haben Theaterautoren, wie George Bernard Shaw und Bertolt Brecht, sich diesem Stoff gewidmet, und es gibt zahlreiche Verfilmungen, Vertonungen, Erzähltexte, ja selbst Computerspiele, in deren Mittelpunkt Jeanne d"Arc steht.

Und Schiller? Er ist zur Entstehungszeit des Stückes ein etablierter Theaterautor und lebt in Weimar. Zwei Wochen nach der Uraufführung seiner "Maria Stuart" am 14. Juni 1800 beginnt er bereits mit "Der Jungfrau von Orleans". Er kommt rasch voran: "Schon der Stoff hält mich warm, ich bin mit dem ganzen Herzen dabei und es fließt auch mehr aus dem Herzen als die vorigen Stücke, wo der Verstand mit dem Stoffe kämpfen musste", schreibt er an Körner. Kleist wird sich später bei seiner "Penthesilea" an Schillers Johanna orientieren und Goethe zeigt sich befremdet über die grausamen Züge, die der Autor seiner Heldin mitgibt.

Als Gegenpol mutet er ihr aber eben auch die Liebe zu, an deren Forderung sie fast zerbricht. Das macht seine Version um die "Gotteskriegerin" stark, streitbar, vielschichtig. Regisseur Alejandro Quintana, der zuletzt Schillers "Kabale und Liebe" an der Landesbühne inszenierte, nähert sich der Sprengkraft dieses Stoffes in einer komprimierten Bühnenfassung.

Info Karten gibts in Rückert"s Buchhandlung in Gerabronn, Telefon 0 79 52 / 92 58 94, und an der Abendkasse.

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