Verband der Milchviehhalter fordert Regelungen und Unterstützung der Politik

Ab April 2015 dürfen die Bauern wieder so viel Milch produzieren, wie sie wollen - und unterliegen damit den Gesetzen des freien Marktes. Um Chancen und Risiken ging es bei einer Versammlung des BDM.

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Die Stimmung unter den Milchbauern ist gut. Der durchschnittliche Milchauszahlungspreis liegt bei 40 Cent pro Kilogramm, weshalb es auch in den Reihen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) derzeit ruhig ist. Kann dieser Preis gehalten oder gar erhöht werden, wenn ab April 2015 die einst zur Stabilisierung des Marktpreises eingeführte Milchquote wegfällt, wenn auch für dieses Lebensmittel die Regeln von Angebot und Nachfrage gelten werden?

Diese Frage beschäftigt auch die BDM-Mitglieder, wie bei der gut besuchten Regionalversammlung am Freitagabend im Kühof bei Gröningen deutlich wurde. Aber: Selbst Landesvorsitzender Karl-Eugen Kühnle hatte keine wirklichen Antworten parat. "Der künftige Milchmarkt basiert auf Hoffnung", so seine Kernaussage. Zum einen sieht er die Chance, dass der freie Markt den Preis und die Menge regelt, "was wir bisher nicht haben". Subventionen hätten den Markt verzerrt und Krisen verlängert. Es sei schon erstaunlich, wie viel Geld hier lockergemacht wurde, stellte der Landesvorsitzende fest, ohne zu ahnen, dass der Gastredner später einen Schwerpunkt auf eben diese finanzielle Unterstützung der Landwirtschaft legen wird. Karl-Eugen Kühnle regte ein marktkonformes Verhalten an, bei dem eine freiwillige Produktionseinschränkung belohnt wird. Und: "Wir brauchen Regelungen und die Politik", um Krisen rechtzeitig entgegenwirken zu können.

Keiner weiß, wie die Märkte laufen werden

Schon im Einladungsschreiben hatte der BDM herausgestellt. "Der Dialog mit der Politik ist ein zentraler Ansatzpunkt, um unsere Forderungen durchzusetzen." Deshalb hatte sie auch einen Mann der Politik eingeladen. Dieser gestand, "dass wir mit einem gewissen Magendruck in die Liberalisierung, starten, weil keiner genau weiß, wie die Märkte künftig laufen werden". Wolfgang Reimer, Amtschef im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz erwies sich nicht nur als profunder Kenner der Materie, sondern auch als brillanter Redner mit klaren und offenen Worten. Reimer weiß, dass viele Betriebe in den Startlöchern stehen und teilweise schon heftig expandieren, um bei der Öffnung des freien Milchmarktes ganz vorne dabei zu sein.

Und wenn jetzt alle pushen und mehr produzieren? Auf diese selbst gestellte Frage weiß auch Reimer noch keine Antwort. Sicher ist er allerdings, dass ein Zuwachs ausschließlich über den Export geht, "weil wir selbst weit mehr produzieren als verbrauchen". Doch die Landwirte müssen (und können) auch künftig nicht allein vom Milchgeld leben. In Baden Württemberg wird es nach wie vor Fördergelder, Zuschüsse, Zulagen und Prämien geben, sei es für bewirtschaftete oder auch brachliegende Flächen, für den Stallbau oder die Sommerweide, die Landschaftspflege oder Grünlandkulisse, die tiergerechte Haltung oder den ökologischen Landbau. Ein Versammlungsteilnehmer hat "diese staatliche Förderung noch nie verstanden", weil sie nichts mit Wettbewerb und freiem Markt zu tun habe. Er müsse sich gesellschaftlich dafür rechtfertigen, dass er beispielsweise für seinen Stallbau 150.000 Euro an Steuergeldern erhalten habe.

Der Amtschef reagierte auf diese Äußerung zunächst etwas gereizt: "Wir können die Förderung auch abschaffen", stellte dann aber mit ruhiger Stimme fest, dass die Milcherzeuger und nicht nur die, "in der Vergangenheit ohne Förderung wohl nicht durchgekommen wären". Widerspruch aus der Versammlung gab es nicht, nur die Forderung des Landesvorsitzenden Kühnle nach fairen Rahmenbedingungen und Gleichbehandlung.

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