Vellberger Gemeinderäte und Landwirte kritisieren Naturschutzmaßnahmen

Verärgert sind einige Vellberger Landwirte und Gemeinderäte über Naturschutzvorschriften. Bestimmte Flächen dürfen nur noch extensiv bewirtschaftet werden. Die Bauern fühlen sich dadurch enteignet.

|
Eine Baumwiese bei Eschenau. Dort und auch in vielen weiteren Bereichen des Bühlertals dürfen die Bauern ihre Wiesen nur noch extensiv nützen: Erst nach der Blüte mähen, wenig düngen.  Foto: 

Derzeit verschickt der Haller Landschaftserhaltungsverband (LEV) Schreiben an Vellberger Landwirte, in denen es um die Bewirtschaftung von artenreichem Grünland geht. Die biologische Vielfalt dieser Wiesen etwa in Eschenau und im Bühlertal soll erhalten bleiben. Bürgermeisterin Ute Zoll hat deshalb die LEV-Mitarbeiterin Judith Riehle eingeladen, um den Gemeinderäten die Hintergründe zu erklären.

Bereits 1992 hat die EU eine Richtlinie erlassen, um natürliche Lebensräume sowie wildlebende Pflanzen und Tiere zu schützen. Diese FFH-Richtlinie (die beiden F stehen für Flora und Fauna, H bedeutet Habitat, also Lebensraum) müssen die Länder umsetzen. Im Landkreis Hall ist der LEV zuständig. Dazu hat er auch in der Vellberger Gemarkung zum ersten Mal 2004 alle artenreichen und damit schützenswerten Flächen kartiert. Eine zweite Kartierung fand 2009 statt.

Inzwischen haben Experten einen Maßnahmenplan ausgearbeitet (den sogenannten Managementplan), der sicher stellen soll, dass die wertvollen Flächen erhalten bleiben. Das bedeutet, dass die Landwirte diese mageren Wiesen nicht intensiv bewirtschaften dürfen, sondern sie nur ein- bis zweimal im Jahr mähen und nur selten düngen dürfen. Der Ertrag ist dadurch deutlich vermindert. Die Landwirte bekommen dafür einen finanziellen Ausgleich.

Trotzdem haben die wenigsten Landwirten Verständnis für diese Regelung, wurde bei der Gemeinderatssitzung deutlich. Die Mehrzahl der Gemeinderäte sieht das ebenfalls kritisch. Gemeinderat Reinhold Keller erbost sich darüber, das sei ein gravierender Blödsinn und eine totale Enteignung der Bauern. "Da werden Landwirte als billige Arbeitskräfte missbraucht. Die jungen Landwirte werden das nicht mehr mitmachen", warnt er.

Bühlertal ist eines der größten Naturschutzgebiete im Landkreis Hall

Auf der anderen Seite überleben so seltene Insektenarten wie etwa der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling nur auf nährstoffarmen Wiesen. Solche bunte Blümleswiesen, wie Riehle sie nennt, nehmen in Baden-Württemberg stark ab.

Auch in Raum Vellberg hat sich der Zustand einiger Flächen zwischen der ersten und der zweiten Kartierung verschlechtert. Dass die Bauern als Eigentümer der Wiesen sie jetzt mit geeigneten Maßnahmen wieder in ihren Ursprungszustand zurückführen sollen, ohne dafür Geld zu bekommen, verärgert sie noch mehr.

Auch die Agrarwissenschaftlerin vom LEV ist nicht ganz zufrieden mit der starren Festlegung der FFH-Gebiete und, dass die Pflege der Flächen nicht mehr freiwillig ist. "Vorher gab es Landschaftspflegeverträge mit den Landwirten auf freiwilliger Basis", erklärt sie. Sie fürchte um den bisher guten Ruf des LEV.

Der Gemeinderat hat keine Einflussmöglichkeit, er kann das Ganze nur zur Kenntnis nehmen. "Ich wollte aber, dass Sie darüber Bescheid wissen" stellt Ute Zoll fest.

Der einzige Gemeinderat, der sich positiv zu den Naturschutzmaßnahmen äußert, ist Günter Helbich: "Was ist die Alternative, das zu erhalten? Solche Wiesen sind doch erhaltenswert", betont er. Das Bühlertal ist mit 306 Hektar eines der größten Naturschutzgebiete im Landkreis Schwäbisch Hall.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Lebenshilfe Crailsheim feiert Fünfzigstes

Die Lebenshilfe Crailsheim feiert den 50 Geburtstag.  Menschen mit Behinderung sind mitten drin in den Vorbereitungen. weiter lesen