Unverbauter Blick in die Natur

Die Sielands haben sich Reinsberg gezielt als Wohnort ausgesucht: nahe an der Autobahn und damit schnell bei den Großeltern in Neuenstein, nahe am damaligen Job von Sebastian Sieland und nahe an der Natur.

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    Ein Birnbaum voller blonder Mädchen: Familie Sieland fühlt sich in Reinsberg, Gemeinde Wolpertshausen, wohl. Foto: 
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Sebastian Sieland ist der einzige Mann im quirligen "Fünfmäderlhaus" in Reinsberg - und wenn man seine Frau Rebekah dazurechnet, teilt er das alte Bauernhaus sogar mit sechs. Rebekah und Sebastian Sieland haben Töchter wie die Orgelpfeifen: Hannah (12), Lena (9), Klara (7), Sophie (4) und Marie (2).

Vor neun Jahren kauften sich Sielands die Hofstelle von Otto Lohn am Ortsrand von Reinsberg. "Wir wollten immer in einem alten Haus wohnen", sagt Rebekah. Doch uralt ist das Haus nicht. Es stammt aus den 1950er-Jahren, wie so viele Reinsberger Häuser. Der Grund: In den letzten Kriegstagen verschanzten sich versprengte Nazis im Dorf, die Amerikaner fuhren Artillerie auf und legten Reinsberg in Schutt und Asche. Bei Sielands erinnern nur die Grundmauern und der alte Gewölbekeller an das Vorgängerhaus.

Drei Jahre lang bauten die Sielands ihr Haus nun um. Wände wurden herausgerissen, eine Küche in den alten Hühnerstall eingebaut, neue Leitungen verlegt. Für die Bodendielen hat Sebastian Sieland die Bäume selbst gefällt und gesägt - für den Forstwirt, der seine Meisterprüfung unlängst mit einer Auszeichnung abgeschlossen hat, freilich kein Problem.

Hinter dem Haus befindet sich ein riesiger Garten und nichts als Natur: ein weiter, unverbauter Blick bis hinüber nach Vellberg. "Wir haben einen Birnbaum, auf den wir alle draufpassen", sagt Klara stolz. Vor dem Haus verläuft eine ruhige Straße, auf der die Kinder mit den Rollern und Fahrrädern hin- und herflitzen können.

Kinder gibt es einen Haufen in Reinsberg, vor allem Mädchen. Das ist nur einmal im Jahr ein Problem, und zwar an Weihnachten. Dann treiben in Reinsberg die Rollerbuben ihr Unwesen. Zwar dürfen da eigentlich nur Jungs mitmachen. Aber mangels Masse sind nun auch die Mädchen dabei - und mit ihnen auch die älteren Sieland-Mädchen.

Sophie weiß, worum es bei den "Rollabuwa" geht: "Sie sollen die Geister vertreiben". Dazu laufen sie an Weihnachten mit spitzen Hüten, geschwärzten Gesichtern und lauten Glocken durchs Dorf. Diese wilden Buben gibt es übrigens nur in Hohenlohe - und dort wiederum nur rund um Ilshofen. "Manchmal weinen die kleinen Kinder sogar", wissen die Sieland-Mädchen, die sich selbst aber auf die wilden Gestalten freuen.

Sielands sind in Reinsberg gut integriert. "Schon als wir umgebaut haben, kamen viele Leute und haben uns begrüßt", erinnert sich Rebekah Sieland, "das war sehr schön". Entsprechend wohl fühlen sie sich. Keine Minute haben sie die Entscheidung bereut, sich dort niederzulassen. Rebekah Sieland: "Der Übergang war fließend. Aber irgendwann haben wir gesagt: Hier sind wir daheim."

Reformation hält früh Einzug

Geschichte Reinsberg zählte zum Jahresende 148 Einwohner, der Ort hat einen Verein: den Männergesangverein Liederkranz. Reinsberg ist heute ein Ortsteil von Wolpertshausen. Früher war Reinsberg aber der bedeutendere Ort, was man an der Tatsache ablesen kann, dass noch heute der Pfarrer seinen Sitz in Reinsberg und nicht in Wolpertshausen hat. Derzeit kümmert sich dort Dieter Schindhelm um die Gemeindemitglieder. Reinsberg ist früh protestantisch geworden. Der damalige Pfarrer Johann Herolt der Jüngere, der Sohn des Pfarrers vor ihm (Johann Herolt der Ältere), wird 1514 als erster Pfarrer der Gegend lutherisch. Er heiratete 1529 Lucia Seyboth aus Gelbingen. Ihr Grabstein - der erste einer Pfarrfrau in Württemberg - ist noch heute in der Kirche zu sehen.

UTS

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