Untersuchung des Sophienbergs beginnt - Verschiedene historische Schichten

Die Untersuchung des Sophienbergs für das Projekt "Historische Parkwälder" soll demnächst beginnen. Diplom-Ingenieur Patrick Pauli hat das Projekt jetzt im Kirchberger Gemeinderat vorgestellt.

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  • Mehrere Steinriegel wie dieser auf der Westseite des Sophienbergs bezeugen, dass hier Weinbau betrieben worden ist. 1/4
    Mehrere Steinriegel wie dieser auf der Westseite des Sophienbergs bezeugen, dass hier Weinbau betrieben worden ist.
  • Diese steinerne Bank ist von Moos überwachsen. Von dieser Stelle aus war vermutlich der Blick frei hinüber zum Kirchberger Schloss. 2/4
    Diese steinerne Bank ist von Moos überwachsen. Von dieser Stelle aus war vermutlich der Blick frei hinüber zum Kirchberger Schloss.
  • Diese Wand neben dem Teehaus ist offensichtlich einsturzgefährdet. 3/4
    Diese Wand neben dem Teehaus ist offensichtlich einsturzgefährdet.
  • Patrick Pauli leitet das Projekt "Historische Parkanlagen". Privatfoto 4/4
    Patrick Pauli leitet das Projekt "Historische Parkanlagen". Privatfoto
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Das Institut für Geo- und Umweltwissenschaften der Universität Freiburg will einen Leitfaden für den Umgang mit historischen Parkwäldern erarbeiten (das HT berichtete). Der Ende des 18. Jahrhunderts vom Kirchberger Fürstenhaus im Stil eines englischen Parks angelegte Sophienberg im Jagsttal gehört zu den sechs historischen Parkanlagen, die dafür als Beispiel dienen.

"Der Sophienberg ist ein ganz tolles Denkmal", meint der 42-jährige Landschaftsarchitekt Patrick Pauli, der den ehemaligen Park bereits 2006 für das Landesdenkmalamt untersucht hat. Beim Projekt "Historische Parkwälder" geht es jetzt jedoch auch um Fragen des Naturschutzes. Die Interessen des Denkmalschutzes, des Naturschutzes, aber auch der Forstwirtschaft in Einklang zu bringen, ist das Ziel des Leitfadens.

Denkmalschützer finden den Sophienberg faszinierend, weil sich hier verschiedene historische Schichten überlagern. Steinriegel und Trockenmauern finden sich als Zeugnisse für den Weinbau, der hier betrieben worden ist. Sie wurden bei der Anlage des Parks in die Gestaltung einbezogen.

Vom Park gibt es auffällige Überreste wie den kleinen Aussichtsturm und das ursprünglich zweigeschossige Teehaus "Christiansruh". Weniger auffällig sind dagegen Treppenstufen oder die Reste von Sitzbänken, auf die man immer wieder stößt. Gut zu erkennen sind die netzartig angelegten Wege, die den Besucher ursprünglich abwechselnd durch Sonne und Schatten führten.

Der denkmalgeschützte Sophienberg ist zwar nicht als Naturdenkmal ausgewiesen, doch gehört er zu einem Schutzgebiet nach der EU-Richtlinie Fauna-Flora-Habitat (FFH). Mehr als 200 Jahre, nachdem der Park angelegt worden ist, ist die Anlage von Sträuchern und Bäumen überwachsen.

Bei den ältesten Bäumen handelt es sich um Schwarzkiefern, die rund 150 Jahre alt sein dürften. Zahlreiche Bäume sind ganz oder teilweise abgestorben. In ihnen nisten Spechte, aber auch für Insekten stellen sie einen wertvollen Lebensraum dar. Die Insekten wiederum sind die Nahrungsgrundlage für die Fledermäuse, die auf dem Sophienberg leben. Die Kirchberger Ortsgruppe des Naturschutzbunds (NABU) hat für die Fledermäuse Nistkästen angebracht.

Zu den Pflanzen, die auf dem Sophienberg wachsen, gehört die Weinbergstulpe, die auch Wilde Tulpe genannt wird. Sie hat sich hier zu den Zeiten angesiedelt, als am Sophienberg noch Weinbau betrieben wurde. Heute steht die Weinbergstulpe auf der Roten Liste, weil sie zu den stark gefährdeten Arten gehört. Sie darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

Der knapp sieben Hektar große Sophienberg wird vom Forstrevier Crailsheim für die Stadt Kirchberg bewirtschaftet, die die Eigentümerin des Geländes ist. Nach dem Waldwirtschaftsplan sollen in diesem Jahrzehnt 280 Festmeter geschlagen werden. Diese Menge wird fast ausschließlich mit Bäumen erreicht, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen, weil sie morsch sind. Zuletzt wurden 2010 70 Festmeter geschlagen.

Zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und Forstwirtschaft kann es zu Interessenkonflikten kommen. So können bei Baumfällarbeiten Steinriegel und Trockenmauern oder die Überreste der Parkanlage beschädigt werden. Während Naturschützer dafür plädieren, abgestorbene Bäume stehen zu lassen, muss Forstrevierleiter Karl Kolb für die Sicherheit auf den Wegen sorgen, auf die tote Bäume stürzen könnten.

Nicht immer jedoch widersprechen sich die Interessen. So plädiert der NABU-Vorsitzende Bruno Fischer durchaus dafür, Steinriegel von Bäumen und Sträuchern freizulegen, damit sich dann in der Sonne wieder Salamander ansiedeln können.

Keine Rolle spielen für das Projekt "Historische Parkwälder" frühere Überlegungen, die Parkanlage auf dem Sophienberg in irgendeiner Form wiederherzustellen. "Der Leitfaden dient der weiteren Bewirtschaftung", betonte Patrick Pauli im Gemeinderat. Ziel sei es, den Park wiederzubeleben, "damit auch spätere Generationen den Sophienberg noch als Park erkennen können".

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