Uneins über Flurneuordnung - Befürchtung: Pachtpreise könnten steigen

In einer Zukunftswerkstatt haben Grundstückseigentümer und Behördenvertreter erneut die Frage erörtert, ob eine Flurneuordnung für die Gemarkung Unteraspach sinnvoll ist. Die Meinungen waren geteilt.

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In Oberaspach wird intensiv über eine neue Strukturierung der kleinen Grundstücksparzellen diskutiert. Teilnehmer der Zukunftswerkstatt nehmen die aktuelle Karte genau in Augenschein.  Foto: 

Schöne neue Welt auf den Äckern: Wenige, aber breite und gut befestigte Asphaltwege und Grundstücke von mehreren hundert Metern Länge. Dazu Naturschutz- und Ausgleichsflächen auf Randstreifen, die ohnehin für die Agrarbewirtschaftung von geringem Wert sind. Die wenigen noch verbliebenen Vollerwerbslandwirte sehen sich schon in ihren modernen Landmaschinen auf großzügigen Schlägen effizienter und ökonomischer arbeiten. Ihrer Meinung nach kann die Flurneuordnung kommen.

Ganz anders sehen es Kleinbauern, Nebenerwerbslandwirte und Grundstücksbesitzer, die keine Bauern (mehr) sind. "Wenn die Schläge wachsen, werden die Pachtpreise steigen, der Verdrängungsdruck nimmt zu. Es kommen Landwirte von außerhalb und der Strukturwandel in der Landwirtschaft zu immer weniger Betrieben beschleunigt sich." So lauten die Befürchtungen.

"Zukunftswerkstatt" nannten die Leiter des Haller Amts für Flurneuordnung die zweite unverbindliche Informationsveranstaltung in der Frankschen Scheune in Oberaspach, zu der in dieser Woche fast 50 Interessierte kamen. Amtsleiter Klaus Drotleff und sein Stellvertreter Martin Reustlen hatten die Zusammenkunft gut vorbereitet: Alle Feldwege, ob asphaltiert, geschottert oder unbefestigt, haben sie abgefahren, geprüft und vermessen. Für die Gemeindeverwaltung gab es ein Lob, die Asphaltwege seien gut gepflegt und ausgebessert.

Dennoch sei das aus den 1950er- Jahren stammende Wegenetz für die moderne Landwirtschaft nicht mehr geeignet. Martin Reustlen nannte ein Rezept zur Verbreiterung: "Neben dem alten Weg eine Rinne baggern, mit Schotter auffüllen und eine neue Deckschicht auftragen." - So ließen sich die Fahrstreifen auf die für heutige Maschinen notwendigen 3,50 Meter verbreitern.

Auch die Grundstücksstruktur stamme von 1950, kritisierte Reustlen: "Das enge Strukturraster mit vielen Graswegen ermöglicht bisher keine Gewannlängen von mehreren hundert Metern." Auf einige Wege verzichten und die wichtigen Verbindungen aufwerten, lautete das Fazit der Experten, deshalb wollten sie die Flurneuordnung für die Gemarkung Unteraspach anbieten.

"Kerleweck, Groß- und Kleinstadel wollen keine Flurbereinigung", meldete ein Anlieger. Bürgermeister Roland Wurmthaler bestätigte, dass diese Ortschaften samt Oberscheffach "schon raus sind, weil es dort bereits größere Schläge gibt". Steinbächle will sich ebenfalls ausklinken. Auch aus Ober- und Unteraspach sowie Gaugshausen kam Zustimmung, aber auch Kritik an dem Vorhaben und der Vorwurf, es sei eine regelrechte Werbeveranstaltung für neue Feldwege.

"Sie entscheiden, ob die Flurneuordnung kommt oder nicht", versuchte Martin Reustlen die Wogen zu glätten, "wir wollen Ihnen nichts verkaufen, was Sie nicht wollen." Bürgermeister Roland Wurmthaler beeilte sich zu erklären, dass er die Flurneuordnung nicht brauche - "Wir hätten viel weniger Arbeit." Beim November-Treffen in Oberaspach hatte er mit Blick auf bessere Feldwege angekündigt, dass die Stadt zehn Prozent der Kosten übernehmen wolle.

Ehe die Diskussion zu heftig wurde, gelang es Klaus Drotleff, die Leute in kleinen Gruppen nach Ortschaften getrennt an die Gewannkarten zu bitten.

Grundzüge der Flurneuordnung

Tausch Oberstes Gebot der Flurneuordnung ist, dass jeder Teilnehmer Ackerfläche in gleicher Größe und Qualität bekommt, wie er vorher hatte. Aus vielen kleinen Parzellen sollen größere zusammenhängende Schläge werden, die leichter zu bewirtschaften sind. Ökologische Ausgleichsflächen werden von den Grundstücken abgezogen.

Nächstes Treffen Mit den Erkenntnissen aus den Workshops werden die Mitarbeiter des Haller Amts für Flurneuordnung die nächste, noch einmal unverbindliche Zusammenkunft am Dienstag, 3. März, vorbereiten. Dann muss für Unteraspach die Entscheidung getroffen werden, ob die Flurneuordnung kommen soll oder nicht.

CLAK

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