Umweltminister und Experten informieren über die Windenergie

Der Windpark in Langenburg steht auf der Agenda der Landesregierung offenbar ganz weit oben: Umweltminister Franz Untersteller nebst Experten-Tross stellte sich stundenlang den Fragen von Bürgern.

|
Vorherige Inhalte
  • Debatten ohne Turbulenzen: An »Themeninseln« in der Langenburger Stadthalle informierten Experten aus Behörden und Ministerien über die Windkraft. 1/2
    Debatten ohne Turbulenzen: An »Themeninseln« in der Langenburger Stadthalle informierten Experten aus Behörden und Ministerien über die Windkraft. Foto: 
  • Umweltminister Franz Untersteller (links) und der Langenburger Bürgermeister Wolfgang Class bei der Informationsmesse in der Stadthalle. Fotos: Harald Zigan 2/2
    Umweltminister Franz Untersteller (links) und der Langenburger Bürgermeister Wolfgang Class bei der Informationsmesse in der Stadthalle. Fotos: Harald Zigan Foto: 
Nächste Inhalte

Der Wunsch des Langenburger Bürgermeisters Wolfgang Class, dass die verantwortlichen Politiker der rot-grünen Landesregierung "Flagge zeigen", die Hintergründe der Energiewende erklären und die Kommunalpolitiker "nicht im Regen stehen lassen", ging in Erfüllung - und wie.

Alles, was in Behörden und Institutionen des Landes Rang und Namen in Sachen Windkraft hat, stand nämlich am Montag bei einer von der Kommunikationsfirma IFOK organisierten und vom Stuttgarter Umweltministerium finanzierten "Informationsmesse" in der Langenburger Stadthalle für alle Fragen rund um die Rotoren zur Verfügung - sechs Stunden lang.

Überraschend dürftig blieb allein der Besuch von Bürgern aus Langenburg selbst, wo seit Monaten ein heftiger Streit um bis zu 18 Windräder ausgebrochen ist, die vom Energiekonzern ENBW im Brüchlinger Forst des Fürstenhauses errichtet werden sollen.

Als "verständlich und nachvollziehbar" stufte Bürgermeister Wolfgang Class die Beunruhigung der Bürger "über diesen rapiden Systemwechsel" ein, wenn der einst "besonders schutzwürdige Wald" heute für die Windenergie genutzt werden kann.

Großer Unfrieden

Das Stadtoberhaupt sparte auch nicht mit Kritik an dem "großen Unfrieden", den die Windpark-Projekte in die Kommunen tragen: "Wir brauchen eine viel bessere Öffentlichkeitsarbeit, wir brauchen noch viel mehr Aufklärung."

Mit zahlreichen Daten zum Klimawandel und zur künftigen Energieversorgung untermauerte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) das Ziel der Landesregierung, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Windkraft an der Stromproduktion auf 10 Prozent zu steigern - wofür in Baden-Württemberg rund 1200 neue Windräder nötig wären.

Der Minister machte keinen Hehl daraus, dass sich das Bild der Landschaft durch die Rotoren wandeln wird: "Wir müssen uns ein Stück weit darauf einlassen, wenn man für unsere Kinder eine Zukunft ohne Atomkraft und ohne fossile Energieträger ermöglichen will - Windräder lassen sich halt nicht verstecken, durch eine überlegte Planung können die Auswirkungen auf die Landschaft aber möglichst gering gehalten werden."

Überdies gebe es keine gesicherten Studien über negative Folgen für örtliche Immobilienpreise und den Tourismus - was Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench aus der südbadischen Gemeinde Freiamt bestätigte, wo eine Bürgergenossenschaft fünf Windräder betreibt: "Wir verkaufen derzeit so viele Bauplätze wie schon lange nicht mehr, die Windräder haben den Fremdenverkehr bei uns keinesfalls negativ beeinflusst."

Der grün-roten Landesregierung, so Franz Untersteller, sei es jedenfalls "ein großes Anliegen", die von Windrädern ausgelösten Konflikte und Spannungen in den Kommunen mit "Transparenz und Verfahrensgerechtigkeit" beizulegen: "Es ist wichtig und richtig, die Bürger bei den Entscheidungen mitzunehmen - nur mit einem breiten Konsens kann die Energiewende im Land gelingen."

Ob es allerdings gelingt, die tiefen Gräben in Langenburg durch solche Dialoge mit den Bürgern wieder zuzuschütten, bleibt abzuwarten. Karin Friedle-Unger von der windkraftkritischen Gruppe "Besorgte Bürger", die ebenfalls mit einem Stand vertreten war, freute sich durchaus über "informative Gespräche", hätte sich aber mehr kritische Experten gewünscht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

25.06.2014 10:19 Uhr

Weltrettungsfantasien: Umweltminister in Langenburg

Herr Untersteller hätte sich bei der "Informationsmesse" die Daten zum drohenden Klimawandel sparen können, denn Deutschland rettet aufgrund seines im Weltvergleich unbedeutenden CO2-Ausstoßes das Weltklima ohnehin nicht. So schürt er nur Ängste, um eine ideologisch motivierte Energiepolitik zu verkaufen. Um den Anteil von Atom- und Kohlestrom bis 2020 geringfürig zu minimieren, sollen 1200 neue Windkraftanlagen in BW entstehen. Dabei laufen die Windräder in BW infolge fehlender Windgeschwindigkeit nur zu 14 % rentabel. Sinn- und planlos wird eine Kulturlandschaft zerstört, auch wenn der Minister den Zuhörern das Gegenteil einreden will. Es profitieren nur Investoren und Grundstücksbesitzer, während der effektive technische Fortschritt zur umweltfreundlichen Energieerzeugung durch gezielte Forschung wegen Geldmangels auf der Strecke bleibt.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Windkraft in Hohenlohe

Eine Schlüsselrolle bei den Windkraft-Plänen der Landesregierung spielt Hohenlohe - und damit die hiesigen Landwirte: Auf ihren Flächen wird sich wohl ein Großteil der geplanten Windräder drehen.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die „BG“ setzt Zeichen gegen den explodierenden Markt

Die Baugenossenschaft Crailsheim kritisiert die Wohnbaupolitik der letzten Dekade und realisiert 43 neue Wohnungen im Stadtteil Türkei. weiter lesen