Uhrlose Zeit hat bald ein Ende

Ein Kirchturm ohne Uhr? Eigentlich nicht vorstellbar und trotzdem Wirklichkeit, nämlich in Wallhausen. Doch Dank eines Projektes der Konfirmanden und ihrer Eltern wird diese uhrlose Zeit bald ein Ende haben.

|

Die erstmals 1285 erwähnte St.-Veit-Kirche war wahrscheinlich nicht schon immer uhrlos, sondern ist es erst seit 150 Jahren. Damals war der Kirchturm saniert worden und es waren gleichzeitig die Ziffernblätter verschwunden. Auch wenn die Zeit in Wallhausen seither nicht stehen geblieben ist, auch wenn die Besucher pünktlich zum Gottesdienst gekommen sind: Der Blick auf den Turm machte immer wieder deutlich, dass hier etwas Typisches fehlt, nämlich eine Uhr. Der Gedanke daran tickte auch immer wieder im Kopf von Rainer Walch.

Und das Ticken verstärkte sich, als der Konfirmandenunterricht der Zwillingsbuben Felix und Daniel immer näherrückte. Rainer Walch ist nicht nur Papa, sondern auch Kirchengemeinderat und Margit Walch nicht nur seine Frau und die Mama von zwei bereits konfirmierten Kindern, sondern auch für die Kirchengemeinde aktiv. Und sie hat als Pfarramtssekretärin gearbeitet. So wurde im Hause Walch auch über ein Projekt für den neuen Konfirmandenjahrgang nachgedacht "Es sollte schon etwas Besonderes und vor allem Bleibendes sein", erinnert sich Margit Walch an die ersten Überlegungen, aus denen heraus sich die Idee entwickelt hat, an der altehrwürdigen Kirche wieder eine Uhr anzubringen.

Die Idee fand nicht nur den Zuspruch des Kirchengemeinderats, sondern auch der Konfirmanden und deren Eltern. Ihr gemeinsames Ziel: Das mit Kosten von 4000 Euro veranschlagte Projekt wird über verschiedene Aktionen finanziert. Und das im April letzten Jahres ins Leben gerufene Projekt erhielt auch einen (aus der Bibel abgeleiteten) Namen: "Ein jegliches hat seine Zeit." Ab diesem Zeitpunkt investierten die 14 Buben und Mädchen und deren Eltern sehr viel Zeit und Kraft in dieses Gemeinschaftsprojekt, das die Zeit nach dem über ein Jahr gehenden Konfirmationsunterricht und die Konfirmationsfeier am 23. März weit übersteigen wird. Margit Walch und Bettina Berger, zwei der Konfi-Mütter, erinnern sich noch gut an das erste "Café Zeitlos" im Juni im Gemeindehaus. "Wir hatten schon ein bisschen Bauchweh", sagen sie übereinstimmend, schließlich konnte niemand voraussagen, wie dieses neue Angebot wohl angenommen wird.

Es wurde angenommen und zwar so gut, dass sich daraus eine Erfolgsserie mit inzwischen sechs solcher Nachmittage entwickelte. Augenblicklich wird das siebte Café am kommenden Sonntag, 19. Januar, um 14 Uhr vorbereitet. Dieses Mal backen die Frauen Zimtrollen Schneeballen und Blooz. Und wie immer werden die Besucher von den Konfirmanden bedient. Natürlich gibt und gab es nicht nur Kaffee und Kuchen. So wurden in der Vergangenheit Blumentöpfe gegossen, Taschen und Schals gehäkelt, Marmelade gekocht, Kürbissenf hergestellt. Es gab eine große Tombola, Bogenschießen, Kinoabend, eine Bastelecke und derzeit läuft eine Altpapiersammlung. Nicht nur, dass auf diesem Weg schon erfreulich viel Geld für die Anschaffung und Montage des Zifferblattes zusammengekommen ist, "wir erleben vor allem auch Gemeinschaft", freuen sich die Mütter von Noah Berger sowie Felix und Daniel Walch.

Und nicht weniger freut sich Pfarrer Stefan Brender (30) über diese Aktion, "die ich in dieser Form noch nicht erlebt habe". Er wurde quasi vor vollendete Tatsachen gestellt - allerdings im positiven Sinn. Er ist erst seit Anfang September in Wallhausen und die Aktion wurde von den Eltern und Konfirmanden in der pfarrerlosen Zeit auf die Beine gestellt. Der Seelsorger ist sehr angetan von dieser Eigeninitiative und der Idee, gemeinsam etwas zu schaffen, das für alle sichtbar ist und die Konfirmanden auch noch in Jahrzehnten an diese Zeit erinnert. Zudem werde über diese Aktion das Gemeindeleben bereichert. Einem Pfarrer könne nichts Besseres passieren, würdigt er den großen Einsatz von Eltern und Kindern, "den ich gerne mittrage".

Auch die Konfirmanden stehen voll hinter dieser Aktion, bringen sich sehr zur Freude ihrer Eltern und ihres Pfarrers auf vielfältige Weise ein. Nur darüber sprechen mögen sie nicht so gerne, zumindest nicht, als der Zeitungsvertreter sie beim Konfiunterricht besucht, der seit April jeden Mittwochnachmittag stattfindet. Doch wie aus anderen Quellen zuverlässig zu erfahren ist, sind sie mächtig stolz auf ihr Projekt und freuen sich, wenn ihre Kirchenuhr bei der Konfirmation vorgestellt wird.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo