Überleben mit Humor

Viel Liebe zur jüdischen Kultur brachten "Die Fokkers" in der Burgenlandhalle Braunsbach auf die Bühne: Die zahlreichen Besucher erlebten ein wahres Feuerwerk an jüdischen Witzen, Liedern und Geschichten.

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Der Ort, der Rosensteinsaal, war gut gewählt. Dort war die Synagoge der Landjudengemeinde. Der Haller Peter Fink ist Initiator der "Fokkers". Mit Augenzwinkern präsentierte er Kostproben des besonderen Humors, bei der die Juden mit Chuzpe sich selbst und ihre Umwelt auf die Schippe nehmen.

Etwa zum Thema Geschäftstüchtigkeit: Sagt der Lehrer in der Katholischen Internationalen Schule in New York: "Wer den berühmtesten Mensch auf Erden nennen kann, bekommt von mir zwanzig Dollar." Ruft ein kleiner Ire: "John F. Kennedy!" - "Falsch." Ein kleiner Italiener: "Cäsar!" Auch falsch. Meldet sich der Joschele: "Jesus." "Richtig, aber Joschele, von dir hätte ich diese Antwort nicht erwartet." Joschele erwidert: "Eigentlich ist es ja Mose, aber Geschäft ist Geschäft!"

Oder beim Metzger: "Ich möchte bitte diesen Fisch." - "Aber gute Frau, das ist ein Schinken." - "Habe ich Sie gefragt, wie der Fisch heißt?".

So kamen die Pointen im Sekundentakt, und zur Abwechslung unterhielt Karin Fu alias Karin Friedle-Unger mit Geschichten von Ephrain Kishon und Liedern. Die Künstlerin aus Langenburg überzeugte mit Esprit und einer tollen Altstimme.

Der Dritte im Bunde der "Fokkers" ist der Pianist Robert Rühle aus Obersulm, der den jiddischen Liedern und Couplets im Stil der 20er-Jahre den richtigen Ton gab.

So swingten sie zum Welthit der Andrew Sisters "Bei mir bist du schön", nach dem das Programm benannt war. Aber auch die bitterbösen Spottlieder eines Georg Kreisler fehlten nicht. Jüdischer Humor ist nicht einfach lustig, er hat auch oft etwas Groteskes oder Bitteres.

Sigmund Freud, selbst Jude, sagte, der Humor diene als Widerstand gegen Unterdrückung, durchaus auch mal nach innen. Humor als Überlebensstrategie - auch im Blick auf die eigene Mischpoke, die Familie. Eine italienische Mamma sagt: "Giovanni, iss deine Spaghetti auf, sonst stirbst du." Die jüdische Mamme sagt: "Moishe, iss deine Spaghetti auf, sonst sterbe ich."

Nachdenklichkeit kam auf, als Peter Fink an den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar erinnerte, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Sein verstorbener Vater war einer der Überlebenden, Fokker war sein Kosename. "Die Liebe zur Freiheit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden waren sein Wunsch und Vermächtnis, und ihm zu Ehren haben wir uns so genannt", so Fink. Ein berührender Abend, ganz im Sinne des Talmud-Spruches: "Gott lacht mit seinen Geschöpfen, nicht über seine Geschöpfe."

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