Trauung zur Veilchenblüte

Gibt es Liebe auf den ersten Blick? Renate und Günter Wengert aus Bühlertann sagen Ja. Denn nach nur fünf Monaten gaben sie sich in der Pfarrkirche Sankt Margaretha in Reichertshofen das Ja-Wort.

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  • Verliebt wie am ersten Tag: Renate und Günter Wengert haben auch heute noch viel zu lachen. Foto: Michaela Christ 1/2
    Verliebt wie am ersten Tag: Renate und Günter Wengert haben auch heute noch viel zu lachen. Foto: Michaela Christ
  • Das junge Paar bei der Trauung am 7. Februar 1964. Privatfoto 2/2
    Das junge Paar bei der Trauung am 7. Februar 1964. Privatfoto
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Sie werden einmal heiraten. Renate (69) und Günter Wengert (71) wussten das von Anfang an. Die Frage war nur, wann? Günter, gerade mal zwanzig Jahre alt, war Soldat in Ingolstadt. Und besuchte am Wochenende regelmäßig das 13 Kilometer entfernt gelegene Reichertshofen, wo noch Schwestern seiner früh verstorbenen Mutter lebten. Auch an jenem schicksalsträchtigen Samstagabend, dem 7. September 1963, zog es den leidenschaftlichen Tänzer in die Marktgemeinde, weil beim Brückenwirt zum Tanz aufgespielt wurde. BeimBlick durch den Saal und auf die anwesenden Damen, blieben seine Augen bei einer temperamentvollen Tänzerin in einem geblümten Perlonkleid mit fliegendem Petticoat. Noch am selben Abend sollte ihr auch sein Herz gehören.

Der damals achtzehnjährigen Renate ging es nicht anders. "Es war Liebe auf den ersten Blick. Wir haben zusammen getanzt, geredet, gelacht und gewusst, dass es passt!", resümiert sie den Kennenlerntag. Den die beiden im Gedächtnis tragen wie andere den Hochzeitstag - der dann schnell folgte. Schon im Dezember wurde von Heirat geredet. Günters Vater Anton in Bühlertann war jedoch der Meinung, sein Sohn sei zu jung, und gebot Einhalt. Kurzfristigen Aufschub besser gesagt. Denn Anfang Januar wurde Günter 21, war nach altem Gesetz volljährig und durfte selbst entscheiden. Seine Renate vertröstete er mit den Worten: "Wir heiraten, wenn die ersten Veilchen blühen!" und spekulierte auf Ostern. "Das schien mir realistisch, so ein Fest will schließlich geplant sein", erklärt Wengert seinen Wunschtermin. Diesen hatte er allerdings ohne die Rechnung seiner künftigen Schwiegermutter gemacht: In deren Garten blühten nämlich noch am selben Abend die ersten Veilchen. "Das war ein Zeichen!", strahlt Renate noch 50 Jahre später. "Oder gemein!", erwidert Günter grinsend. Denn seine Veilchen-Langzeitstudie habe ergeben, dass seltsamerweise nur in diesem Jahr die Veilchen schon im Januar blühten.

Am 7. Februar, auf den Tag genau fünf Monate nach dem ersten Treffen, gaben sich Renate und Günter in der Sankt Margaretha Pfarrkirche in Reichertshofen das Ja-Wort. Gefeiert wurde beim Brücken-Wirt. Mit etwa 70 Gästen: Verwandtschaft aus Bühlertann und Reichertshofen, Freunde und Soldatenkameraden. Renate grinst verträumt. Sieht sie den Bräutigam vor Augen? "Ja, auf dem Boden liegen, direkt vor der Kirche!", lacht sie versonnen. "Stimmt, glatt war"s und ich kam ums Auto herum um dir die Türe aufzumachen!", erinnert sich jetzt auch Günter an den unfreiwilligen Kniefall vor seiner zukünftigen Frau am Hochzeitsmorgen. Was die einzige Panne an diesem Tag blieb.

Um 10 Uhr wurde geheiratet, dann gabs Mittagessen, Kaffee, Abendessen und natürlich Tanzmusik bis Mitternacht. Da war nach alter Reichertshofener Sitte für die Brautleute Schluss mit Party. Sie mussten heim ins Bett. "Dabei hätt i so gern no bleibe wolle!", empört sich Renate. Und Günter lacht aus vollem Hals: "Es war der Faschingssamstag. Auch wenn sich Renate erst in Bühlertann mit dem Faschingsfieber infizierte, gespürt hat sie es wohl damals schon!" 1966 zog das Ehepaar nach Bühlertann. Die Familie wuchs schnell: zwei Töchter, zwei Söhne. Später kamen Schwiegersöhne, Schwiegertöchter, Enkelkinder dazu. "Und 20 Gardezwergel!", komplettiert Günter die Großfamilie. "Ich habe ernsthafte Konkurrenz bekommen", klagt er fast vorwurfsvoll. Und meint den Bühlertanner Fasching, den Renate in der neuen Heimat offenen Herzens in sich aufgenommen hat. "Er hat mir den Trachtenverein ersetzt, nach dem ich so schrecklich Heimweh hatte", sagt sie entschuldigend. Was Günter versteht und darum akzeptiert. Denn das Erfolgsrezept der Wengertschen Ehe basiert auf einem alten Sprichwort, sagt der Ehemann frech und zitiert: "Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen!" Und Renate übersetzt: "Wir machen immer alles zusammen."

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