Tränen kullern: "Waggi" geht

Von der Sorte "Krokodil" waren sie gewiss nicht - jene Tränen, die vor ein paar Tagen auf dem Rathaus in Schrozberg geflossen sein sollen, wie zuverlässige Gewährsleute berichten.

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Abschied vom Rathaus nach 41 Jahren: Karl-Albrecht Wagner (links) und der Schrozberger Bürgermeister Klemens Izsak. Foto: Harald Zigan

Die emotionale Gefühlswallung der normalerweise an nüchterne Arbeit gewohnten Stadtbediensteten galt einem ihrer Kollegen, der nach sage und schreibe 41 Jahren im Dienst der Kommune nunmehr als Pensionär locker und entspannt durch seine Heimatstadt schlendern kann: Karl-Albrecht Wagner, von seinen (vielen, sehr vielen) Freunden stets mit liebevollem Respekt nur "Waggi" genannt.

Kein Mensch dürfte ihn je mit seinem amtlichen Titel "Stadtoberinspektor" angesprochen haben. Denn Karl-Albrecht Wagner, ein munterer, stets gut gelaunter Hohenloher durch und durch und somit auch ein leidenschaftlicher Anhänger des hiesigen Grundgesetzes "Leben und leben lassen", zählte in keiner Sekunde zu jener Spezies von Beamten, die am Freitagmittag ihr Lineal nach der Schreibtischkante ausrichten und den Herrgott bis Montag einen guten Mann sein lassen - egal, was da über das Gemeinwesen hereinbrechen mag.

"Waggi" kümmerte sich vielmehr zu jeder möglichen (und unmöglichen) Tages- und Nachtzeit um das Wohl seiner Stadt und ihrer Bürger - und war dabei weitaus mehr als nur der Sachwalter über Tausende von Baugesuchen und zahllosen Bebauungsplänen, die er in hochgerechnet über 400 (!) Sitzungen des Gemeinderates vorstellte, seit er nach einem 1966 begonnenen Intermezzo als "Stift" und Steuersekretär beim Finanzamt in Crailsheim anno 1973 ins Schrozberger Rathaus zum damaligen Bürgermeister Rudolf Neu wechselte, als eine grausame Versetzung ins Schwäbische drohte. Mit nie versiegender Leidenschaft organisierte das wandelnde Schrozberg-Lexikon "Waggi" auch das Jacobifest, den Weihnachtsmarkt und in jüngster Zeit den "Schrozberger Sommer" - auch auf diesem Arbeitsfeld stets in dem Bewusstsein, dass nicht die Bürger für ihn, sondern er für die Bürger da sei.

Als musikalischer Botschafter der Stadt Schrozberg wird "Waggi" diese Rolle im Vorsitz der Stadtkapelle weiter spielen. Als Pensionär fühlt er sich ohnehin noch längst nicht: "Ich befinde mich noch im Urlaubsmodus und sehe noch fehlende Straßenstickel bei Radtouren", wie er jetzt bei seiner Verabschiedung im Gemeinderat scherzte. . .

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