Tierischer Neubürger in Schrozberg: Biber siedelt mitten in der Stadt

Mitten in Schrozberg fühlt sich ein Biber quasi pudelwohl: Auf einem Inselchen im Schafsee richtet sich der Nager derzeit wohl eine Heimstatt ein. Der tierische Neubürger wurde mit offenen Armen empfangen.

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"Solange er keinen groben Unfug treibt, ist er in unserer Stadt wohlgelitten" - auch Thomas Pöschik, Leiter des Bauamtes auf dem Rathaus im Schloss, zählt sich zu den Biber-Freunden in der Stadt Schrozberg.

Weil der Zuzügler offenbar mit den Vorarbeiten für seine gut geschützte Wasserburg begonnen und schon mal ein paar Pappeln nebst Weiden auf der Schafsee-Insel gefällt hat, sicherten die "Stadtsoldaten" des Bauhofes sogleich die Bäume am Ufer des Gewässers mit solidem Maschendraht vor eventuellen Begehrlichkeiten des zahnstarken Bauherrn.

Auf der Speisekarte eines Bibers stehen auch Schwarzerlen, die in Hohenlohe sehr häufig die Flüsse und Bäche säumen.

Noch keine Klagen über den Biber

Till Preuss, Förster aus Spielbach und nebenher auch als ehrenamtlicher Biberberater engagiert, freut sich sehr über die hohe Akzeptanz in der Schrozberger Bürgerschaft: "Bis jetzt sind mir noch keinerlei Klagen über den Biber zu Ohren gekommen - ganz im Gegenteil."

In Schrozberg kursieren sogar schon einschlägige Biber-Anekdötchen. So soll der Fellträger in der nahen Filiale der Volksbank Hohenlohe schon ein Konto für seine umfangreichen Holzgeschäfte eröffnet haben. . .

Zudem steht das possierliche Tierchen sozusagen unter dem Schutz der evangelischen Landeskirche: Dem Schrozberger Pfarrer Georg Leiberich, ebenfalls ein großer Biber-Fan vor dem Herrn, gelang es sogar, den kamerascheuen Holzfäller abzulichten.

Justin Biber wohnt in Schrozberg

Die schönste, weithin sichtbare Liebeserklärung machten dem Biber ein paar pfiffige Schüler aus dem nahen Schulzentrum: Sie hissten auf der Insel im See ein Laken mit der Aufschrift "Hier wohnt Justin Biber" - die Ähnlichkeit mit der Schreibweise des singenden Teenie-Stars Justin Bieber aus Kanada dürfte volle Absicht gewesen sein.

Der Förster Till Preuss vermutet, dass der Biber aus Gewässern im nahen Oberloh-Wald zugewandert ist und derzeit möglicherweise noch ein Pendler-Leben führt, bis er sich endgültig für seinen neuen, uneinnehmbaren Wohnsitz mitten im Schrozberger Schafsee entscheidet. Auch im Schorrenwald weiter östlich wurden schon einschlägige Biber-Spuren gesichtet Dass ein Biber mit einer derart intimen Nähe zu den Menschen offenbar keinerlei Probleme hat, ist "absolut nichts Ungewöhnliches", weiß André Hohmann vom Kreisumweltamt, der für das sogenannte Biber-Management im Kreis Schwäbisch Hall verantwortlich zeichnet.

"Für das Tier", so der Experte, "zählt in erster Linie die Eignung des Gewässers, das örtliche Angebot an Nahrung und an Baumaterial für die nicht unbedingt nötige Biberburg sowie die Beschaffenheit des Bodens, in dem es sich leicht graben lassen sollte für den Bau der Röhren." In Heidenheim an der Brenz hat sich ein Biber sogar mitten auf dem Parkplatz eines Baumarktes häuslich niederlassen wollen, wie Bauamt-Leiter Thomas Pöschik erfahren hat. Der geistig vielleicht nicht ganz auf der Höhe befindliche Nager zog aber weiter.

Die ohnehin schon tiefe Zuneigung der Schrozberger zu ihrem "Stadt-Biber" will das Regierungspräsidium demnächst noch mit einem speziellen Info-Abend stärken.


Kreis Hall: Nur an der Bühler tummeln sich noch keine Biber

Binnen 20 Jahren hat sich "Castor fiber" seine Lebensräume auch hierzulande wieder zurückerobert. Seit der ersten Sichtung eines Bibers am Ölmühlweiher zwischen Lautenbach und Unterdeufstetten hat sich der Biber in allen größeren Gewässern im Kreis Schwäbisch Hall nach seiner vollständigen Ausrottung im 19. Jahrhundert wieder angesiedelt - mit einer Ausnahme: An den Gestaden der Bühler haben Naturschützer, wie Martin Zorzi vom Umweltzentrum in Hall, bislang noch keine einschlägigen Spuren des Biber-Lebens gefunden. Die meisten Tiere haben ihre Heimstatt derzeit im Altkreis Crailsheim.

Experten wie André Hohmann vom Kreisumweltamt schätzen, dass sich im Kreis Hall momentan rund 100 Biber tummeln. Im Regierungsbezirk Stuttgart sind es circa 670 Tiere in 140

Revieren, und in ganz Baden-Württemberg hat sich die Biber-Population auf mittlerweile rund 2500 Exemplare erhöht.

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