Thomas Pfeiffer spielt den Wassergeist

Ende Juli wird Thomas Pfeiffer in „Das Wasserfraale von Orlach“ als Geist am Kocher sitzen, die Harfe zupfen und Lieder singen. Für diese Rolle wurde sein sechs-Tage-Bart zum sechs-Monats-Bart.

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Thomas Pfeiffer in der Pose des Wassergeistes: Er spielt Harfe, singt und versucht so, Wassernixen anzulocken.  Foto: 

Das Telefon im Hause Pfeiffer klingelt. „Nein, nächste Woche ist schlecht. Montag dirigiere ich beim Chor in Künzelsau, Dienstag bin ich beim Chor in Mangoldsall, Mittwoch gebe ich Gesangsunterricht. Dann habe ich Theaterproben und bin an der Uni.“ So klingt es, wenn Thomas Pfeiffer seinem Neffen die Wochenplanung durchgibt.

Viel ist los im Alltag von Thomas Pfeiffer, aber gehetzt wirkt der 66- Jährige nicht, wie er sich neben seinen Kaminofen setzt und in seinem Bart krault. Der Bart ist neu. Seit Weihnachten lässt er Bart und Haare wachsen. Pfeiffer spielt beim Braunsbacher Laientheater mit, und dieses Jahr hat er die Rolle des Wassergeists. Es ist das dritte Stück, bei dem er beim Theater in Braunsbach mitspielt, und auch schon das dritte Mal, dass er sich einen Bart wachsen lässt.

„Wahnsinnig gerne mache ich es nicht. Aber mir ist das allemal lieber, als geschminkt zu werden.“ Manchmal hat er Mühe mit der ungewohnten Fülle des Haupthaares. Leider könne man sich als Mann ja keine Spangen ins Haar klemmen, darum hilft er sich mit einem Hut. „Sieht albern aus, nicht wahr“, führt er seine Kopfbedeckung vor. „Aber es hilft dagegen, dass mir die Haare immerzu ins Gesicht fallen.“ Haare wachsen lassen, Texte lernen, Lieder singen – einiges nimmt Pfeiffer auf sich, um die Rolle des Wassergeistes gut in Szene zu setzen. Doch sein Einsatz hat Grenzen: Zunehmen für eine Rolle, das käme nicht in Frage. „Das passiert leider von ganz alleine.“ In dem Stück „Das Wasserfraale von Orlach“ wird Thomas Pfeiffer im weißen Gewand am Kocher sitzen und Harfe spielen. Seine Musik soll neugierige Nixen hervor locken.

„Spiel doch weiter ehrwürdiger Geist, wir wollen tanzen.“ Thomas Pfeiffer singt und imitiert mit den Händen das Harfenspiel – die Klänge kommen indes vom Band. Er hat die Musik zu dem Stück zusammengestellt, ein Lied komponiert. „Wasserelfchen tanzen nur im Abendscheine. Fort muss jede Nix’ und Elf, schlägt vom Turm die Glocke zwölf“, singt er darin und warnt die Geisterwesen, rechtzeitig aus der Menschenwelt zu verschwinden.

Wenn Pfeiffer auf der Bühne steht, möchte er etwas vermitteln. „Es gibt mittlerweile so viel sogenannte Comedy zu sehen. Aber das Leben besteht aus viel mehr“, meint Pfeiffer. „Ich transportiere eine Botschaft.“ Ob das Wesentliche beim Publikum ankommt, merke er genau. Etwa wenn nach Ende eines Stückes eine kleine Weile verstreicht bis der Applaus kommt. „Manchmal höre ich auch ein Schluchzen oder sehe, wie jemand ein Taschentuch heraus holt.“ Im aktuellen Stück lautet die Botschaft: Besinne Dich auf die wahre Liebe. Noch fehlt ein Abschlusslied. Daran feilt der Musikprofessor noch. „Ich würde gerne einen der vier ernsten Gesänge von Brahms nehmen. Aber ich fürchte, das ist zu schwere Kost.“

Musik war Pfeiffers Beruf, Musik begleitet ihn auch im Ruhestand. Vor vier Jahren kauften Thomas und Gisela Pfeiffer die ehemalige Grundschule in Döttingen. Lange haben sie renoviert. Vor anderthalb Jahren ist das Paar von Bietigheim nach Döttingen gezogen. Ihr Plan: Sie möchten ein Seminarhaus aufbauen. Musikunterricht, Wochenendkurse, Treffen Musikbegeisterter sind geplant – alles zwanglos. Was die Finanzierung angeht: „Jeder soll zahlen, was er kann und will.“ Beide geben bereits Gesangs-, Querflöten- und Klavierunterricht. Noch hat das Haus keinen Namen, aber unter der Regie des sympathischen Mannes hat man in Döttingen Schönes zu erwarten.

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