Thema Schlaganfall: "Jeder Mensch muss auf Warnsignale achten"

Am Telefon oder am Bus - dem Kardiologen und Chefarzt am Klinikum Crailsheim und am Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall, Professor Dr. Alexander Bauer, liegt Aufklärung zum Thema Schlaganfall am Herzen.

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Chefarzt Professor Dr. Alexander Bauer Archivfoto

Am heutigen Donnerstag stehen Sie mit der Aktion "Baden-Württemberg gegen den Schlaganfall" auf dem Crailsheimer Schweinemarktplatz, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Ist das Thema so wichtig, dass sich ein Chefarzt dafür Zeit nimmt?

ALEXANDER BAUER: Schlaganfall ist eine Erkrankung, die zum Teil tödlich ausgeht oder die dazu führen kann, dass aus Patienten Pflegefälle werden. Es ist nicht nur eine Erkrankung des Alters, sondern es kann auch jüngere Menschen treffen. Daher ist es wichtig, dass jeder Mensch auf die Warnsignale achtet und schnell Hilfe holt - denn es kann jeden treffen, jederzeit. Es ist nötig, die Öffentlichkeit ein bisschen aufzurütteln. Der Deutsche ist ja bekanntlich ein bisschen träge, was den Gang zum Arzt betrifft.

Was sind die Alarmzeichen, bei denen sofort der Notarzt gerufen werden muss?

BAUER: Zu den typischen Schlaganfall-Symptomen gehören eine plötzlich auftretende einseitige Lähmung des Gesichts oder des Körpers, Taubheitsgefühl, Seh- und Sprachstörungen, Desorientiertheit, Schwindel oder auch heftige Kopfschmerzen. In diesem Fall muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden, denn es zählt tatsächlich jede Minute: Wenn in den ersten drei bis viereinhalb Stunden nach Symptombeginn mit der medikamentösen Behandlung begonnen wird, gibt es noch gute Chancen, das Schlimmste abzuwenden.

Wenn jede Minute zählt, sollte dann das nächstgelegene Krankenhaus angefahren werden?

BAUER: Am Haller Diakonie-Klinikum gibt es eine Stroke-Unit, eine zertifizierte Schlaganfall-Einheit für Patienten aus dem gesamten Landkreis. Hier sind Schlaganfallpatienten sehr gut aufgehoben. Unmittelbar nach Einlieferung des Notfallpatienten kann mit medizinischen Maßnahmen und Therapien beziehungsweise der Frührehabilitation zur Linderung der Folgen begonnen werden. Das Crailsheimer Landkreisklinikum und das Diak arbeiten dabei sehr eng zusammen.

Werden in Crailsheim keine Schlaganfallpatienten behandelt?

BAUER: Doch. Wir behandeln in Crailsheim auch zwischen 100 und 200 Schlaganfälle pro Jahr. Manchmal sind es unklare Fälle, manchmal werden die Patienten nicht vom Rettungsdienst nach Schwäbisch Hall, sondern mit Privatwagen nach Crailsheim gebracht. Wenn wir noch innerhalb des ersten Zeitfensters liegen, verlegen wir die Patienten ins Diak. Nach Ablauf der drei bis viereinhalb Stunden spielt es keine Rolle mehr, wo der Patient behandelt wird.

Sie sagten, jeder könne jederzeit einen Schlaganfall bekommen. Gibt es Faktoren, die das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, erhöhen?

BAUER: Die Schlaganfall-Risikofaktoren sind dieselben wie die eines Herzinfarktes: Bluthochdruck, zu hohe Blutfettwerte, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen. Auch Herzrhythmusstörungen spielen eine Rolle. Das Vorhofflimmern ist für ein Drittel aller Schlaganfälle verantwortlich.

Wie kann man sich vor einem Schlaganfall schützen?

BAUER: Der beste Schutz ist eine gesunde Lebensführung, beginnend mit der Ernährung und ausreichend Bewegung. Gehen Sie regelmäßig zum Gesundheitscheck. Ab einem Lebensalter von 50 Jahren sollte von Zeit zu Zeit ein Ruhe-EKG gemacht werden, insbesondere wenn bei Familienmitgliedern bereits ein Schlaganfall aufgetreten ist. Patienten, die bereits einen Schlaganfall hatten, müssen besonders gut beobachtet werden, denn das Risiko für weitere Schlaganfälle ist bei ihnen deutlich erhöht.

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